Jesus im Buddhismus
Buddha lehrte in ähnlicher Weise wie Jesus:
Ich bin der Weg,
das Licht oder
das Leben. Er zeigt den Weg zur Erlösung vom Anhaften des Geistes: Dieser sei prinzipiell jedem fühlenden Wesen zugänglich und bedürfe keines Erlösers. Im Gegensatz zum
Brahmanismus lehrt er das
An-Atman, die Leerheit (
Shunyata) und Nichtigkeit aller Substanzvorstellungen. Demgemäß sehen
Buddhisten personale Gottesbilder allenfalls als nützlich, aber nicht als notwendig an.
Damit wird Jesus eine „Göttlichkeit“ im westlichen Sinn abgesprochen; doch seine „
Buddhanatur“ – die in vieler Hinsicht der „
Gottebenbildlichkeit“ jedes Menschen ähnelt − wird anerkannt. Darum kann Jesus als spiritueller Lehrer auf dem Weg zur
Erleuchtung betrachtet werden, der selber den Weg vom Zorn zum Erwachen (von der Tempelaustreibung zum Gebet in
Getsemani) gegangen sei.
In manchen Schulen wird Jesus darum auch als ein echter
Bodhisattva, also ein vollkommen selbstloser barmherziger Mensch anerkannt und damit Buddha nahezu gleichrangig an die Seite gestellt: so z.B. von
Tenzin Gyatso, dem heutigen 14.
Dalai Lama, der höchsten Autorität im
tibetischen Buddhismus. So kann Jesus gelegentlich auch mit dem wiederkommenden Buddha
Maitreya oder dem
Amitabha (Amida Buddha) im
japanischen Jodo Shinshu gleichgesetzt werden. Auch solche mythischen Bilder betonen seine
Barmherzigkeit und Hingabe an Andere.
Während Christen oft das Fehlen einer
Sünden- und
Gnadenlehre bei Buddha bemängeln, sehen Buddhisten Jesu
Feindesliebe und
Vergebung, die der Gekreuzigte seinen Mördern schenkte, als vorbildliche Verwirklichung der Buddhanatur. Gerade dies ist für Buddhisten Zeichen seiner Erleuchtung. Diese Achtung hat wiederum auf westliche Interpreten zurückgewirkt, die die vergessene
mystische Tradition im Christentum wiederentdecken, wiederbeleben und dadurch einen Beitrag zur Versöhnung der Kulturen von
Orient und
Okzident leisten wollen.
Eine solche Rückwirkung asiatischer Rezeption Jesu ist auch in der
Feministischen Theologie zu finden.
Hanna Wolff beschrieb beispielsweise Jesus als ersten „
anima-integrierten Mann“ der
Antike, der die weiblichen Anteile seiner
Seele angenommen und Frauen darum anders als die
patriarchalische Umwelt behandelt habe. Sie folgte damit der Anima-
Animus-Lehre des
Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung, der diese ebenfalls im Anschluss an asiatische
Anthropologie, vor allem den
Daoismus, entwickelt hatte.
Allen asiatischen Rezeptionen Jesu ist jedoch gemeinsam, dass sie die jüdisch-christliche
Eschatologie – also die Vorstellung einer zielgerichteten
Heilsgeschichte, die die Weltgeschichte „durchkreuzt“ und beendet – nicht teilen. Historie ist Schein und „ewige Wiederkehr des Gleichen“; alle Möglichkeiten der Selbstverwirklichung sind schon im wahren entgrenzten oder aufgelösten Selbst – der Buddhanatur, dem Brahman oder dem
Dao − angelegt. So ist Erlösung eigentlich immer eine Rückkehr zu sich selbst, in dem die Subjekt-Objekt-Spaltung aufgehoben ist. Die radikale Verwandlung der ganzen
Welt dagegen, die für die jüdische
Apokalyptik entscheidend war, kommt erst seit der Begegnung mit christianisierten Völkern in den Blick (
Michael von Brück).
Quelle:
Wiki-Artikel
Jesus außerhalb des Christentums