Aus dem Leben des Sufi-Mystikers Farid ist folgende Geschichte überliefert:
Ein König der von Farid gehört hatte, kam um ihn zu sehen. Als Geschenk hatte er eine goldene, mit Diamanten besetzte Schere mitgebracht. Er berührte Farids Füsse und überreichte sein Geschenk. Farid nahm die kostbare Schere, betrachtete sie und gab sie dem König zurück.
"Tut mir leid mein Lieber, das war bestimmt gut gemeint, aber ich brauche keine Schere, ich brauche eine Nadel."
Der König antwortete: "Ich verstehen nicht. Wenn Du eine Nadel brauchst, dann brauchst Du doch auch eine Schere, oder?"
"Ich spreche in Metaphern" erwiderte Farid "Scheren brauche ich nicht, weil Scheren zerteilen das was eins ist, in einzelne Stücke. Eine Nadel brauche ich, um die Stücke wieder zusammenzufügen. Ich lehre Liebe. Meine ganze Lehre hat als Basis Liebe, fügt das was getrennt war wieder zusammen. Ich lehre Kommunion die das was getrennt ist wieder zusammen fügt. Scheren trennen und zerschneiden, nein ich brauche keine Schere. Wenn Du das nächste Mal kommst, dann bring mir einfach eine Nadel mit. Das ist genug.
Logik ist wie eine Schere. Sie schneidet und zerteilt die Dinge. Der Verstand ist wie ein Prisma, fällt ein Strahl weisses Licht hinein, zerteilt es das Licht in verschiedene Farben. Schicke irgendwas durch den Verstand und es wird sofort dual. Leben und Tod sollten eigentlich Lebentod heissen, ohne Bindestrich. Lebentod ist ein Phänomen. Liebehass ein anderes Phänomen.
Lichtdunkelheit ist auch ein Phänomen. Negativepositive, ein Phänomen. Doch schickt man jedes dieser Phänomene durch den Verstand, macht er sofort mal mindestens zwei daraus. Und auch noch zwei die sich konträr gegenüber stehen. Die zwei werden zu Feinden, zu unversöhnlichen Gegensätzen.
Aus Tarot der Transformation "The open secret of real success"