Die Welt unser Traum
Nachts im Traum die Städt' und Leute
Ungeheuer, Luftgebäude,
Alle, weißt Du, alle steigen
aus der Seele dunklem Raum,
sind Dein Bild, Dein Werk, Dein eigen,
sind Dein Traum.
Geh am Tag durch Stadt und Gassen
schau in Wolken, in Gesichter
und Du wirst verwundert fassen
sie sind Dein! Du bist ihr Dichter!
Alles, was vor Deinen Sinnen
hundertfältig lebt und gaukelt,
ist ja Dein, ist in Dir drinnen,
Traum, den Deine Seele schaukelt.
Durch Dich selber ewig schreitend
bald beschränkend Dich, bald weitend,
bist Du Redender und Hörer,
bist Du Schöpfer und Zerstörer.
Zauberkräfte, längst vergessene
spinnen heiligen Betrug!
Und die Welt, die unermessene
lebt von Deinem Atemzug.
Hermann Hesse
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