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Alt 03.10.2008, 19:36   Islam Beitrag #17 (permalink)
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Benutzerbild von Piramirim
 
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Beiträge: 90
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Liebe Filomena,

jetzt sind wir doch bei der Islam-Dislkussion gelandet, tja.

Ich glaube Dir aufs Wort alles was Du sagst. Jeder kann seine Religion so denken und leben, wie er will, hier bei uns im Westen.

Es gibt etliche "postmoderne" Muslime, die ihren eigenen, ganz speziellen Islam haben und praktizieren. Daran ist auch nicht das Geringste zu kritisieren.

Eine möglichst tatsachengerechte Überprüfung der Wirklichkeit zeigt meines Erachtens aber etwas ganz anderes.

Hier will ich also meine eigene, durch kritische Prüfung mir selbst angeeignete Sicht darstellen:

Was bei uns oft als Islam dargestellt wird, ist sehr oft ein individueller Islam aufgeklärter Individuen, oder oft auch liberaler, nicht besonders religöser Muslime. All das gibt es, ja, aber es weder der Mehrheitsislam noch stimmt das mit den orthodoxen Systemen überein.

Selbst in der Geschichte dominierte in der Wirklichkeit keineswegs der orthodoxe Scharia-Islam.

Jahrhundertelang hatten die meisten Muslime anderes zu tun, als Bücher über das islamische Recht zu lesen und danach zu leben. Sie waren meist Analphabeten und hatten weder Zeit noch Geld dafür. Islam war für sie das, von dem ihre Umgebung dachte, es sei der Islam, also die lokale religiöse Tradition. Das ganze nennt man auch "Volksislam".

Seit etwa 100 Jahren ändert sich das. Der "Schriftislam" und das ist meist der orthodoxe Scharia-Islam, wird von immer mehr Muslime entdeckt und praktiziert.

Andere verschriftlichte Islamsysteme gibt es wenig, am ehesten noch die "Batiniya" bei den Ismaeliten. Daneben gibt es meist unverschriftlichte Sufitraditionen und z.B. die Aleviten.

Besonders seit der iranischen Revolution 1978/79 verstärkt sich die Welle des traditionellen Schriftislams immer mehr.

Die Unterscheidung (orthodoxer) Scharia-Islam und Islamismus ist dabei eine künstliche. Islamismus lehrt mit ganz wenigen Ausnahmen nichts anderes, als die traditionelle orthodoxen Systeme. Die Unterscheidung ist bei uns politisch gewollt um so Duck vom Islam zu nehmen.

Bei meinen Aufenthalten in muslimischen Ländern habe ich selbst erfahren, wie Muslime lernen, was Islam ist. Das ganze wird auswendig gelernt, ohne Prüfung an der Wirklichkeit.

Der Islam ist die perfekte Religion (al-din al-kamil) lernt man da und keiner wagt das zu bezweifeln. Wer es dennoch tut, wird sofort abgestraft. Ich habe das selbst erlebt.

Der Islam gibt den Frauen erst ihre Rechte, lernt man da, das wird papageienartig wiederholt, wie alles was man (auswendig)lernt.

Lernen bedeutet in der islamischen Welt bis heute vor allem Auswendiglernen, und zwar völlig kritikloses Auswendiglernen.

Kritik oder gar Selbstkritik sind außer bei ein paar ganz mutigen Intellektuellen völlige Fremdwörter.

Man schafft sich eine eigene Wirklichkeit der Wörter. In dieser virtuellen Wirklichkeit der religiös dominierten arabischen Sprache lebt an dann.

Wer an dieser virtuellen Wirklichkeit kratzt, erfährt die ganze Gewalt einer tief religiösen und nicht pazifistischen Gesellschaft.

Man lebt so ohne hinter die Fassade der Wörter und Denkmuster zu schauen, ganz oft auch unbewusst und völlig unwissend im modernen Sinne.

Was man nicht sagt, worüber die Leue nicht reden, das gibt es nicht. Doppelmoral ist da schnell das normalste auf der Welt: hat ja keiner gesehen, ist ja gar nicht passiert.

Für Aussenstehende wirkt das ganze bei näherem Hinsehen sehr schnell verlogen. Was dabei Selbsttäuschung ist und was Täuschung, wer kanns wissen.
Piramirim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 20:34   Islam Beitrag #18 (permalink)
 
Registriert seit: 11.08.2007
Beiträge: 0
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Da kann ich halt überhaupt nicht mitreden - wie gesagt, der Verstand gibt solche Grenzen ein - mir sind sie fremd. Ich habe dir ja gestern im Chat gesagt, dass ich mich mit der Mystik befasse, aber auch mit der Christlichen - ich weiss nichts von der "Welt da draussen" ich weiss nichts von den Medien, sehe kein Fern, höre kein Radio, lese keine Zeitung. Ich erfahre tagtäglich Harmonie - aber warum? In meinem Geist ist Harmonie, warum sollte es dann im Sichtbaren anders sein? Insofern kann ich da und möchte ich nicht über den "äusseren ach so bösen Islam" diskutieren - du hattest mich gefragt, was ich für Erfahrungen mit dem Islam gemacht hätte, da kann ich sagen: durchwegs Gute - aber eben, ich lebe in der Schweiz, hier wird der Islam tatsächlich "moderner" gelebt, aber dennoch nach den ursprünglichen Quellen. Muhammad sagte wir sollen tolerant sein, und er sagte wir sollen immer auf das Gute im Menschen schauen - und genau das tue ich.
Gast1471 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 20:49   Islam Beitrag #19 (permalink)
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Registriert seit: 29.09.2008
Ort: Baden-Württemberg
Beiträge: 90
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Liebe Filomena,

so wie Du bist und Deinen Glauben lebst, ist doch wunderbar! Dass wir hier überhaupt keine Ausseinandersetzung haben, ist doch schön.

Es ist lediglich meine Sicht der Dinge, was ich vortrage. Und verschiedene Menschen haben verschiedene Sichtweisen, ist doch klar.

Ich habe auch gar keine Probleme mit Muslimen, solange sie nette Menschen sind und niemanden was zuleide tun.

Das wird oft falsch verstanden, wenn man Dinge am Islam kritisiert, heißt das ja nicht, dass man gegen die Menschen ist.

Wenn mir irgendwas an Deutschland nicht gefällt, und dich bin selbst Deutscher, habe ich ja deswegen nichts gegen Deutsche in allgemeinen.

Ich hoffe wir werden hier weiter entspannt über die Dinge reden, wie bisher.

Liebe Grüße

Pira
Piramirim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 20:50   Islam Beitrag #20 (permalink)
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Beiträge: 6.583
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@Pira:

Du scheinst dich ja wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Und scheinst ne Menge Wissen zu haben...vielleicht ja auch aufgrund von deinem Studium?!

Dennoch denke ich, du machst es dir zu einfach...wenn du einfach sagst: "Islam ist *******" gut das sind jetzt meine Worte...aber es kommt halt recht negativ rüber...du kritisierst halt ne Menge.

Ich denke das Problem ist einfach...wenn wir zwei völlig unterschiedliche Kulturen, wie den Westen mit dem Osten miteinander vergleichen...dann ist es klar, dass es dort nicht so ist wie bei uns.

Ich finde es geht um Toleranz...zu erkennen, dass es dort drüben im Osten...einfach eine andere Welt ist...und das unsere Wertesysteme dort einfach nicht greifen.

Klar ist Gewalt, Mord und was da alles geschieht schlimm. Aber wir können es ja nicht wirklich ändern.

Aber wir können damit Frieden schliessen, dass es so ist. Akzeptieren das die dort so leben, und das es deren Karma, deren Lernaufgaben ist, dieses Leben dort unter diesen Umständen zu leben.

Es ist natürlich leicht zu sagen...das wir wüssten was richtig ist, und wie es sein sollte...aber offensichtlich weis das Leben es besser.

Ich kann dich aber dennoch gut verstehen...und natürlich tut es auch weh...wenn man Unmenschlichkeit, Unterdrückung, Gewalt, und das alles sieht.

Aber dies wieder zu verurteilen beendet den "Krieg", die Gewalt nicht.
Es führt zu weiterer Gewalt.

Erst das Annehmen, das Verzeihen, das Sehen, das Verstehen, das Akzeptieren kann etwas bewirken.

Gruß Antar
Antar ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 21:32   Islam Beitrag #21 (permalink)
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Registriert seit: 29.09.2008
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Beiträge: 90
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Zitat:
Zitat von Antar Beitrag anzeigen
@Pira:
vielleicht ja auch aufgrund von deinem Studium?!
Erraten!

Zitat:
Zitat von Antar Beitrag anzeigen
Dennoch denke ich, du machst es dir zu einfach...wenn du einfach sagst: "Islam ist *******" gut das sind jetzt meine Worte...aber es kommt halt recht negativ rüber...du kritisierst halt ne Menge.
Hab ich nirgendwo gesagt, echt nicht! Ich habs beschrieben, und so wie ichs beschrieben habe, findest Du es *******. Nichts für ungut, aber das ist was anderes.

Zitat:
Zitat von Antar Beitrag anzeigen
Ich finde es geht um Toleranz...zu erkennen, dass es dort drüben im Osten...einfach eine andere Welt ist...und das unsere Wertesysteme dort einfach nicht greifen.
Ich will die traditionelle islamische Welt gar nicht ändern, aber ich will, dass der Westen sich nicht in Richtung Islam verändert. Das tut er meiner Meinung nach aber.

Und zwar weniger, weil die Muslime da so sehr puschen, sondern unsere merkwürdigen "Eliten" in Medien, Unis, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien etc. mit diesem "alle Kulturen und Religionen sind gleichwertig"-Gefasel jede Orientierung verloren haben.

Es kommt ja auch keiner auf die Idee zu sagen alle Ideologien sind gleichwertig. Demokratie und Dikatur, Rechtsstaat und Willkür, Friedfertigkeit und Kriegstreiberei, alles das gleiche, sagt ja auch keiner.

Nur bei Religionen und Kulturen ist alles einerlei und geichviel wert. Das ist die Verneinung aller Werte auf einer bestimmten Ebene. Das ist völliger Schwachsinn!

Das sind ganz oft total feige Leute, die wenig Durchblick haben. Die leben in einer selbstgestrickten heilen Scheinwelt.

Was wir bei uns haben ist zuviel Tolaranz für Intoleranz, wegen der oben genannten Friede-Freude- -Eierkuchen-Ideologie. Muslime können im Westen mitlerweile oft schon den Islam gar nicht mehr verlassen.

Vor allem muslimische Frauen haben auch hier bei uns keinerlei Freiheiten. Da sind Muslime ganz klar die Verlierer unserer "Toleranz".

Zitat:
Zitat von Antar Beitrag anzeigen
Aber dies wieder zu verurteilen beendet den "Krieg", die Gewalt nicht.
Es führt zu weiterer Gewalt.

Erst das Annehmen, das Verzeihen, das Sehen, das Verstehen, das Akzeptieren kann etwas bewirken.

Gruß Antar
Wenn eine Kulur sich nicht mehr selbst verteidigt, führt das nicht zum Frieden, sondern nur zu ihrem eigenen Untergang.

Friedfertigkeit funktioniert nur unter Friedfertigen und solchen die sich dazu bekehren lassen, oder unter einer Schutzmacht, die die Friedfertigkeit aller erzwingt.

In klassischen islamischen Systemen haben Friedfertige keine Chance. Die sind dort verachtete Looser.

Wir geben hier Leuten Freiheiten, die unser System abschaffen wollen, entweder bewusst, oder ohne es zu wissen, weil sie ein völlig verzerrtes Bild von der Welt haben.

Ich meine damit nicht nur Muslime. Nicht mal hauptsächlich. Muslime tun in weiten Teilen nur das, was ihnen ihre Religion vorschreibt.

Das wirkliche Problem hat ein sehr deutsches bzw. westliches Antlitz!
Piramirim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 21:36   Islam Beitrag #22 (permalink)
 
Registriert seit: 11.08.2007
Beiträge: 0
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Eine Religion ist immer das, was der Mensch aus ihr macht.
Gast1471 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 21:59   Islam Beitrag #23 (permalink)
Member
 
Benutzerbild von Piramirim
 
Registriert seit: 29.09.2008
Ort: Baden-Württemberg
Beiträge: 90
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Zitat:
Zitat von Vanilla Beitrag anzeigen
Eine Religion ist immer das, was der Mensch aus ihr macht.
Wenn man die Freiheit, den Spielraum und die Kraft hat, was draus zu machen.

Eine ganz junges Mädchen in Saudi-Arabien oder Iran, in Afghanistan oder Somalia, in Nordnigeria oder dem Jemen,

das nicht gefragt wird, ob sie einen alten Sack heiraten will, das keine Recht zur Scheidung hat, das der Mann nach klassischem islamischem Recht völlig isoliert halten kann, so à la Kampusch, das vom Zwangsehemann täglich zum Sex gezwungen wird,

was kann das aus der Religion, die eben auch das Rechtssystem ist, das all ihr Leid verursacht hat, was kann dieses Mächen aus der Religion machen?
Piramirim ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2008, 22:16   Islam Beitrag #24 (permalink)
Mu Mann
Senior Member
 
Benutzerbild von Mu
 
Registriert seit: 07.09.2004
Beiträge: 802
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Bei einer Religion sollte man meiner Meinung nach danach streben, die Erfahrung des mehr oder weniger freiwilligen Gründers zu verstehen (wenn man denn schon unbedingt in eine Religion hineinwill. Warum will man eigentlich hinein? Was verspricht man sich davon?)
Mu ist offline   Mit Zitat antworten
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