Mir wurde vorhin etwas klar, im Bezug auf das Thema Schönheit. Keine große Sache, aber doch eine Kleinigkeit, die ich vorher nicht so deutlich sah.
Die Frage war: Was ist Schönheit? Und was ist so anziehend an ihr bzw. was ist ihre Anziehungskraft?
Man kann diese Fragen sicher auf mehreren Ebene stellen und beantworten, ich schaute mir jedoch die relative Ebene an, wo mich Schönheit im Außen anzog im Bezug auf das Thema der romantischen Liebe.
Es gab mehrere Menschen in meinem Leben, in die ich mich verliebte bzw. denen ich "verfiel", die eine unglaubliche Schönheit hatten.
Was machte sie so schön?
Das viel mir heute wie Schuppen von den Augen. Ihr Nicht-Begehren, ihre Nicht-Bedürftigkeit, ihre Nicht-Anhaftung und Nicht-Identifikation in Bezug auf mich und eine Beziehung zu mir, machte sie so schön für mich.
Gerade weil sie mich nicht "brauchten", gerade weil sie mich nicht begehrten, mir nicht verfallen waren, konnten sie ihre Schönheit bewahren, die mich wiederum anzog wie die Motte das Licht.
Wären diese schönen Menschen, in eine Verliebtheit, in eine Bedürftigkeit, in ein Wollen in Bezug auf mich "gefallen", ich bin mir sicher, wäre der Reiz der Schönheit geschmälert oder sogar gebrochen gewesen.
Ein "Makel" hätte sich mit der Bedürftigkeit eingeschlichen, der diese unbefleckte Schönheit verhüllt und verdunkelt hätte. "Hässlichkeit" hätte den Ausdruck der Schönheit überlagert.
Im Roman "Lolita" von Nabokov, wird diese Faszination der Schönheit, im Kontext einer einseitig projizierten Liebessehnsucht, sehr deutlich.
Lolita, erscheint für Humbert wie eine Göttin. Sie ist die verkörperte Schönheit für ihn. Doch wird diese Faszination der Schönheit, dieses "Ausstrahlen" der Schönheit in der Beziehung in dieser Form nur erreicht, indem Lolita, gegenüber Humbert kein intensives Begehren, keine Verliebtheit, kein Wollen entwickelt.
Nur durch ihr Nicht-Begehren in Bezug auf Humbert, kann sie für ihn in der Aura übersinnlicher und göttlicher Schönheit erscheinen.
So weit so gut...
Für denjenigen der dieser Schönheit im Kontext der romantischen Liebe "verfällt", bietet es meiner Erfahrung nach, aber auch eine Möglichkeit des Wachstums an.
Die Aura der Schönheit zieht im Außen an, ihr Duft ist unglaublich, verführerisch und wunderbar - da im Kontext dieser Beziehung aber auch eine Einseitigkeit liegt, ist eine "Erfüllung" ausgeschlossen.
Der der Schönheit Verfallene, hat nur den einen Wunsch, die Schönheit zu "trinken", doch hier beginnt bereits die Schwierigkeit.
Er erhält ein paar Tröpfchen, ist berauscht, doch es liegt nicht im Wesen dieser Beziehungssituation, dass die "Verführerin", den "Durst" zu stillen vermag.
Ihre Aufgabe ist lediglich, den Durst zu "entfachen", und dann wenn er entfacht ist, sich wieder zurückzuziehen.
Jetzt hat der Verführte zwei Möglichkeiten. Er wählt, weiterhin die Rolle des verfallenen Verführten zu spielen, und sich bis in die Unerträglichkeit in seiner ungestillten Sehnsucht auf seine Verführerin zu beziehen, und somit weiterhin ein "Opfer" der Schönheit zu bleiben, oder aber, er lässt sich auf dieses entfachte Feuer ein, welches die Verführerin, als "göttliche Botin", in ihm wachrief, und es nun bis in alle Zellen zu fühlen, nunmehr ganz ohne Fixpunkt, ohne Objekt zu sein, da erkannt wurde, dass diese Sehnsucht keine Möglichkeit der Verwirklichung innerhalb dieser Beziehungssituation mehr findet.
Dann geschieht der Wechsel, weg von dem Objekt der Schönheit, hin erstmal wieder zu einem selbst, und all den "entfachten Gefühlen", die nun nicht mehr im Bezug zu einem äußeren Objekt stehen.
In der Stille der Versenkung, beruhigt sich der nach außengehend/projizierende Verstand wieder, und die "Motte" zieht es nach und nach nicht mehr nach außen zum Licht.
Je mehr die Versenkung in die Stille gesucht wird, desto mehr verliert die "Motte" das Interesse, im Außen nach dem Licht zu suchen, und erkennt so nach und nach, das wahre Wesen der Schönheit, ohne der Faszination zu erliegen, dem äußerlichen Lichtschein der Schönheit bedingungslos zu folgen.
Der Abglanz dieser äußerlichen Schönheit, verliert seine Bindungskraft auf die "Motte", die nun auch nicht mehr vor den funkelnden äußerlichen Lichtern herumflattert, sondern auf der Blume des Sein ruht *g*

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Persönlich interessieren würde mich, wie eine Beziehung aussieht, die nicht einseitig-projizierend vs. einseitig-nicht-begehrend abläuft, sondern wo zwei Menschen zusammenkommen, die beide keine Erfüllung und Befriedigung durch die andere äußere Schönheit suchen, da sie beide in ihrer Schönheit bereits ruhen!
Das fände ich spannend zu sehen bzw. zu erfahren, wie sich zwei "Schönheiten" begegnen und wie sie sich aus und in dieser Freiheit entfalten.
Da mag auch noch eine gewisse "Romantik" oder auch "Sehnsucht" in mir mitschwingen, in Bezug auf diese Vorstellungen, die dann letztendlich die ganze Sache doch wieder verderben bzw. sich dort reinmischen, und auch etwas naiv verklärt die ganze Sache noch betrachten, aber die Sache (das Thema) an sich, sehe ich nicht als schlecht an.
Als Ideal ist Beziehung und/oder Begegnung in Freiheit und ohne Bindung, sicher schön, aber die Frage ist immer, wie es umgesetzt und gelebt werden kann...
Eine Frage, die man meiner Meinung, eigentlich nur mit der eigenen "Praxis" beantworten kann, indem man eben, wie der "Verführte" plötzlich mit sich selbst konfrontiert ist, wenn die Verführerin, ihr "Werk der Entfachung" vollbracht hat, und nun "diesen Augenblick" einfach fühlen muss - ohne einen Fixpunkt, und ohne den Bezug auf ein äußeres oder inneres Objekt zu haben.
Bis man nicht selbst vollständig "schön" geworden ist, wird man wohl gezwungen sein, weiterhin Ego-Muster in Beziehungen auszudrücken, und dazu gehört wohl auch das Spiel zwischen Verführer und Verführten.