Wie immer, wie überall, zählen auch hier nur die Fähigkeiten eines jeden einzelnen. Sie bitten und flehen, doch ausser dem Inhalt des folgenden Verses haben sie nichts in den Händen:
"Solche Leute, über die wir eine vortreffliche Entscheidung gefällt haben"
Wer sucht die Seelen, die auf diesem Weg verloren gingen? Wer kann die Köpfe befragen, welche von ihrem Rumpf getrennt wurden? Nur wem die Rettung voraus bestimmt ist, der wird errettet werden. Denn alles liegt in der ewigen Vorherbestimmung. Möge das Meer der Liebe anschwellen, mögen die Wellen über den Reisenden zusammen brechen und sie unter sich begraben wollen; wenn Gott, erhaben ist Sein Wesen, ihre Errettung beschlossen hat, so wird Er sie in einem Augenblick wohlbehalten auf dem Berg Dschudi aufsetzen lassen. Endlich wird ihnen von Gott, erhaben ist Sein Wesen, durch Sein Erbarmen ein Zustand der Verzückung zuteil: Er ergreift sie und erhebt sie auf die als Sitz der Wahrhaftigkeit (Platz im Paradies) bezeichnete Stufe. Diese Stufe ist der ewigen Bestimmung entsprechend die Stufe, in der die Göttliche Gnade und Seine Wohltaten herabkommen. Doch es gibt nicht nur eine einzige Stufe, nein, ihrer gibt es viele. Um von einer Stufe zur anderen zu gelangen, muss man eine Reihe von Situationen passieren, die sich von Person zu Person unterscheiden. Aber darunter gibt es eine Station, die für alle gleichermassen unumgänglich ist; doch der Durchgang durch diese Station gilt als unbeschreiblich schwer. Es ist eine Station, an der jeder Reisende anlangt. Nun, über diese Stationen enthält folgender Koranvers Andeutungen:
"Bin ich nicht euer Herr?" (7:172)
Wer diese Stationen hinter sich hat, dessen Weg führt geradewegs zuer Welt der Gottesvereinigung. Es ist gewiss, dass die, welche bis hierher gelangen, von Gott, erhaben ist Sein Wesen, mit besonderen Fähigkeiten ausgezeichnet werden. Dies wissen am besten die Betroffenen selbst.
Haben sie diese Station überwunden, so werden sie berauscht von Heiterkeit und Freude, die sie überfällt; und sie verharren in glückseligem Erstaunen. Danach werden im folgenden Koranvers beschrieben:
"Denen, die Gutes tun, soll der beste Lohn zuteil werden und noch mehr." (10:26)
Wir können hier unter "bestem Lohn" alle Wohtaten und unter "noch mehr" die Vereinigung mit Gott verstehen. Jeder, der der Göttlichen Gegenwart teilhaftig werden möchte und mit der ganzen Kraft seines Herzens danach strebt, ist gezwungen, die erwähnten stürmischen Meere zu bezwingen. Doch das eigentliche Vehikel, dessen der Gottsucher bedarf, ist die brennende Liebe zu ihm. Wenn Du nach Gott mit solch einer Dein ganzes Wesen durchdringenden und erfüllenden Liebe strebst, so fürchte dich nicht.
...Jedes Meer, jeden Ozean wirst du bezwingen...Endlose Ozeane werden dir wie kleine Gräben scheinen und schier unüberwindliche Berge und Täler werden für Dich wie ein einziger Schritt auf dem Weg sein. Auf diesem Weg ist es eben diese brennende Liebe zu Gott, die den Wanderer voranschreiten lässt. Und diese Liebe wird für den Wanderer auf dem Wege der Wahrheit zu einem sein ganzes Wesen erfüllenden und verzehrenden Feuer. Mit jedem Atemzug entzündet dieses Feuer sein Inneres, immer wieder flammt es auf und bringt es zum Kochen. Wird man dem, der brennt, etwa das Wasser vorenthalten? Kommt der Arzt nicht zum Erkrankten?
Umsomehr bekommt ein brennendes Herz und ein in Gottesliebe Entflammter Hilfe. Und eilig wird ihm zur Linderung seiner Schmerzen und Qualen der Wein der Gottesliebe gebracht, denn nichts anderes könnte dieses Feuer löschen. Doer Pokal, in dem dieser Wein gereicht wird, heisst "Qurbiyyet" (Nähe) und er ist aus dem Glase "Wisal" (Vereinigung) gefertigt. Der Pokal der Gottesnähe und das Glas der Vereinigung - welch wunderbare und erhabene Dinge!
In dem Augenblick, da sie von diesem Wein trinken, werden sie von Mundschenken gleich den Huris des Paradieses umgeben und diese giessen in ihre Seelen den Wein der Gottesliebe. Doch niemand der Gottestrunkenen beachtet die Mundschenken, sie ergötzen sich am Wein, sie trinken ihn, ohne dass ihr Durst danach jemals gestillt werden kann. Wie sollte ihr Verlangen auch gestillt werden, heisst es doch im erhabenen Koran:
"Und ihr Herr labt sie mit einem reinen Trank" (76:21)
Welch ein Getränk, bei dessen Genuss man der Vereinigung mit Gott teilhaftig wird!
Der eigentliche Mundschenk jedoch ist Gott, erhaben ist Sein Wesen, Sein Ruhm ist ewiglich und gewaltig. Und die Reisenden haben erreicht, was es zu erreichen gilt, haben gefunden, was es zu finden gibt. Ich weiss nicht, was darüber hinaus noch erstrebenswert wäre. Dies ist die letzte Station auf dem langen beschwerlichen Weg, den Er den Menschen gehen lässt.
Wenn sie dort die Vereinigung mit Gott gefunden haben, so erlangen sie den ewigen Besitz und das ewige Reich. Und hier in diesem Koranvers wird von der Welt, in die sie eingezogen sind, berichtet:
"Und wenn du dort in irgendeine Richtung schaust, so wirst du Glückseligkeit und ein grosses Reich erblicken." (76:20)
Wie wunderbar, dieses irdische Sein zu verlieren, denn der Lohn dafür ist die Vereinigung mit Ihm. Möge Gott, erhaben ist Sein Wesen, uns allen die Kraft geben, uns von unserem irdisch verhafteten Sein zu befreien, und möge Er uns die Vereinigung mit Ihm gewähren.
Amin...