Wenn ich das Bild eines Films heranziehe, um das Leben zu beschreiben, dann ist das Denken die Synchron-Spur.
Nun ist es aber so, dass dieser Film im Zweikanal-ton ausgestrahlt wird. Je nach Einstellung, höre ich den O-Ton oder die synchronisierte Fassung.
Der Original-Ton dieses Films ist solange nicht hörbar, wie ich die Synchronisation eingeschaltet habe.
Der Original-Ton ist die Stille.
Die synchronisierte Fassung liegt immer daneben. Wie will man denn >Stille< synchronisieren? Selbst die einfallsreichsten Übersetzungen erreichen doch nicht das Original. Auch ein bewusstes Schweigen der Synchron-Sprecher reicht nicht an die >Stille< des O-Tons heran.
In der synchronisierten Fassung sieht es so aus, als handelte der Film von irgendetwas:
Sinn, Zweck, Verständnis, Bedeutung, Veränderungen, Verbesserungen, Macht, Ohnmacht....
All das wird in den O-Ton hineingedeutet, obwohl es dort überhaupt nicht vorhanden ist.
Offensichtlich steht das Denken in keiner Beziehung zur >Stille<. Vielmehr ist es bemüht, der >Stille< eine Art Struktur zu verleihen, die aber in keiner Weise die >Stille< berührt, sondern nur etwas über die Struktur des Denkens aussagt.
Sieht man sich also die synchronisierte Fassung des Films an, sieht man einen völlig anderen Film, als das Original.
Das Original ist einfach ein total stiller Streifen. Ohne Sinn und ohne Zweck, ohne Ende und ohne Anfang.
In der synchronisierten Fassung sind alle ganz aufgeregt und versuchen etwas herauszufinden.
Irgendwann sind beide Kanäle eingeschaltet. Der O-Ton ist im Hintergrund deutlich hörbar. Und im Vordergrund scheint es noch um etwas zu gehen.
In dieser Zeit wird deutlich, welche Qualität das Original im Vergleich zur Synchron-Fassung hat.
Bei der Synchron-Fassung handelt es sich offensichtlich um einen Scherz. Mal ein besonders schlechter, mal ein in seiner Lächerlichkeit schon fast liebenswerter.
Durch das Lauschen des O-Tons verschwindet langsam und stetig das Interesse an der Synchron-Fassung.
Bis schließlich der synchronisierte Kanal abgestellt wird, so beiläufig, als hätte er nie existiert.