Von Herz zu Herz
Herz ist ja eigentlich mehr so ein poetischer Ausdruck und bezieht sich eher auf Gefühltes als Gedachtes. Wobei sich die Gefühle oder das Herz sehr wohl der Gedanken bedienen um sich mitzuteilen. Die Sprache des Herzens ist auch eine ganz andere als die Sprache der Logik und der Vernunft. Das Herz hat auch eine Logik, doch die ist ganz andres als die Logik des Verstandes. Oft ist es ja auch so, das Vernunft und Herz als Kontrahenten erlebt werden.
In unserer heutigen Gesellschaft sind Herzkrankheiten die Todesursache Nummer eins. Vielleicht ist das ein kleiner Hinweis darauf mehr Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse des Herzens zu richten. Mein Anliegen in diesem Unterforum ist es, gemeinsam mit Euch den Aufmerksamkeitsfocus gezielt auf das Herz, das Gefühlte zu richten.
Ich hab die Moderation dieses Unterforums mit dem Titel „die Explosion des Herzen“ nicht übernommen, weil ich mich für einen Herzspezialisten halte, sondern weil ich selbst mehr über mein Herz, seine Bedürfnisse und Verlangen erfahren und mit Euch teilen möchte. Ich möchte dazu mal eine kleine Geschichte aus meinem Leben erzählen. –
Vor ca 15 Jahren war ich für längere Zeit in Andalusien unterwegs. Ich habe einen Bruder, ein Jahr jünger als ich. Wir schliefen als Jungs jahrelang im selben Bett, und ich erinnere mich oft an ein nächtliches Aufwachen aus kindlichen Alpträumen, das Spüren meines Bruders neben mir, wie ich meinen Arm um ihn lege und dadurch der Alp sich auflöst. Im Tagesleben hatten wir gar nicht soviel miteinander zu tun, jeder hatte so seine eigenen Freunde und sein eigenes unabhängiges Leben. Wir fanden dann persönlich erst in späteren Jahren näher zusammen. In meinen Gefühlen zu ihm war sehr viel Sehnsucht nach Nähe aber es ging auch um Kompetition und Konkurrenz. Vom Sternzeichen ein echter Wassermann ist er heute noch ein Wanderer zwischen den Welten. Unser Verhältnis ist mit den Jahren immer enger geworden. Er war auch derjenige der in den Siebzigern nach Indien zu Osho fuhr, und dann als einer der ersten Sannyassins in Nürnberg in oranger Robe durch die Gegend rannte.
So jedes Jahr taucht er dann mal bei mir auf und bleibt 2 oder 3 Monate die wir beide sehr geniessen.
Aber zurück zur Geschichte die ich eigentlich erzählen will. Das ist gar nicht so einfach, da mir im Zusammenhang sehr viele Geschichten im Focus erscheinen die ich mit meinem Bruder zusammen erlebt habe und die es wert sind erzählt zu werden. Also verzeiht mir nachsichtig wenn ich hier immer wieder mal Geschichten zum besten gebe und fahrt mir ohne Hemmungen über den Mund wenn sie zu langatmig, langweilig, wichtigtuerisch oder sonst irgendwie nervend sind.
Ja wir sassen damals also zusammen in einem kleinen ehemaligen Postbus, den ich einem Gefühl folgend schwarz und rot gestrichen und innen mit Samt derselben Farbe ausgekleidet hatte, am südspanischen Atlantik. Schwarz und Rot für Liebe und Tod. Zwei Themen die zu der Zeit hochaktuell waren für mich. Es ist ja gar nicht so einfach eine Geschichte zu erzählen, da sich jeden Moment immer wieder neue Sichtweisen und mögliche Schwenks auftun, da ja Alles mit Allem total verwoben ist und nie verstandesmässig in seiner wunderbaren unbegreiflichen Fülle erfasst werden kann. Ja die Wege Gottes sind wahrlich unerforschlich, ebenso wie die Wege des Herzens.
Nun wir sassen uns da also gegenüber, die Sonne war gerade untergegangen, auf einem kleinen Tisch brannte eine Kerze und in die Stille zwischen uns richtete ich folgende Frage an meinen Bruder, der eigentlich mit Vornamen Helmut heisst, dann einige Jahre mit dem Sannyasnamen „Nirvana Suvasa“ unterwegs war und sich seit etwa 20Jahren „Otto Öttel“ nennt.
„Otto, ich empfinde Deine Präsenz im Moment sehr klar und selbstbewusst und dominierend.
Meine Energie empfinde ich aber fast genauso. Ich spüre seit Jahren diese starke Anziehung zwischen uns und dann nach einer gewissen Zeit den Drang wieder mehr Distanz zwischen uns zu schaffen. Was hält diese empfindliche Balance zwischen Anziehung und Abstossung
zwischen uns?“
Er darauf zu mir:“Lass uns mal in die Augen schauen und gemeinsam in unser Herz atmen und sehen was passiert.“
Wir taten das dann für einige Minuten. Ich bemerkte bei mir, dass es mir sehr schwer fiel meine Aufmerksamkeit vom Kopf ins Herz zu verlagern. Einer Intuition folgend bat ich ihn dann sich ganz dicht vor mich zu setzen. Wir legten die Arme um einander und ich schloss die Augen und atmete in dieser Nähe weiter in mein Herz.
Plötzlich öffnete ich dann die Augen und schaute zwischen unseren Körpern hinunter.
In diesem Moment befand ich mich plötzlich im Inneren einer riesigen Kugel die sich langsam drehte in der Vibration eines tiefen Tons. Das Innere dieser Kugel war nicht technisch, sondern total organisch. An den Wänden befanden sich eine Art durchsichtige Blasen in denen sich Wesen aller möglichen und unmöglichern Art befanden. All diese Blasen waren mit Adern miteinander verbunden und das ganze drehte sich wie gesagt ganz langsam um mich. Ich stand da und glotzte einfach ehrfürchtig mit einem unbeschreiblich erstaunten „WOW“ in mir. Und dann war plötzlich die Information da: Das ist das Herz des Universums und alles was ist, ist geboren aus diesem Herz und für immer verbunden in diesem Herz. Und dieses Herz ist auch Dein Herz. Im nächsten Moment war ich dann wieder da, in der sogenannten Realität. Ich erzählte dann meinem Bruder wo ich grad gewesen war
und machte dann einen langen Spaziergang am Meer um das Erlebte in mich sinken zu lassen.
Die Erfahrung die ich gemacht hatte war so real wie nur irgendwas real sein kann. Ich ahnte nur dass sich mir die ganze Bedeutung desssen erst noch erschliessen musste. Aber es war auch eine klare Entschlossenheit in mir, dem zu folgen was immer es auch bedeuten mochte.
Und da steh ich nun ich alter Tor
Nicht mehr so klug als wie zuvor,
Mein Herz macht mich zum Liebesnarren
Der meist fröhlich singend,
manchmal auch müde und erledigt
eingespannt an seinen Lebenskarren
auf seinem Weg im Nirgendwo
Hier noch ein Bild von meinem Bruder und mir in Aktion:
Und mein Wunsch für dieses Unterforum ist es, dass wir aus dem Wissen über die Verbundenheit der Herzen, das was aus ihnen fliesst, was immer das auch sein mag, Freude, Trauer, Poems, Lieder, Geschichten, miteinander teilen.
Liebe Grüsse
Sponti den die Liebe zum Narren seiner Selbst gemacht hat