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Dhyana

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Alt 03.05.2007, 08:59   Wirklichkeit Beitrag #1
Gast53
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Beiträge: n/a
Standard Wirklichkeit

Wenn wir „Wirklichkeit“ sagen, so meinen wir damit das, was ist
zum Unterschied von allem nur scheinbar oder überhaupt nicht
Existierenden.
Wirklichkeit hat darum zunächst einmal das Unbedingte und alles übrige Bedingende,
also Gott, wie immer man ihn sich sonst auch denken mag.
Wirklichkeit kommt von wirken, und wirken heißt schaffen.
Nichts kann somit wirklicher sein, als der Schöpfer.
Aber auch das von ihm Geschaffene, das Gewirkte und Bedingte ist wirklich;
denn Gott schafft keine Unwirklichkeiten. Aus Wirklichem geht immer wieder
Wirkliches hervor. Wirklich ist so vor allem das höchste der Geschöpfe,
das Ebenbild des Schöpfers, der Mensch, wenigstens solange er sich von
ihm, dem Unbedingten bedingt sein läßt, solange er seiner
Geschaffenheit nicht ausweicht. Tut er das, dann wird allerdings seine
Bedingtheit oder richtiger seine vermeintliche Unbedingtheit bzw. zu
einer bloß noch relativen Wirklichkeit, je nach dem Grad nämlich, in
dem er sich der Wirklichkeit Gottes entzieht. Freilich kann auch hier, nur
eben in einem ganz anderen Sinn, einfach von Wirklichkeit, von der
besonderen Wirklichkeit dieses besonderen Menschen gesprochen
werden; denn das vom Unbedingten Abgelöste hat die ihm
zukommende Wirklichkeit in der Unwirklichkeit, letzen Endes im Tod,
so daß geradezu gesagt werden kann: Der Tod ist die Wirklichkeit des
vom Schöpfer ganz und gar abgewandten Geschöpfes. Daraus folgt, daß
Wirklichkeit ein sehr vager und vieldeutiger Begriff bleibt. Vor allem hat
man sich den Unterschied zwischen jener Wirklichkeit des Lebens und
dieser Wirklichkeit des Todes gründlichst klarzumachen. Welche von
beiden meint man, wenn man „Wirklichkeit“ sagt? Das ist die
entscheidende Frage. Wer die Wirklichkeit des Lebens meint,
muß in der anderen die Unwirklichkeit schlechthin erkennen,
aber trotzdem ist gerade sie das, was der Mensch gemeinhin,
ohne sich darüber viele Gedanken zu machen, „die Wirklichkeit“ nennt.
Die Gottfremdheit hat von allem Anfang an einen anderen
„Lebensbegriff“ und dementsprechend auch einen anderen
Wirklichkeitsbegriff als die Ebenbildlichkeit. Dem Gottfremden gilt als
wirklich im höchsten Sinn nur, was ihm dazu verhilft, seine eigene
Selbstherrlichkeit zu verwirklichen. Zunächst sind wir geneigt, alle Dinge
und Erscheinungen, die sich unseren Sinnen zeigen, für wirklich zu
halten. Aber der auch nur einigermaßen kritische Geist traut diesem
bloßen Sinnenzeugnis nicht. Die letzte Instanz, an die er sich wendet, die
seiner Meinung nach allein befugt ist, über Wirklichkeit oder
Unwirklichkeit zu entscheiden, bleibt für ihn das kausale Denken, das als
unanzweifelbar wirklich nur gelten läßt, was sich als logisch notwendig
ausweisen kann. Die Wirklichkeit muß sich also vor dem Forum des
Intellektes rechtfertigen, und der Intellekt erkennt, das macht seine
Besonderheit aus, nicht etwa dem Unbedingten, das er gar nicht faßt,
sondern bloß dem unbedingt Bedingten das Prädikat des Wirklichen zu. Der
Intellekt urteilt nach der Kategorie der rationalen Kausalität, und somit
ist das rational Kausale für ihn auch das schlechthin Wirkliche. Selbst
dort, wo wir mit dem einen Sinn die Wahrnehmungen des anderen
nachprüfen, etwa mit den Augen das Ertastete oder umgekehrt mit dem
Tastsinn das Gesehene, ist nicht der prüfende Sinn, sondern das über die
Wahrnehmung aller Sinne reflektierende Denken die entscheidende
Instanz. Die einzelnen Sinne werden nur vorgeschickt, je nach Bedarf,
um vor dem richtenden Intellekt ihre Zeugenaussagen abzulegen.
Merkwürdigerweise steht aber dieser kausalen objektiven Wirklichkeit
noch eine andere gegenüber, die subjektive, die keines Nachweises bedarf,
sondern ihre Evidenz aus sich selbst hat. Niemandem fällt es ein,
umständlich zu prüfen, ob nicht vielleicht die Meinung, daß er existiert,
auf einem Irrtum beruht, und das, obgleich ihm gerade auf seine
Existenz alles ankommt, so sehr, daß er seine sämtlichen
Unternehmungen und Anstrengungen ausschließlich in den Dienst der
Selbsterhaltung und Selbstförderung stellt. Auch das Streben, die
Wirklichkeit des Objektiven nachzuweisen, erklärt sich offenbar nur aus
diesem einen zentralen Interesse.
Der autonome Geist will an der durchgängigen kausalen Bedingtheit des Äußeren seine eigene Unbedingtheit bestätigt finden.
Ich bin ganz wirklich, wenn es neben mir keine Wirklichkeiten gibt,
ich bin alles, wenn außer mir nichts ist.
Was das rationale Denken
als Wirklichkeit versteht, ist mithin genau besehen die absolute
Unwirklichkeit, aber allerdings als objektives Spiegelbild des allein
wirklichen Ich. Freilich läßt sich diese autonome Wirklichkeit im
Widerspruch auf die Dauer nicht behaupten; denn das Subjekt kann
nicht umhin, sich selbst gleichfalls als eingegliedert in die von ihm
entwirklichte objektive Welt zu erkennen und verfällt so am Ende der
Unwirklichkeit, die es seiner Wirklichkeit zuliebe gesetzt hat.
Aus Erwin Reisner „Der Daemon und sein Bild"

Geändert von Gast53 (03.05.2007 um 09:02 Uhr)
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Alt 03.05.2007, 09:17   Wirklichkeit Beitrag #2
Gast53
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Beiträge: n/a
Standard Wirklichkeit 2

Während die Wirklichkeit des Schöpfers in seinem Wirken zum
Ausdruck kommt, in der Tatsache, daß er andere Wirklichkeiten schafft
und sich zu ihnen verhält, und zwar Wirklichkeiten, die als solche
befähigt sind, abermals Wirkliches zu schaffen, das heißt im Wirken die
Welt mit Wirkendem zu füllen, beschränkt sich der isolierte Geist darauf,
das eigene Sein als einzige Wirklichkeit gleichsam herauszuschälen aus
allem übrigen und die abgeworfenen Schalen als das Unwirksame vor
sich hinzustellen. Seine Wirklichkeit hat also das Unwirkliche zu ihrem
Gegenüber, sie schafft nicht, sondern nimmt im Gegenteil dem
Geschaffenen das vom Schöpfer hineingelegte Schöpferische, sie
verwirklicht nicht, sondern entwirklicht. Man braucht nur an eine
Landschaft zu denken, die einmal von Wäldern bedeckt war und jetzt an
ihrer Stelle einen Wald von Bohrtürmen und Schloten hervortreibt, um
ungefähr zu verstehen, was da gemeint ist. Der lebendige Wald läßt das
Wirken des Schöpfers, der tote aber das Wirken des Menschen erkennen,
der alle Wirklichkeit für sich allein in Anspruch nimmt. Jener wächst aus
der ihm einmal geschenkten Kraft allein empor, dieser kann aus sich
selbst überhaupt nicht wachsen. Da muß vielmehr jeder Stein und jede
Stahltraverse von außen aufgelegt werden. Der Baum antwortet in
seinem Wachsen auf das Wort Gottes, das ihn in Leben gerufen hat, der
Schlot wie der Bohrturm bleibt stumm, er kann nicht antworten, sein
Wachstum ist nichts weiter als der sich im Anschaubaren fortsetzende
Monolog des Baumeisters. Darum hat nur der Baum und nicht der
Schlot Wirklichkeit. Das Wirkliche ist wirklich allein in seiner
Bezogenheit auf andere Wirklichkeiten.
Nur wo das nicht begriffen wird, kann die Frage auftauchen, ob die
Dinge und Wesen außer uns eine von uns, den Wahrnehmenden
unabhängige Wirklichkeit haben, ob es also — ganz abstrakt ausgedrückt
— ein transsubjektives Sein überhaupt gibt, oder ob nicht alle Objekte
lediglich „Erscheinung“ (Phänomenon) des erkennenden Subjektes ist.
Diese Frage kommt schon aus einer in der Wurzel kranken
Wirklichkeitsvorstellung und setzt die Alleinwirklichkeit des Fragenden
stillschweigend voraus.
E.R.

Geändert von Gast53 (03.05.2007 um 09:21 Uhr)
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Alt 03.05.2007, 09:49   Wirklichkeit Beitrag #3
Pipilotta
Gesperrt
 
Registriert seit: 01.01.2007
Beiträge: 108
Standard

Zitat:
Zitat von spontiwelli
Während die Wirklichkeit des Schöpfers in seinem Wirken zum
Ausdruck kommt, in der Tatsache, daß er andere Wirklichkeiten schafft
und sich zu ihnen verhält, und zwar Wirklichkeiten, die als solche
befähigt sind, abermals Wirkliches zu schaffen, das heißt im Wirken die
Welt mit Wirkendem zu füllen, beschränkt sich der isolierte Geist darauf,
das eigene Sein als einzige Wirklichkeit gleichsam herauszuschälen aus
allem übrigen und die abgeworfenen Schalen als das Unwirksame vor
sich hinzustellen. Seine Wirklichkeit hat also das Unwirkliche zu ihrem
Gegenüber, sie schafft nicht, sondern nimmt im Gegenteil dem
Geschaffenen das vom Schöpfer hineingelegte Schöpferische, sie
verwirklicht nicht, sondern entwirklicht. Man braucht nur an eine
Landschaft zu denken, die einmal von Wäldern bedeckt war und jetzt an
ihrer Stelle einen Wald von Bohrtürmen und Schloten hervortreibt, um
ungefähr zu verstehen, was da gemeint ist. Der lebendige Wald läßt das
Wirken des Schöpfers, der tote aber das Wirken des Menschen erkennen,
der alle Wirklichkeit für sich allein in Anspruch nimmt. Jener wächst aus
der ihm einmal geschenkten Kraft allein empor, dieser kann aus sich
selbst überhaupt nicht wachsen. Da muß vielmehr jeder Stein und jede
Stahltraverse von außen aufgelegt werden. Der Baum antwortet in
seinem Wachsen auf das Wort Gottes, das ihn in Leben gerufen hat, der
Schlot wie der Bohrturm bleibt stumm, er kann nicht antworten, sein
Wachstum ist nichts weiter als der sich im Anschaubaren fortsetzende
Monolog des Baumeisters. Darum hat nur der Baum und nicht der
Schlot Wirklichkeit. Das Wirkliche ist wirklich allein in seiner
Bezogenheit auf andere Wirklichkeiten.
Nur wo das nicht begriffen wird, kann die Frage auftauchen, ob die
Dinge und Wesen außer uns eine von uns, den Wahrnehmenden
unabhängige Wirklichkeit haben, ob es also — ganz abstrakt ausgedrückt
— ein transsubjektives Sein überhaupt gibt, oder ob nicht alle Objekte
lediglich „Erscheinung“ (Phänomenon) des erkennenden Subjektes ist.
Diese Frage kommt schon aus einer in der Wurzel kranken
Wirklichkeitsvorstellung und setzt die Alleinwirklichkeit des Fragenden
stillschweigend voraus.
E.R.

Kann es vielleicht auch so sein, dass Autos, Computer, Bohrtürme, Gemälde, Statuen.... die Blüten und Blätter der Menschen sind?

Auch das Wachstum der Bäume wird immer wieder begrenzt durch andere Wesen, die die jungen Triebe abfressen oder sich von den Samen ernähren.

Für mich gibt es keinen Wirker ohne Gewirktes, keinen Künstler ohne Kunst, keinen Schöpfer ohne Schöpfung. Das bedeutet aber, dass Schöpfer und Schöpfung ohne Rangordnung sein müssen. Keins ist ohne das andere, das heißt aber auch, keins ist vor dem anderen und keins Ursache des anderen, bzw. jedes Ursache des anderen, da sie sich gleichermaßen bedingen. Schöpfer und Geschöpfe sind eins. Wenn wir nur Details herauspicken und betrachten, gerät uns das aus dem Blick. Hat Meister Eckehart schön beschrieben: Predigt 40, Johannes 16,16: Über ein kleines oder ein weniges und alsbald werdet ihr mich nicht sehen.

Gruß an E.R.
Pipilotta ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2007, 10:38   Wirklichkeit Beitrag #4
Gast780
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Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von Pipilotta
Schöpfer und Geschöpfe sind eins. Wenn wir nur Details herauspicken und betrachten, gerät uns das aus dem Blick. Hat Meister Eckehart schön beschrieben: Predigt 40, Johannes 16,16: Über ein kleines oder ein weniges und alsbald werdet ihr mich nicht sehen.
Ich mag Meister Eckharts Konzept von der Schöpfung sehr. Wen es interessiert:

WORT-EREIGNIS STILLE
Schöpfung bei Meister Eckhart
http://homepage.univie.ac.at/karl.ba...df/Eckhart.PDF


ein Auszug daraus:
Das Schöpfen Gottes ist bei Eckhart kein "Herstellen", sondern "Seinsgabe", creatio est collatio esse. Das Geschöpf ist zwar vom Schöpfer abhängig, weil es nur sein kann, insofern er ihm Sein zuströmen läßt, aber diese Abhängigkeit ist kein Unterdrückt- und Kleingehaltenwerden, sondern eine permanente Befreiung, denn das, was dem Geschöpf gegeben wird, ist sein eigenes Sein, kraft dessen es selbstständig sein und wirken kann.


  Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2007, 11:16   Wirklichkeit Beitrag #5
Gast1082
Guest
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von Pipilotta


Kann es vielleicht auch so sein, dass Autos, Computer, Bohrtürme, Gemälde, Statuen.... die Blüten und Blätter der Menschen sind?
eher Früchte. Sie fallen ja ab...

Gruß tobias
  Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2007, 11:24   Wirklichkeit Beitrag #6
SEIN
Senior Member
 
Registriert seit: 07.03.2006
Ort: Niederbayern
Beiträge: 769
Standard

Zitat:
Zitat von Norbert
Ich mag Meister Eckharts Konzept von der Schöpfung sehr. Wen es interessiert:

ein Auszug daraus:
Das Schöpfen Gottes ist bei Eckhart kein "Herstellen", sondern "Seinsgabe", creatio est collatio esse. Das Geschöpf ist zwar vom Schöpfer abhängig, weil es nur sein kann, insofern er ihm Sein zuströmen läßt, aber diese Abhängigkeit ist kein Unterdrückt- und Kleingehaltenwerden, sondern eine permanente Befreiung, denn das, was dem Geschöpf gegeben wird, ist sein eigenes Sein, kraft dessen es selbstständig sein und wirken kann.





ja, - so kann es gesehen werden. - schön! danke norbert.

lg. ingrid
SEIN ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2007, 12:44   Wirklichkeit Beitrag #7
Gast53
Guest
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von Pipilotta


Kann es vielleicht auch so sein, dass Autos, Computer, Bohrtürme, Gemälde, Statuen.... die Blüten und Blätter der Menschen sind?


Auch das Wachstum der Bäume wird immer wieder begrenzt durch andere Wesen, die die jungen Triebe abfressen oder sich von den Samen ernähren.

Für mich gibt es keinen Wirker ohne Gewirktes, keinen Künstler ohne Kunst, keinen Schöpfer ohne Schöpfung. Das bedeutet aber, dass Schöpfer und Schöpfung ohne Rangordnung sein müssen. Keins ist ohne das andere, das heißt aber auch, keins ist vor dem anderen und keins Ursache des anderen, bzw. jedes Ursache des anderen, da sie sich gleichermaßen bedingen. Schöpfer und Geschöpfe sind eins. Wenn wir nur Details herauspicken und betrachten, gerät uns das aus dem Blick. Hat Meister Eckehart schön beschrieben: Predigt 40, Johannes 16,16: Über ein kleines oder ein weniges und alsbald werdet ihr mich nicht sehen.

Gruß an E.R.
Naja ich lasse mal E.R. selbst antworten, soweit mir das möglich ist :

Das selbstherrliche oder rationale Bewußtsein erklärt die Phänomene seiner
Wirklichkeit aus Ursachen, aus Vergangenheiten und setzt damit das
Erklärte als unfrei seiner eigenen Freiheit entgegen. Der Wille, der sich die
Welt in ein System von rationalen Leblosigkeiten verwandelt, verfällt am
Ende selbst dieser Leblosigkeit. Für ihn aber heißt leblos werden das
Leben verlieren, das er hat, ja dessen Inbegriff er ist, also sterben, und so
wird ihm der Tod zum unausweichlichen Endergebnis seines Strebens
nach eigener Unbedingtheit. Die selbsterzeugte rationale Kausalität der
Leblosigkeit bemächtigt sich seiner, und indem sie sich seiner bemächtigt,
verwandelt sie sich in die dämonische gegenschöpferische
Kausalität des Todes. Je näher er dem Ende kommt, um so deutlicher
blickt ihm aus der rationalen Umwelt der Tod entgegen. Die nüchterne
Welt des Naturgesetzes sperrt schließlich wie ein furchtbares Ungeheuer
den Rachen auf, um ihn zu verschlingen. Immer mehr hat der Mensch
seine Wirklichkeit theoretisch und technisch den Kategorien der reinen
Vernunft unterworfen, um sie sich auf diese Weise beherrschbar zu
machen, er hat Maschinen erfunden und gebaut, die seinem Leben
dienen sollten, aber allmählich haben sich die leblosen Maschinen zu
Vernichtungswerkzeugen entwickelt, die nun den Erfinder selbst
bedrohen. Sie, die ursprünglich ganz und gar dem rationalen Gesetz zu
gehorchen schienen und darum für ungefährlich galten, treten immer
mehr in das Licht einer ganz anderen Kausalität, hinter der nicht das
unpersönliche Gesetz, sondern der teuflische Wille des Zerstörers lauert,
und wer nur einigermaßen offene Augen hat, kann bemerken, wie ihn
aus den von Menschenhänden geformten Vernichtungsmaschinen
unserer Zeit bereits die Fratzen der zum Sprung bereiten Dämonen
angrinsen. Es ist kein bloßes Spiel des Zufalls, wenn Panzerwagen,
Kampfflugzeuge und Geschütze ihre Physiognomie haben. Das Leblose
und Blinde bekommt da plötzlich Augen, Teufelsaugen, die uns ahnen
lassen, daß hinter der Welt des Technischen Mächte wirksam sind, die
uns nach dem Leben greifen. „Du sollst dir kein Bild noch irgendein
Gleichnis machen!“ Ohne es zu wissen und zu wollen, hat der Mensch in
den Maschinen seinen Götzen Bilder gemacht, und diese Götzenbilder
fordern nun ihre Opfer.
E.R.
  Mit Zitat antworten
Alt 03.05.2007, 21:59   Wirklichkeit Beitrag #8
Pipilotta
Gesperrt
 
Registriert seit: 01.01.2007
Beiträge: 108
Standard

Zitat:

Das selbstherrliche oder rationale Bewußtsein erklärt die Phänomene seiner
Wirklichkeit aus Ursachen, aus Vergangenheiten und setzt damit das
Erklärte als unfrei seiner eigenen Freiheit entgegen. Der Wille, der sich die
Welt in ein System von rationalen Leblosigkeiten verwandelt, verfällt am
Ende selbst dieser Leblosigkeit. Für ihn aber heißt leblos werden das
Leben verlieren, das er hat, ja dessen Inbegriff er ist, also sterben, und so
wird ihm der Tod zum unausweichlichen Endergebnis seines Strebens
nach eigener Unbedingtheit. Die selbsterzeugte rationale Kausalität der
Leblosigkeit bemächtigt sich seiner, und indem sie sich seiner bemächtigt,
verwandelt sie sich in die dämonische gegenschöpferische
Kausalität des Todes. Je näher er dem Ende kommt, um so deutlicher
blickt ihm aus der rationalen Umwelt der Tod entgegen. Die nüchterne
Welt des Naturgesetzes sperrt schließlich wie ein furchtbares Ungeheuer
den Rachen auf, um ihn zu verschlingen. Immer mehr hat der Mensch
seine Wirklichkeit theoretisch und technisch den Kategorien der reinen
Vernunft unterworfen, um sie sich auf diese Weise beherrschbar zu
machen, er hat Maschinen erfunden und gebaut, die seinem Leben
dienen sollten, aber allmählich haben sich die leblosen Maschinen zu
Vernichtungswerkzeugen entwickelt, die nun den Erfinder selbst
bedrohen. Sie, die ursprünglich ganz und gar dem rationalen Gesetz zu
gehorchen schienen und darum für ungefährlich galten, treten immer
mehr in das Licht einer ganz anderen Kausalität, hinter der nicht das
unpersönliche Gesetz, sondern der teuflische Wille des Zerstörers lauert,
und wer nur einigermaßen offene Augen hat, kann bemerken, wie ihn
aus den von Menschenhänden geformten Vernichtungsmaschinen
unserer Zeit bereits die Fratzen der zum Sprung bereiten Dämonen
angrinsen. Es ist kein bloßes Spiel des Zufalls, wenn Panzerwagen,
Kampfflugzeuge und Geschütze ihre Physiognomie haben. Das Leblose
und Blinde bekommt da plötzlich Augen, Teufelsaugen, die uns ahnen
lassen, daß hinter der Welt des Technischen Mächte wirksam sind, die
uns nach dem Leben greifen. „Du sollst dir kein Bild noch irgendein
Gleichnis machen!“ Ohne es zu wissen und zu wollen, hat der Mensch in
den Maschinen seinen Götzen Bilder gemacht, und diese Götzenbilder
fordern nun ihre Opfer.
E.R.
Mir scheint der Herr E.R. hat große Angst. Er schildert das Tun der Menschheit als letztendlich äußerst bedrohlich. Das ist wohl für viele Menschen so, allerdings drohte der Tod auch schon bevor es Maschinen gab. Das Leben eines Lebewesens wird nun mal mit der Geburt (wenn man das als Lebensbeginn annehmen will) gefährlich, auch für die, die nicht mit Maschinen in Berührung kommen.

Und ist er nicht eifrig dabei ein Bild zu machen? Er nimmt sich einen (Lebens)ausschnitt, fügt einen Rahmen darum und kommt m.E. aufgrund der nun beschränkten Betrachtungsmöglichkeit zwangsläufig zu einem nur teilweise zutreffenden Urteil. Damit zeigt er geradezu auf perfekte Art, dass Mensch sich eben kein (zutreffendes) Urteil (Bild, Vorstellung) machen kann (wegen der beschränkten Sicht). Für mich lautet der Lutherspruch auch daher: du kannst dir kein Bild machen (auch wenn du nicht lassen kannst, es zu versuchen)!

Diese Betrachtung ist auch nur ein Bild. Von meinem Standpunkt aus gefällt's mir aber besser.

L.G.

Geändert von Pipilotta (03.05.2007 um 22:22 Uhr)
Pipilotta ist offline   Mit Zitat antworten
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