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Alt 22.02.2007, 11:33   Jesus im Hinduismus und Buddhismus Beitrag #1 (permalink)
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Standard Jesus im Hinduismus und Buddhismus

Jesus im Hinduismus

Jesusbilder im religiös sehr heterogenen Kulturbereich Indiens (meist unter dem Oberbegriff Hinduismus zusammengefasst) sind vor allem von drei Hauptfaktoren bestimmt:Zu ersten Begegnungen von Indern und den vom Gnostizismus beeinflussten syrischen Thomaschristen kam es im 6. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert verkündetete der Jesuit Roberto de Nobili Christus erstmals in hinduistischen Begriffen und gewann so etwa 40.000 indische Christen. Doch erst im 19. Jahrhundert setzten sich einige hinduistische Gelehrte mit der Person Jesu auseinander:
  • Keshab Sandra Sen (1838-1884) nannte Jesus einen Orientalen, der zu Indien gehöre und die Hindus aufrufe, „christusförmig“ zu leben.
  • Ramakrishna (1836-1886) sah in einer Christusvision Jesus als Inkarnation Gottes an und lehrte seitdem die Synthese aller Religionen.
  • Vivekananda (1862-1902) deutete Jesus Christus mithilfe der Advaita-Lehre Sankaras.
  • Swami Akhilananda (1894-1962) sah Jesus als echten Yogi, der alle drei Arten des Yoga geübt und den Weg zum Samadhi („rechter Versenkung") gezeigt habe.
  • Für Swami Abhedananda war er der Sohn Gottes, der alle Dualität aufhebe. In ihm höre jeder Gedanke der Trennung von Gott und Mensch für immer auf; als der gewaltige Einbruch des göttlichen Wesens breche er alle Barrieren und Grenzen des menschlichen Bewusstseins nieder.
Diese Rezeption Jesu unterscheidet sich in einigen Zügen deutlich von der im Judentum, Islam und westlichen Atheismus. Ich und der Vater sind eins (Joh 10,30): Gerade mit Jesu Göttlichkeit und Inkarnation haben Hindus meist kein Problem. Sie sehen ihn oft wie selbstverständlich als volle Manifestation des Krishna- oder Buddha-Wesens, das in Menschengestalt auf die Erde „herabgestiegen“ (Avatara) sei, um den Menschen ihr eigenstes Wesen zu offenbaren, damit sie werden können, was sie von Ewigkeit her sind (Sri Aurobindo). Auch seine Armut, sein Leiden und Sterben werden als totale Hingabe an Gott und Selbsterniedrigung, die Gottes Wesen entspricht, gewürdigt und akzeptiert.

Damit erkennen Hindus Jesus aber nicht als einzige Gestalt des Göttlichen an. Das wäre nach ihrem Verständnis eine eigenmächtige Verzerrung (Haschananda):

Gott ist größer als Jesus ... Würde Gott sich auf eine einzige Inkarnation festlegen, dann würden wir Gott begrenzen und verfügbar machen. Gott ist grenzenlos. Wer könnte diesen Ozean ausschöpfen?

Die Menschwerdung Gottes dient der Gottwerdung des Menschen. Darum ist Jesu Menschsein für Hindus kein vergangenes Ereignis, sondern findet in jeder Menschenseele statt, die sich dem Göttlichen (Brahman oder Atman) öffnet. Hier steht Jesus als Mensch mit jedem Guru, Weisheitslehrer oder Heiligen auf einer Ebene und erhält keine besondere universale Erlöserrolle. Seine Versuchung in der Wüste, seine Gleichnisse und Wunder, sein Gebet in Getsemani werden als meditative Wahrheiten aufgenommen; sonstige Details seiner historischen Existenz (z.B. die Tora-Auslegung, das Ehescheidungsverbot u.a.) werden dagegen als unwesentlich erachtet. Oft wird jedoch gegenüber westlicher Vereinnahmung seine asiatische Herkunft betont.

Während die westliche Theologie im 19. und 20. Jahrhundert oft nicht mehr wagte, von Gottes Offenbarung in Christus zu reden, ihn zum Vorbild allgemeiner Religiosität und Humanität machte und Christentum mit zeitweise modernen politischen Ideologien eng verknüpfte, hielten Inder gerade die theologische Dimension des „Heiligen“ (Rudolf Otto) und des „Geheimnisses“ (Eberhard Jüngel), die sich allem menschlichen Begreifen entzieht, fest. So schrieb der indische Dichterphilosoph Rabindranath Tagore schon vor 1936 - als es noch kaum Religionsdialoge gab - in Jesus, die große Seele:

Offenbarung Gottes mitten unter den Menschen! Die Lehre Jesu ist keine Wahrheit, die man in einen Vers der Heiligen Schrift einschließen kann, sondern sie zeigt sich als Wahrheit seines Lebens. Bis heute blieb sie lebendig wie ein immergrüner Feigenbaum, der immer neue Zweige hervortreibt.

Geändert von Gast780 (22.02.2007 um 11:37 Uhr)
Gast780 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2007, 11:33   Jesus im Hinduismus und Buddhismus Beitrag #2 (permalink)
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Registriert seit: 30.12.2006
Beiträge: 0
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Jesus im Buddhismus

Buddha lehrte in ähnlicher Weise wie Jesus: Ich bin der Weg, das Licht oder das Leben. Er zeigt den Weg zur Erlösung vom Anhaften des Geistes: Dieser sei prinzipiell jedem fühlenden Wesen zugänglich und bedürfe keines Erlösers. Im Gegensatz zum Brahmanismus lehrt er das An-Atman, die Leerheit (Shunyata) und Nichtigkeit aller Substanzvorstellungen. Demgemäß sehen Buddhisten personale Gottesbilder allenfalls als nützlich, aber nicht als notwendig an.

Damit wird Jesus eine „Göttlichkeit“ im westlichen Sinn abgesprochen; doch seine „Buddhanatur“ – die in vieler Hinsicht der „Gottebenbildlichkeit“ jedes Menschen ähnelt − wird anerkannt. Darum kann Jesus als spiritueller Lehrer auf dem Weg zur Erleuchtung betrachtet werden, der selber den Weg vom Zorn zum Erwachen (von der Tempelaustreibung zum Gebet in Getsemani) gegangen sei.

In manchen Schulen wird Jesus darum auch als ein echter Bodhisattva, also ein vollkommen selbstloser barmherziger Mensch anerkannt und damit Buddha nahezu gleichrangig an die Seite gestellt: so z.B. von Tenzin Gyatso, dem heutigen 14. Dalai Lama, der höchsten Autorität im tibetischen Buddhismus. So kann Jesus gelegentlich auch mit dem wiederkommenden Buddha Maitreya oder dem Amitabha (Amida Buddha) im japanischen Jodo Shinshu gleichgesetzt werden. Auch solche mythischen Bilder betonen seine Barmherzigkeit und Hingabe an Andere.

Während Christen oft das Fehlen einer Sünden- und Gnadenlehre bei Buddha bemängeln, sehen Buddhisten Jesu Feindesliebe und Vergebung, die der Gekreuzigte seinen Mördern schenkte, als vorbildliche Verwirklichung der Buddhanatur. Gerade dies ist für Buddhisten Zeichen seiner Erleuchtung. Diese Achtung hat wiederum auf westliche Interpreten zurückgewirkt, die die vergessene mystische Tradition im Christentum wiederentdecken, wiederbeleben und dadurch einen Beitrag zur Versöhnung der Kulturen von Orient und Okzident leisten wollen.

Eine solche Rückwirkung asiatischer Rezeption Jesu ist auch in der Feministischen Theologie zu finden. Hanna Wolff beschrieb beispielsweise Jesus als ersten „anima-integrierten Mann“ der Antike, der die weiblichen Anteile seiner Seele angenommen und Frauen darum anders als die patriarchalische Umwelt behandelt habe. Sie folgte damit der Anima-Animus-Lehre des Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung, der diese ebenfalls im Anschluss an asiatische Anthropologie, vor allem den Daoismus, entwickelt hatte.

Allen asiatischen Rezeptionen Jesu ist jedoch gemeinsam, dass sie die jüdisch-christliche Eschatologie – also die Vorstellung einer zielgerichteten Heilsgeschichte, die die Weltgeschichte „durchkreuzt“ und beendet – nicht teilen. Historie ist Schein und „ewige Wiederkehr des Gleichen“; alle Möglichkeiten der Selbstverwirklichung sind schon im wahren entgrenzten oder aufgelösten Selbst – der Buddhanatur, dem Brahman oder dem Dao − angelegt. So ist Erlösung eigentlich immer eine Rückkehr zu sich selbst, in dem die Subjekt-Objekt-Spaltung aufgehoben ist. Die radikale Verwandlung der ganzen Welt dagegen, die für die jüdische Apokalyptik entscheidend war, kommt erst seit der Begegnung mit christianisierten Völkern in den Blick (Michael von Brück).


Quelle:

Wiki-Artikel Jesus außerhalb des Christentums
Gast780 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2007, 11:50   Jesus im Hinduismus und Buddhismus Beitrag #3 (permalink)
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Registriert seit: 16.11.2006
Beiträge: 0
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hab da auch noch eine darstellung von swami omkarananda, falls das hier nicht reinpasst, lösch ichs (bzw. vielleicht ein mod) wieder:

"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!" (Joh. 14,6)

"Jesus Christus ist eine beständig anwesende Gegenwart in der Menschheitsgeschichte, eine ewige Gegenwart in der Schöpfung. Er ist die Wahrheit. Der Weg zur Wahrheit und die Wahrheit selbst ist Christus. Wo Wahrheit ist, da ist Leben, wahres Leben. Wo keine Wahrheit ist, da ist das Leben eine Fiktion, eine äusserliche Angelegenheit, ein Leben im nur Scheinhaften, und ein solches Leben ist voller Begrenzungen, ein nur kreatürliches Dasein in Zeit und Raum, das bald wieder von der Bildfläche verschwindet und allen möglichen Problemen und viel Unglück ausgesetzt ist. Jesus Christus ist die Wahrheit. Wahrheit ist die göttliche Wirklichkeit, ist das Zeitlose. Christus ist die Manifestation der zeitlosen Wahrheit, weshalb von Ihm gesagt wird: "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit" (Hebr. 13,8).

Vor zweitausend Jahren wurde Jesus verleumdet, verfolgt und gekreuzigt. Später wurde er als Offenbarung des Göttlichen verehrt. Überall wurden Kirchen errichtet. Psychologen wiederum haben Jesus für schizophren erklärt. So ändern sich Meinungen im Wandel der Zeit. Der eine Gelehrte sagt: "Jesus hat nie existiert, meine Forschung beweist es!" Der andere sagt: "Jesus existierte, doch war er Ägypter." Wieder ein anderer sagt noch etwas anderes. Das sind lauter wechselhafte Meinungen. Sie machen nicht einmal vor der Person Jesu Christi halt. Doch bedeutet der Wandel der Zeit nichts für ein Herz, das Jesus Christus hingegeben ist, für ein Herz, das in der Lage ist, die Gegenwart Jesu Christi zu fassen. Ein solches Herz ist vom Zeitlosen berührt."

JESUS CHRISTUS wie ich ihn kenne und erfahre!

.
Gast540 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2007, 11:53   Jesus im Hinduismus und Buddhismus Beitrag #4 (permalink)
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Registriert seit: 30.12.2006
Beiträge: 0
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Der Ashram von Omkarananda in der Schweiz wurde weggebombt, das weißt du, oder?

Seine Texte kenne ich, die habe ich schon alle gelesen. *ggg*
Gast780 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2007, 11:57   Jesus im Hinduismus und Buddhismus Beitrag #5 (permalink)
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Registriert seit: 16.11.2006
Beiträge: 0
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Zitat:
Zitat von Norbert
Der Ashram von Omkarananda in der Schweiz wurde weggebombt, das weißt du, oder?
ja klar! :-/

http://www.relinfo.ch/dlz/nachruftxt.html
Gast540 ist offline   Mit Zitat antworten
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