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Jnana

Der innere Weg der Selbsterforschung
"Wer bin ich?"


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Alt 10.02.2006, 13:24   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #1 (permalink)
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Satsang mit

Sri Bhagavan Ramana Maharshi




Übersetzungsversuch

Talk 244 vom 29. August 1936
aus "Talks with Ramana Maharshi, Vol. 2"


S=Schüler, M=Meister (Ramana Maharshi)

TEIL 1

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S: ... Mein Verstand ist nicht im Frieden. Irgendetwas verhindert das. Vielleicht mein Schicksal.

M: Was ist Schicksal? Es gibt kein Schicksal. Ergebe dich dem was ist und alles wird gut werden. Werfe alle Verantwortungsgefühle gegenüber Gott beiseite. Hör auf damit, dir selbst Schuld aufzulasten. Was kann dann noch dein Schicksal sein?

S: Selbstaufgabe ist unmöglich.

M: Ja. Vollständige Selbstaufgabe ist am Anfang nicht möglich. Aber teilweise, Schritt für Schritt ist das jedem möglich. Im Laufe der Zeit wird das zu einer vollständigen Selbstaufgabe führen. Wenn also Selbstaufgabe nicht möglich ist, was können wir dann tun? Dann gibt es keinen Frieden im Verstand. Du bist nicht in der Lage, den Frieden zu erreichen. Er kann nur über Selbstaufgabe erreicht werden.

S: Teilweise Selbstaufgabe – kann das denn das Schicksal beeinflussen?

M: Oh ja, das kann es.

S: Ist denn das Schicksal nicht bedingt durch das angesammelte Karma aus der Vergangenheit?

M: Wenn sich jemand Gott ergibt, wird Gott sich um alles kümmern.

S: Das ist doch aber alles Gottes Schöpfung, wie kann er es wieder rückgängig machen?

M: Alles ist innerhalb von Gott.

S: Wie kann Gott erkannt werden?

M: Im Innern. Wenn der Verstand nach innen gerichtet ist, offenbart sich Gott als inneres Bewusstsein.

S: Gott ist in allem – in all den Objekten, die wir um uns herum sehen. Man soll Gott doch in all dem (Äußeren) erkennen.

M: Gott ist in all dem, ja, aber auch im Sehenden. Wo sonst (als im Sehenden) kann Gott erkannt werden? Er kann nicht im Außen gefunden werden. Er sollte im Inneren erspürt werden. Damit die Objekte gesehen werden können, wird der Verstand benötigt. Gott in all dem erkennen zu wollen, ist also ein mentaler Vorgang. Aber das ist kein echtes Erkennen. Das innere Bewusstsein, bereinigt von den Einflüssen des Verstandes, wird als Gott empfunden.

S: Nehmen wir an, wir sehen wunderschöne Farben. Es ist eine Freude, sie zu betrachten. Wir können also Gott darin erkennen.

M: Das sind alles mentale Konzepte.

S: Da gibt es aber noch mehr als diese Farben, das war nur ein Beispiel.

M: Das sind aber auch alles mentale Erfahrungen.

S: Da ist der Körper, die Sinne und der Verstand. Die Seele bedient sich dieser Instrumente, um Dinge zu erfahren.

M: Die Objekte, Empfindungen oder Gedanken sind alles mentale Konzepte. Der Verstand entspringt dem Ich-Gedanken, dem Ego. Aber woher kommt dieses Ego? Vom abstrakten Bewusstsein oder der puren Intelligenz!

S: Ist das die Seele?

M: Seele, Verstand, Ego – das sind alles nur Worte. Das sind keine Eigenschaften des Gütigen. Bewusstsein ist die einzige Wahrheit.

S: Dann kann dieses Bewusstsein aber keinerlei Freude machen.

M: Glückseligkeit ist seine Natur – es gibt nur Glückseligkeit. Es gibt niemanden, der sich an der Freude erfreuen könnte. Die Freude und der sich Freuende verschmelzen in dieser Glückseligkeit.

S: Im alltäglichen Leben gibt es Freude und Leid. Sollten wir nicht versuchen, die Freude zu behalten (und das Leid zu vermeiden)?

M: Die Freude, die du meinst entsteht, wenn der Verstand ins Spiel gebracht und das Leid, wenn er wieder verdrängt wird. Aber es gibt nur Freude. Die Abwesenheit von Freude wird Leid genannt. Unsere Natur ist Freude – Glückseligkeit (Bliss, Ananda).

S: Ist das die Seele?

M: Seele und Gott sind nur mentale Konzepte.

S: Ist Gott nur ein mentales Konzept?

M: Ja. Denkst du an Gott, wenn du schläfst?

S: Aber Schlaf ist doch ein Stadium der Bewusstlosigkeit.

M: Wenn Gott real ist, muss Er immer da sein. Ob du schläfst oder wach bist – das macht keinen Unterschied. Wenn Gott genauso wahr ist wie dein Selbst, gibt es Gott auch im Schlaf und das Selbst auch. Der Gedanke an Gott erscheint aber nur im Wachzustand. Wer ist es nun, der denkt?

S: Ich denke.

Gast117 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2006, 13:26   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #2 (permalink)
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Satsang mit
Sri Bhagavan Ramana Maharshi


Übersetzungsversuch

Talk 244 vom 29. August 1936
aus "Talks with Ramana Maharshi, Vol. 2"

S=Schüler, M=Meister (Ramana Maharshi)

TEIL 2

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S: Ich denke.

M: Wer ist dieses "Ich"? Wer sagt das. Ist es der Körper?

S: Der Körper spricht.

M: Der Körper spricht nicht. Wenn das so ist, spricht er auch im Schlaf? Wer ist dieses Ich?

S: Ich in diesem Körper.

M: Bist du im Körper oder außerhalb davon?

S: Selbstverständlich bin ich im Körper.

M: Weißt du, ob das im Schlaf auch so ist?

S: Ich verbleibe auch im Schlaf in meinem Körper.

M: Bist du dir dessen bewusst, wenn du schläfst?

S: Schlaf ist ein Stadium der Bewusstlosigkeit.

M: Tatsache ist, dass du weder innerhalb noch außerhalb des Körpers bist. Schlaf ist ein natürlicher Zustand des Seins.

S: Dann muss der Schlaf ein besserer Zustand sein als dieser hier.

M: Es gibt keinen über- oder untergeordneten Zustand. Du bist immer das gleiche, ob im Schlaf, im Traum oder im Wachzustand . Schlaf ist ein Zustand der Zufriedenheit, dort gibt es kein Leid. Die Wahrnehmung der Wünsche, der Schmerzen usw. erscheinen nur im Wachzustand. Welche Veränderung hat stattgefunden? Du bist in beiden Zuständen der gleiche, aber es gibt einen Unterschied in der Zufriedenheit. Warum? Weil der Verstand sich eingeschaltet hat. Der Verstand erscheint nach dem Ich-Gedanken. Dieser Gedanke entspringt dem Bewusstsein. Wer im Bewusstsein verbleibt, ist immer im Frieden.

S: Der Schlafzustand ist ein Zustand, in dem der Verstand ruhig bleibt. Für mich ist es ein schlechterer Zustand.

M: Wenn das so wäre, warum schlafen dann alle Wünsche?

S: Der Körper braucht den Schlaf, wenn er müde ist.

M: Ist es der Körper, der schläft?

S: Ja. Im Schlaf wird der Verschleiß und die Abnutzung des Körpers repariert.

M: Das mag sein, aber der Körper selbst – schläft er oder ist er wach, wenn du schläfst? Du sagtest vorhin, dass der Verstand ruhig bleibt im Schlaf. Schlafen, Träumen und Wachen sind Zustände des Verstands, nicht des Körpers.

S: Sind das nicht Zustände der Seele, die sich der Sinne bedient?

M: Das sind weder Zustände der Seele, noch Zustände des Körpers. Die Seele ist immer unberührt davon. Das eigentliche Substrat durchzieht sich durch alle drei Zustände. Der Wachzustand tritt ein – Ich bin; der Traumzustand tritt ein – Ich bin; der Schlafzustand tritt ein – Ich bin. Das wiederholt sich ständig, aber das "Ich bin" bleibt. Das ist so, wie im Kino die Bilder auf der Leinwand erscheinen. Sie verändern die Leinwand nicht. Genauso verändert sich nicht das, was ich bin, wenn die Zustände wechseln. Wenn der Körper das "Ich bin" ist, bist du dir im Schlaf des Körpers gewahr?

S: Nein.

M: Ohne Gewahrsein, dass der Körper wirklich da ist, wie kannst du dann sagen, dass du schläfst?

S: Weil ich es so empfinde, wenn ich aufwache.

M: Das Gefühl, einen Körper zu haben, ist ein Gedanke. Dieser Gedanke entspringt dem Verstand und der Verstand erscheint nach dem "Ich-Gedanken". Der "Ich-Gedanke" ist der Wurzelgedanke. Wenn dieser an diesem Gedanken festgehalten wird, lösen sich alle anderen Gedanken auf. Dann ist da kein Körper mehr, kein Verstand und auch kein Ego.

S: Was bleibt dann noch?

M: Das Selbst in seiner Reinheit.

S: Wie können wir es erreichen, dass der Verstand verschwindet?

M: Indem du keinen Versuch unternimmst, ihn zu zerstören. Dieser Wunsch ist selbst ein Gedanke, der dem Verstand entspringt. Wenn der Denker gesucht wird, werden die Gedanken verschwinden.

S: Werden sie sich selbst auflösen? Das ist alles so kompliziert.

M: Sie werden sich auflösen, weil es sie nicht wirklich gibt. Die Idee, dass es kompliziert ist, ist ein Hinderniss auf dem Weg der Selbstrealisierung.

S: Es ist so einfach, in der äußeren Welt an Gott zu denken, während es sehr schwierig ist, ohne Gedanken zu sein.

M: Das ist absurd. Auf andere Dinge zu schauen soll leicht sein und nach innen zu schauen schwer. Es muss umgekehrt sein.

S: Aber ich verstehe das nicht. Es ist schwierig.

M: Diese Gedanke an Schwierigkeit ist das größte Hinderniss. Ein wenig Praxis wird deine Einstellung dazu ändern.

Gast117 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2006, 13:28   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #3 (permalink)
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Satsang mit

Sri Bhagavan Ramana Maharshi


Übersetzungsversuch

Talk 244 vom 29. August 1936
aus "Talks with Ramana Maharshi, Vol. 2"

S=Schüler, M=Meister (Ramana Maharshi)

TEIL 3

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S: Welche Praxis?

M: Die Quelle des Ich-Gedankens zu finden.

S: Das war irgendwann vor der Geburt.

M: Warum muss man an Geburt und Tod denken? Bist du wirklich geboren? Das Erscheinen des Verstandes wird Geburt genannt. Nach dem Verstand erscheint der Körper-Gedanke und dann wird der Körper gesehen. Dann der Gedanke an Geburt, dem Stadium vor der Geburt, Tod, das Stadium nach dem Tod – all das geschieht nur im Verstand. Wer wird geboren?

S: Bin ich denn nicht geboren?

M: Solange der Körper in Betracht gezogen wird, gibt es die Geburt. Aber der Körper ist nicht das "Ich". Das Selbst wird weder geboren, noch wird es sterben. Das ist nichts Neues. Die Weisen sehen alle aus dem Selbst heraus, wo es keine Verschiedenheiten gibt. Darum gibt es weder die Geburt noch den Tod.

S: Wenn der Schlaf so ein guter Zustand ist, was spricht dagegen, dass wir ständig nur schlafen?


M: Das ist ja der Fall. Der gegenwärtige Wachzustand ist nicht mehr als ein Traum. Träume können nur im Schlaf erscheinen. Schlaf liegt immer unterhalb dieser drei Zustände. Die Manifestation der drei Zustände findet immer nur im Traum statt, welcher wiederum eine andere Art von Schlaf ist. Auf dieser Art sind alle Zustände des Schlafens und Träumens endlos. Dementsprechend ist auch die Geburt und der Tod nur Träume innerhalb eines Schlafes. In Wahrheit gibt es weder Geburt noch Tod.


Links:

Kostenloser Download von Schriften von/über Ramana Maharshi




Gast117 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2006, 15:49   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #4 (permalink)
 
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Danke Norbert !
Gast53 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.02.2006, 14:34   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #5 (permalink)
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Maharshi: Sind Sie in der Welt, oder ist die Welt in Ihnen?

Frage: Ich verstehe nicht. Die Welt ist sicherlich um mich herum.

Maharshi: Sie sprechen von der Welt und dem, was in ihr geschieht. Das sind nur ihre Vorstellungen. Die Vorstellungen sind im Geist, und der ist in Ihnen. Daher ist auch die Welt in Ihnen.

Frage: Da komme ich nicht mit. Selbst wenn ich nicht an die Welt denke, ist sie doch da.

Maharshi: Wollen Sie damit sagen, daß die Welt vom Geist getrennt sei und in dessen Abwesenheit existieren könne?

Frage: Ja.

Maharshi: Existiert die Welt auch in Ihrem Tiefschlaf?

Frage: Ja.

Maharshi: Sehen Sie sie dann?

Frage: Nein, ich nicht. Aber andere, die wach sind, sehen sie.

Maharshi: Sind Sie dieser anderen Personen in Ihrem Sschlaf gewahr, oder werden Sie erst jetzt (im Wachzustand) der anderen gewahr?

Frage: In meinem Wachzustand.

Maharshi: So sprechen Sie also von dem Wissen in Ihrem Wachzustand und nicht von Ihrer Erfahrung im Schlaf. Sie erkennen die Existenz der Welt in Ihren Wach- und Traumzuständen an, die vom Geist hervorgebracht werden. Im Schlaf hat sich der Geist zurückgezogen, und die Welt ist nicht da. Sie wird wieder offenbar, wenn Sie aufwachen. Das “ich” identifiziert sich mit dem Körper und sieht die Welt. So ist die Welt eine geistige Schöpfung.

Frage: Wie kann das sein?

Maharshi: Schaffen Sie sich nicht eine Welt im Traum? Der Wachzustand ist auch nur ein ausgedehnter Traum. Es muß einen geben, der die verschiedenen Erfahrungen sieht. Wer ist das? Ist es der Körper?

Frage: Das kann nicht sein.

Maharshi: Der Geist?

Frage: Es muß wohl so sein.

Maharshi: Aber Sie existieren auch in Abwesenheit des Geistes.

Frage: Wie das?

Maharshi: Im tiefen Schlaf.

Frage: Ich weiß nicht, ob ich dann bin.

Maharshi: Wenn Sie dann nicht existieren würden, wie wollen Sie sich an das erinnern, was Sie gestern erlebt haben? Gab es eine Unterbrechung in der Kontinuität des Ich während des Schlafes?

Frage: Vielleicht.

Maharshi: Wenn es das gäbe, dann könnte ein “Müller” als “Maier” aufwachen. Wie wird die Identität des Individuums dann aufrecht erhalten?

Frage: Ich weiß es nicht.

Maharshi: Wenn es Ihnen nicht klar ist, betrachten Sie es einmal von der anderen Seite. Sie sagen “ich schlief gut” und “ich fühle mich erfrischt nach tiefem Schlaf”. Also haben Sie den Schlaf erfahren. Dasjenige, was ihn erfahren hat, identifiziert sich jetzt mit dem “ich” des Sprechenden. Dieses Ich muß also auch im Schlaf dagewesen sein.

Frage: Ja.

Maharshi: Das Ich war also im Schlaf da. Wenn die Welt auch da war, sagte sie dann, daß sie existierte?

Frage: Nein. Aber sie sagt mir jetzt, daß sie existiert. Selbst wenn ich ihre Existenz bestreiten wollte, könnte ich meinen Fuß an einem Stein stoßen und ihn verletzen. Die Verletzung beweist den Stein und somit die Existenz der Welt.

Maharshi: Genau. Der Stein verletzt den Fuß. Sagt der Fuß, daß ein Stein da ist?

Frage: Nein - ich.

Maharshi: Wer ist dieses “ich”? Wie wir vorhin gesehen haben, kann es weder der Körper noch der Geist sein. Das Ich ist es, das die Zustände von Wachen, Träumen und Tiefschlaf erfährt. Die drei Zustände sind Veränderungen, die das Individuum nicht berühren. Die Erfahrung gleicht Bildern, die über eine Leinwand in einem Kino dahinziehen: Erscheinen und Verschwinden der Bilder berührt die Leinwand nicht. Ebenso wechseln die drei Zustände ab ohne das Selbst zu berühren.
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Alt 12.02.2006, 19:13   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #6 (permalink)
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Satsang mit
Sri Bhagavan Ramana Maharshi

Übersetzungsversuch

Talk 13 vom 6. Januar 1936
aus "Talks with Ramana Maharshi, Vol. 1"

S=Schüler, M=Meister (Ramana Maharshi)

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S: Ist ein Meister zur Selbstrealisierung erforderlich?

M.: Der Gnade des Meister ist es, was die Realisierung ermöglicht, nicht die Lektionen, Übungen, Meditationen usw. Das sind nur zweitrangige Hilfen, während der Meister der primäre und eigentliche Auslöser ist.

S: Was sind die Hindernisse bei der Realisierung des Selbst?

M: Die Angewohnheiten des Verstandes (vasanas).

S: Wie können die mentalen Angewohnheiten überwunden werden?

M: Durch die Realisierung des Selbst.

S: Das ist ja ein Teufelskreislauf.

M: Es ist das Ego, welches diese Schwierigkeiten erzeugt. Erst schafft es Hindernisse dann jammert es über scheinbar unüberwindliche Paradoxa. Finde heraus, woher diese Hinterfragungen kommen und das Selbst wird erkannt werden.

S: Welche Hilfen gibt es zur Realisierung?

M: Die Lehren der Schriften von realisierten Seelen.

S: Können Diskussionen, Lektionen und Meditationen auch helfen?

M: Ja, aber all das sind nur zweitrangige Hilfestellungen, während die eigentliche Hilfe die Gnade des Meisters ist.

S: Wieviel Zeit braucht man, um das zu erreichen?

M: Warum willst du das wissen?

S: Damit ich hoffen kann.

M: Auch dieser Wunsch ist ein Hinderniss. Das Selbst ist immer da, da ist nichts, was ohne das Selbst sein könnte. Sei das Selbst und die Wünsche und Zweifel werden verschwinden. Dieses Selbst ist der Zeuge des Schlafes, des Traums und des Wachzustandes der Existenz. Diese Stadien gehören zum Ego. Das Selbst transzendiert auch das Ego. Gibt es dich, wenn du schläfst? Weist du, ob du wirklich geschlafen hast oder einfach nur die Welt nicht wahrnehmen konntest? Du kannst im Wachzustand die Erfahrung des Schlafs nur als Stadium fehlender Wahrnehmung der Welt beschreiben. Darum ist das Bewusstsein im Schlaf das gleiche wie im Wachzustand. Wenn du dieses Wachbewusstsein kennst, dann kennst du auch das Bewusstsein, das alle drei Stadien bezeugt. Dieses Bewusstsein kann gefunden werden, wenn das Bewusstsein gefunden wird, das im Schlaf da war.

S: Dann würde ich einschlafen.

M: Das ist ok!

S: Das ist Leere.

M: Für wen ist das Leere? Finde es heraus. Du kannst dein Selbst niemals leugnen. Das Selbst ist immer da und bleibt es auch in allen drei Stadien.

S: Sollte ich so tun, als ob ich schlafe und dabei aufmerksam sein?

M: Ja. Aufmerksamkeit ist der Wachzustand. Darum ist es kein Schlafzustand, sondern schlafloser Schlaf. Wenn du deinen Gedanken folgst, wirst du von ihnen fortgetragen und dich in einem endlosen Irrgarten wiederfinden.

S: Also muss ich hingehen und die Quelle der Gedanken suchen.

M: Recht so. Auf diesem Weg werden die Gedanken verschwinden und es wird nur noch das Selbst da sein. Tatsächlich gibt es kein Innen und Außen für das Selbst. Das sind nur Projektionen des Egos. Das Selbst ist rein und absolut.

S: Das kann man nur intellektuell verstehen. Ist denn das Intellekt überhaupt hilfreich bei der Realisierung?

M: Ja, bis zu einem gewissen Punkt. Das Selbst aber transzendiert auch das Intellekt, welches dann auch verschwinden muss, um das Selbst zu erreichen.

S: Hilft die Realisierung anderen?

M: Ja, selbstverständlich. Es ist die beste Hilfe überhaupt. Aber da ist niemand, der Hilfe benötigt. Ein realisiertes Wesen sieht das Selbst wie ein Goldschmied das Gold in den Schmuckstücken. Wenn du dich mit dem Körper identifizierst, dann sind da nur Formen und Gestalten. Aber wenn du deinen Körper transzendierst, verschwinden die anderen zusammen mit deinem Körper-Bewusstsein.

S: Ist das so bei Pflanzen, Bäumen usw.?

M: Existieren sie außerhalb des Selbst? Finde es heraus. Du denkst, dass du sie siehst. Der Gedanke wird aus dem Selbst heraus projiziert. Finde heraus, wo das geschieht. Dann werden keine Gedanken mehr aufsteigen und das Selbst allein wird bleiben.

S: Ich verstehe das theoretisch und die Gedanken sind nach wie vor da.

M: Ja. Das ist wie ein Kinofilm. Das Licht wird auf die Leinwand geworfen und die darüber flitzenden Schatten erwecken für die Zuschauer den Eindruck, dass da etwas ist. Das ist auch so, wenn in diesem Spiel die Zuschauer selbst auf der Leinwand erscheinen. Der Seher und das Gesehene ist dann nur noch die Leinwand. Wende das auf dich selbst an. Du bist die Leinwand, das Selbst hat das Ego erschaffen, das Ego bringt die Gedanken ins Spiel, die dann als Welt, Bäume, Pflanzen usw. erscheinen, die du vorhin angesprochen hast. In Wahrheit ist all das nichts anderes als das Selbst. Wenn du das Selbst erkennst, wirst du sehen, dass es alles ist, überall und immer. Nichts außer das Selbst existiert.

S: Ja, aber ich verstehe das nach wie vor nur theoretisch. Die Antworten sind einfach, wunderschön und überzeugend.

M: Auch der Gedanke "Ich kann das nicht realisieren" ist ein Hinderniss. Tatsächlich ist da nur das Selbst.


Gast117 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.2006, 11:22   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #7 (permalink)
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Satsang mit



Sri Bhagavan Ramana Maharshi

Übersetzungsversuch

Talk 245 vom 8. September 1936
aus "Talks with Ramana Maharshi, Vol. 2"

S=Schüler, M=Meister (Ramana Maharshi)
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S: Ich verstehe, dass das Selbst jenseits des Egos ist. Mein Wissen ist theoretisch und nicht praktisch. Wie kann ich die praktische Realisierung des Selbst erreichen?

M: Realisierung ist nichts, was man wiedererlangen muss. Realisierung ist bereits da. Alles, was geschehen muss, ist die Befreiung vom Gedanken "Ich habe nicht realisiert".

S: Dann muss man es ja gar nicht erst versuchen.

M: Nein. Realisierung ist Stille oder Frieden des Minds. Es gibt keinen Moment, in dem das Selbst nicht ist. Solange es Zweifel oder das Gefühl der Nicht-Realisierung gibt, müssen Anstrengungen unternommen werden, sich von diesen Gedanken zu befreien. Die Gedanken werden verursacht von der Identifikation des Selbst mit dem Nicht-Selbst. Wenn das Nicht-Selbst verschwindet, verbleibt nur noch das Selbst. Um Raum zu schaffen reicht es aus, ein paar Dinge wegzuräumen. Raum selbst wird nicht geschaffen, Raum war schon immer da. Mehr als das – der Raum ist im fehlenden Raum bereits enthalten.


Abwesenheit von Gedanken bedeutet nicht, dass da Leere ist. Es muss ja erstmal jemand da sein, dem diese Leere überhaupt bewusst ist.


Der Mind steht für Wissen und Ignoranz und ist aus der Dualität geboren. Das Selbst aber ist jenseits von Wissen und Ignoranz. Es ist das Licht selbst. Es ist nicht erforderlich, das Selbst mit einem anderen Selbst zu erkennen. Es gibt keine zwei Selbst. Was nicht das Selbst ist, das ist Nicht-Selbst. Das Nicht-Selbst kann aber das Selbst nicht erkennen. Das Selbst hat keine Schau und kein Gehör. Es liegt jenseits davon – ganz allein, als reines Bewusstsein.

Eine Frau mit einer Kette um den Hals glaubt, dass sie diese Kette verloren hat und zieht los, sie zu suchen, bis sie von einem Freund darin erinnert wird, dass sie die Kette doch um den Hals trägt. Sie hat sich das Gefühl des Verlustes, ihre angsterfüllte Suche und die Freude des Wiederfindens selbst erschaffen. Wie diese Kette der Frau ist das Selbst immer da, ob du danach suchst oder nicht. So wie die Frau anscheinend etwas Verlorengegangenes wiedergefunden hat, so wird die Auflösung der Ignoranz und die Auflösung der Fehlidentifikation das Selbst enthüllen, wie es schon immer da war – hier und jetzt. Das ist das, was Realisierung eigentlich ist. Es ist nichts Neues. Die Realisierung bewirkt die Auflösung der Ignoranz, das ist alles.


Leere ist das unangenehme Resultat der Suche des Minds. Der Mind muss entfernt und neu eingepflanzt werden, damit die Zweige sprießen können. Erkenne, wer der Denker, wer der Sucher ist. Verweile in diesem Denker und Sucher. Alle Gedanken werden sich dann auflösen.


S: Dieser Denker ist doch dann das Ego.

M: Dieses Ego (das im Ego verweilt) ist pures Ego, bereinigt von Gedanken. Das ist das gleiche wie das Selbst. Solange Fehlidentifikation bestehen bleibt, werden auch Zweifel bestehen bleiben und Fragen entstehen. Das wird kein Ende nehmen. Die Zweifel werden sich nur dann auflösen, wenn das Nicht-Selbst dem ein Ende setzt. Das wird zur Realisierung des Selbst führen. Es wird niemand mehr da sein, der bezweifelt oder befragt werden könnte. All diese Zweifel sollten in dir selbst aufgelöst werden. Dabei können dir auch noch so viele Worte nicht helfen. Verweile beim Denker. Nur wenn dem Denker freien Lauf gelassen wird, entstehen Objekte im Außen und Zweifel im Innern.
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Alt 24.02.2006, 10:27   Satsang mit Ramana Maharshi Beitrag #8 (permalink)
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Satsang mit
Sri Bhagavan Ramana Maharshi

Übersetzungsversuch

Talk 274 vom 27. Oktober 1936
aus "Talks with Ramana Maharshi, Vol. 2"

F=Fragender, M=Meister (Ramana Maharshi)

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Ein muslimischer Professor fragt, wie Vishnuismus mit Advaita vereinbar ist.


M: Die Vaishnavas nennen sich selbst "Visishtadvaitas". Das ist auch Advaita. So wie der individuelle Körper die Seele, das Ego und den grobstofflichen Körper einschließt, so schließt Gott Paramatma, die Welt und die Individuen ein.

F: Bedeutet Bhakti nicht Dualität?

M: Swa swarupanusandhanam bhaktirityabhidheeyate (Selbstreflektion wird Bhakti genannt). Bhakti und Selbsterforschung ist ein und dasselbe. Das Selbst der Advaitas ist der Gott der Bhaktas.

F: Gibt es eine spirituelle Hierarchie unter den Gründern der Religionen, die sich um das Wohl der Menschheit bemühen?

M: Mag es sie geben oder nicht. Das ist nur Spekulation. Atma (das wahre Selbst) ist pratyaksha (selbstoffenbar). Ob man an eine spirituelle Hierarchie glaubt oder nicht, Atma kann niemand verleugnen.

F: Wie denkt Sri Bhagavan über pravitti und nivritti margas?

M: Wie meinen Sie das genau?

F: Was ist besser?

M: Wenn das Selbst als rein und einfach angesehen wird, ist das nivritti. Wenn das Selbst als die Welt angesehen wird, ist das pravritti. Mit anderen Worten: nivritti ist nach innen gerichteter Verstand (antarmukhi manas), pravritti ist nach außen gerichteter Verstand (bahirmukhi manas). Wie auch immer, nichts von dem ist getrennt vom Selbst. Beides ist das gleiche.

So ist es auch mit der spirituellen Hierarchie – sie kann nicht getrennt sein vom Selbst. Es gibt sie nur innerhalb des Selbst und dort wird sie immer sein. Das Ziel für alle ist daher die Realisierung des Selbst.


---
Anm.: Aus dem unterstrichenen Zitat des Übersetzungsversuches von "
Realisation of the Self is the one Goal of all" ist hier ein neuer Thread entstanden. Wenn Textstellen aus diesen Postings hier zur Diskussion gestellt werden sollen, dann öffnet dazu bitte einen neuen Thread. Dieser hier bleibt ab sofort geschlossen, damit die Texte von Ramana Maharshi als in sich geschlossene Sammlung erhalten bleiben. (Norbert)
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