Spontane Reflektionen zum Thema Geist und Inkar(n/m)ation:
Geister kommen und gehen. In mir inkarniert sich jeden morgen ein Geist, der dann den Körper samt seiner körperlichen Empfindungswelt durch die Gegend scheucht. Genaugenommen erscheint mit jedem Gedanken ein Geist und jeder Gedanke ist "inkarnierender Geist". Mit jedem Gedanken erscheint ein Ich-Geist und vergeht wieder, bevor dann der nächste Gedanke erscheint.
Diese Gedanken-Geister stehen hier Schlange bei mir und treten sich gegenseitig auf die Füße. Die Geister haben riesig Spaß, sich durch mich (meinem Bodymind, meinem psycho-soma-tischen Wahrnehmungssystem) zu "äußern". Meine Aufmerksamkeit ist der Türöffner und Platzanweiser. Ruht diese Aufmerksamkeit im Nichts, laufen die Geister einfach vorbei und suchen sich wahrscheinlich einen anderen "Gastwirt".
Die Gedanken sehe ich daher nicht als "meine" Gedanken, sondern einfach als phänomenale Erscheinungen, die sich entfalten, wenn sie Aufmerksamkeit erhalten und die einfach abziehen, wenn sie diese Aufmerksamkeit nicht erhalten.
In diesem Sinne brauchen die Gedanken mich bzw. meine Aufmerksamkeit, damit sie sich "äußern" können, nicht umgekehrt. Das geschieht auf eine ganz individuelle Art und Weise, die meiner jeweiligen "psycho-soma-tischen Konstitution" entspricht. Diese Konstitution bildet eine Art "Affinität", "Empfangssystem" oder "temporäres individuelles Bewusstsein" für bestimmte Gedanken. In meditativen Zuständen lässt sich das alles beobachten. Das schafft eine gewisse Distanz zwischen "beobachtendem Bewusstsein" und "Phänomenalität".
Die Beobachtung dieser Vorgänge in meditativen Zuständen schafft eine gewisse Einsicht in diese Abläufe, wodurch mein Bewusstsein sich verändert hat (ob positiv oder negativ sei dahingestellt). Die Bewusstseinsveränderungen wirken sich bei mir so aus, dass ich für gewisse Wahrnehmungsphänome nicht mehr "empfänglich" bin in dem Sinne, dass sie mich nicht mehr besonders interessieren. Das betrifft z.B. Konzepte von Reinkarnation, Vorstellungen vom Leben nach dem Tod und all diesen Kram.
Meine Aufmerksamkeit richtet sich mehr auf das, was gegenwärtig ist. Auf die Tasse Kaffee, das leckere Essen oder auch das "Scheißgefühl", das gerade in mir schlummert.
Mir ist klar, dass dieser ganze Hokuspokus, den ich hier beschreibe, auch phänomenalen Charakter hat und dass dieser "Wahrnehmungshorizont" meine eigene individuelle "Spielerei" ist. Trotzdem kann ich sowas wie eine "konstante psychologische Persönlichkeit" bei mir kaum noch erkennen. Das scheint alles zu fließen. Ich weiß abends nicht, wer da morgens erwachen wird und mit welchen Tages-Trips der dann wieder unterwegs ist. An Wochentage m*****iert er zur Arbeit und am Wochenende hängt er ab und tut das, was ihm gerade Spaß macht. Diese Art der Wahrnehmung des Erlebens bringt eine Art "Losgelöstheit" mit sich, die ich vorher aufgrund von Sicherheitsbedürfnissen nicht zulassen konnte. Ich hatte Angst vor dem, was kommen wird und diese Angst hat mein Leben nachträglich beeinflusst. Wenn ich von irgendeinem "Vorteil" sprechen könnte, den diese Art der Wahrnehmung mit sich bringt, dann ist das vielleicht diese Angstlosigkeit, die sich in hingebungsvolles Dasein äußert.
Soweit also diese Geschichte von der Wahrnehmungsfront eines Nichtmehrsuchers ... andere Menschen, andere Geschichten ... wundervolle Vielfalt des Menschseins.