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Alt 20.03.2007, 11:25   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #1 (permalink)
 
Registriert seit: 16.03.2006
Beiträge: 1
Standard Hiersein-eine Untersuchung

Was ist dieses Hiersein?

>Hier< und >jetzt< sind zunächst einmal Worte, deren Bedeutung wir in unserer Kindheit erlernt haben. Bedingt durch die Menschen, von denen wir das Sprechen durch aufmerksames Zuhören und Beobachten erlernt haben, hat sich auch unser Verständnis vom Hier- und Jetztsein entwickelt. Dieses Verständnis ist folglich ein bedingtes und überlagert die Wahrnehmung dessen, was wahrhaftig hier und jetzt ist.
Jeder versteht etwas anderes darunter und das liegt daran, das zur Gewinnung eines Verständnisses vom Hier und Jetzt die Gegenwärtigkeit objektiviert werden muss. Hier und Jetzt ist aber kein Objekt, über das eine Klarheit im Verstehen erlangt werden kann. Klarheit kann in den Konzepten vom Hier und Jetzt erlangt werden, doch ist ein Konzept die Reflexion auf das Hier und Jetzt.

Wie kann ich also das Hier und Jetzt untersuchen, ohne es zu objektivieren?

Das kann niemand. Schon der Versuch ist bereits eine Objektivierung. Ich wende mich >etwas< zu, dass es so gar nicht gibt.

Gut. Aber wie soll ich dann herausfinden, was wirklich Hier und Jetzt ist, wenn mein Mittel der Betrachtung nur zur Erfahrung der Unwirklichkeit führt?

Wenn ich mir klar mache, dass alles, was ich hier und jetzt erfahren kann, nicht hier und jetzt ist, bleibt irgendwann das Hier und Jetzt übrig. Denn um die Unwirklichkeit des Hier und Jetzt zu erfahren, muss ich wirklich hier sein.
Ich bin also bereits Hier und jetzt, ohne es zu untersuchen. Untersuche es aber, um zu erfahren, was es nicht ist. Eine andere Erfahrung ist nicht möglich.
Die Wahrheit vom Hier und Jetzt ist ununterbrochen präsent, kann aber nicht erfahren werden. Warum?
Weil es dafür einen Punkt geben müsste, an dem sie mal nicht erfahren wurde.
Und diesen Punkt hat es nie gegeben, ebenso wie es niemals den Punkt geben wird, an dem sie erfahren wird.
Die Wahrheit des Hier und Jetzt ist die Abwesenheit des Erfahrenden. Und diese Abwesenheit wird sich zwangsläufig einstellen müssen, wenn das Hier und Jetzt untersucht wird und alles, was erfahren wird, als unwirklich erklärt wird.

Wenn aber alles, was ich erfahre als unwirklich erklärt wird, was hat es dann für einen Wert, wenn ich z.B. gerade erfahre, wie meine Tochter mich um Hilfe bittet.
Solange die Wirklichkeit nicht gesehen wird, behandeln wir die Unwirklichkeit wie die Wirklichkeit.
Schlussfolgerungen wie:
>Weil ja alles, was ich erfahre nicht wirklich ist, brauche ich auch auf keinen eingehen<,
sind ebenfalls unwirklich. Alles, was ich erfahren kann, als nicht wirklich zu erklären heißt nicht, die Dinge als nicht wirklich zu behandeln. Im Gegenteil. Erst durch die tiefere Hingabe an das, was hier und jetzt geschieht, tritt die zugrunde liegende Qualität der Erfahrung ins Licht. Und was in diesem Licht erscheint, wird als unwirklich erklärt.
Die >Hier und Jetzt<-Erforschung bleibt völlig blutleer, wenn wir sie aus einem sicheren Raum heraus betreiben, in dem wir das, was wir doch gerne als wirklich behalten wollen, zurück-halten. Erst muss es ins Licht der Erfahrung, dann kann es als unwirklich erklärt werden.
Die Potenz des Augenblicks birgt zwar die Möglichkeit, hier und jetzt, alles von uns ins Licht zu setzen und als unwirklich zu erklären. Doch geschieht dies wohl eher selten. In der Regel verbergen wir etwas von uns, schützen es, weil es eben unwirklich ist und im Licht als solches erkannt werden kann.

Lieben Gruß
Kai
Gast235 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 11:28   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #2 (permalink)
Gesperrt
 
Benutzerbild von Pavlotse
 
Registriert seit: 27.07.2003
Ort: Berlin
Beiträge: 10.109
Standard

Zitat:
Zitat von Kai
Was ist dieses Hiersein?

>Hier< und >jetzt< sind zunächst einmal Worte, deren Bedeutung wir in unserer Kindheit erlernt haben. Bedingt durch die Menschen, von denen wir das Sprechen durch aufmerksames Zuhören und Beobachten erlernt haben, hat sich auch unser Verständnis vom Hier- und Jetztsein entwickelt. Dieses Verständnis ist folglich ein bedingtes und überlagert die Wahrnehmung dessen, was wahrhaftig hier und jetzt ist.
Jeder versteht etwas anderes darunter und das liegt daran, das zur Gewinnung eines Verständnisses vom Hier und Jetzt die Gegenwärtigkeit objektiviert werden muss. Hier und Jetzt ist aber kein Objekt, über das eine Klarheit im Verstehen erlangt werden kann. Klarheit kann in den Konzepten vom Hier und Jetzt erlangt werden, doch ist ein Konzept die Reflexion auf das Hier und Jetzt.

Wie kann ich also das Hier und Jetzt untersuchen, ohne es zu objektivieren?

Das kann niemand. Schon der Versuch ist bereits eine Objektivierung. Ich wende mich >etwas< zu, dass es so gar nicht gibt.

Gut. Aber wie soll ich dann herausfinden, was wirklich Hier und Jetzt ist, wenn mein Mittel der Betrachtung nur zur Erfahrung der Unwirklichkeit führt?

Wenn ich mir klar mache, dass alles, was ich hier und jetzt erfahren kann, nicht hier und jetzt ist, bleibt irgendwann das Hier und Jetzt übrig. Denn um die Unwirklichkeit des Hier und Jetzt zu erfahren, muss ich wirklich hier sein.
Ich bin also bereits Hier und jetzt, ohne es zu untersuchen. Untersuche es aber, um zu erfahren, was es nicht ist. Eine andere Erfahrung ist nicht möglich.
Die Wahrheit vom Hier und Jetzt ist ununterbrochen präsent, kann aber nicht erfahren werden. Warum?
Weil es dafür einen Punkt geben müsste, an dem sie mal nicht erfahren wurde.
Und diesen Punkt hat es nie gegeben, ebenso wie es niemals den Punkt geben wird, an dem sie erfahren wird.
Die Wahrheit des Hier und Jetzt ist die Abwesenheit des Erfahrenden. Und diese Abwesenheit wird sich zwangsläufig einstellen müssen, wenn das Hier und Jetzt untersucht wird und alles, was erfahren wird, als unwirklich erklärt wird.

Wenn aber alles, was ich erfahre als unwirklich erklärt wird, was hat es dann für einen Wert, wenn ich z.B. gerade erfahre, wie meine Tochter mich um Hilfe bittet.
Solange die Wirklichkeit nicht gesehen wird, behandeln wir die Unwirklichkeit wie die Wirklichkeit.
Schlussfolgerungen wie:
>Weil ja alles, was ich erfahre nicht wirklich ist, brauche ich auch auf keinen eingehen<,
sind ebenfalls unwirklich. Alles, was ich erfahren kann, als nicht wirklich zu erklären heißt nicht, die Dinge als nicht wirklich zu behandeln. Im Gegenteil. Erst durch die tiefere Hingabe an das, was hier und jetzt geschieht, tritt die zugrunde liegende Qualität der Erfahrung ins Licht. Und was in diesem Licht erscheint, wird als unwirklich erklärt.
Die >Hier und Jetzt<-Erforschung bleibt völlig blutleer, wenn wir sie aus einem sicheren Raum heraus betreiben, in dem wir das, was wir doch gerne als wirklich behalten wollen, zurück-halten. Erst muss es ins Licht der Erfahrung, dann kann es als unwirklich erklärt werden.
Die Potenz des Augenblicks birgt zwar die Möglichkeit, hier und jetzt, alles von uns ins Licht zu setzen und als unwirklich zu erklären. Doch geschieht dies wohl eher selten. In der Regel verbergen wir etwas von uns, schützen es, weil es eben unwirklich ist und im Licht als solches erkannt werden kann.

Lieben Gruß
Kai

man kai,

gehts auch etwas unkomplizierter?

ich stimme dir übrigens zu, das HIER UND JETZT nicht erfahren werden kann, aber andererseits hat jeder das Gefühl von ICH BIN (ich nenne das mal relatives ICH BIN, also Bewusstsein verbunden mit einem Körper)

Unwirklich ist es im Sinne von "objektiv verschieden"

Pa
Pavlotse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 11:55   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #3 (permalink)
Guest
 
Registriert seit: 30.12.2006
Beiträge: 0
Standard

Zitat:
Zitat von Pavlotse
ich stimme dir übrigens zu, das HIER UND JETZT nicht erfahren werden kann
Ich stimme dem nicht zu. Es kann wohl erfahren werden, nur gibt es dann keinen, der es erfährt, was ja nicht heißen muss, dass es diese Erfahrung nicht gibt. *g*
Gast780 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 11:58   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #4 (permalink)
Gesperrt
 
Benutzerbild von Pavlotse
 
Registriert seit: 27.07.2003
Ort: Berlin
Beiträge: 10.109
Standard

Zitat:
Zitat von Norbert
Zitat:
Zitat von Pavlotse
ich stimme dir übrigens zu, das HIER UND JETZT nicht erfahren werden kann
Ich stimme dem nicht zu. Es kann wohl erfahren werden, nur gibt es dann keinen, der es erfährt. *g*

hallo Norbert

was ich dir schon immer sagen wollte:

das was du eine Erfahrung von HIER nennst (ohne jemanden) ist doch lediglich Phänomenales erleben.

Raphael hat das mal in einem Modell sehr schön aufgeschlüsselt:

Metaphysische Einheit (hier ist alles wirklich komplett vollständig, keine Trennung von Hier, keinem , einem usw)

Manifestierte Einheit (das Tao) das sich aufspaltet in Ishwara und Mensch

es ist alles recht nett und bestimmt schön auf dieser Ebene und auch empfehlenswert zu entspannen, hat aber nix mit diesem Parabrahman zu tun.

Pa
Pavlotse ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 12:06   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #5 (permalink)
Guest
 
Registriert seit: 30.12.2006
Beiträge: 0
Standard

Zitat:
Zitat von Pavlotse
das was du eine Erfahrung von HIER nennst (ohne jemanden) ist doch lediglich Phänomenales erleben.
Ich würde es anders formulieren: Wenn ICH es bin, der behauptet, dass das HIER erfahrbar ist, dann ist es gelogen.
Gast780 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 12:26   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #6 (permalink)
 
Registriert seit: 16.03.2006
Beiträge: 1
Standard

Zitat:
Zitat von Norbert
Zitat:
Zitat von Pavlotse
ich stimme dir übrigens zu, das HIER UND JETZT nicht erfahren werden kann
Ich stimme dem nicht zu. Es kann wohl erfahren werden, nur gibt es dann keinen, der es erfährt, was ja nicht heißen muss, dass es diese Erfahrung nicht gibt. *g*

Hallo, Norbert!

Der Begriff >Erfahrung< macht nur Sinn, wenn er an einen Erfahrenden gekoppelt ist. Und in diesem Sinn habe ich ihn verwendet.
Deshalb ist es nicht richtig zu sagen, dass die Wahrheit oder das Hier-Jetzt erfahren werden kann.
Ich bin hier-jetzt, und das ist keine Erfahrung. Ich kann mich aber erfahren, in dem ich mich hier-jetzt objektiviere. Nur ist das nicht wirklich.

Lieben Gruß
Kai
Gast235 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 12:34   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #7 (permalink)
Guest
 
Registriert seit: 30.12.2006
Beiträge: 0
Standard

Zitat:
Zitat von Kai
Der Begriff >Erfahrung< macht nur Sinn, wenn er an einen Erfahrenden gekoppelt ist.
Die Trennung zwischen Erfahrung und Erfahrenden scheint dir wichtig zu sein. Das ist ok für mich. Aber das heißt nicht, dass sie das für mich auch ist.

Zitat:
Ich kann mich aber erfahren, in dem ich mich hier-jetzt objektiviere. Nur ist das nicht wirklich.
Wirklich oder nicht, die Frage die sich mir stellt ist, ob das wichtig ist, sich selbst zu objektivieren. Denn ... wenn mir das wichtig ist, ist es mir auch wichtig, die Erfahrung und den Erfahrenden zu trennen.
Gast780 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2007, 13:07   Hiersein-eine Untersuchung Beitrag #8 (permalink)
Senior Member
 
Registriert seit: 14.01.2007
Beiträge: 1.124
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Ich glaube, in diesem Forum erlebe ich zum ersten Mal, dass man sich nicht über Inhalte, sondern auch über Sinn und Bedeutung von Worten streiten kann, egal worum es geht. Das ist schon verdammt nah am Egal der Sprache. Spannend.
Aber eigentlich auch ziemlich einschläfernd

Weitermachen


P.S. Kai, ich mag deine Wortbedeutungen, lass dich nicht beirren.
LaMer ist offline   Mit Zitat antworten
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