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Alt 01.12.2011, 07:13   Die "Ishta-Devata-Übung" (Bhakti-Yoga) Beitrag #1
net.yeti Mann
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Benutzerbild von net.yeti
 
Registriert seit: 01.10.2011
Beiträge: 1.825
Standard Die "Ishta-Devata-Übung" (Bhakti-Yoga)

Ich erinnere mich noch an eine Übung aus meiner Zeit als Schüler von Narayanananda.
Allerdings brachte ich es nicht sehr weit, weil mir nie gelang, das Keuschheitsgelübde
abzulegen, wozu man ein Jahr in sexueller Enthaltsamkeit hätte leben müssen.

Das war so ein ganz konservativer Guru, aber wie ich über die "Ishta-Devata-Übung nachdachte,
da fiel mir eine Parallele zum Fühlen des Herzen auf, und eigentlich geht es meinem heutigen
Verständnis nach dabei um genau das.

Bei der ursprünglichen "Ishta-Devata-Übung" stellt man sich eine milchig-weiße Kugel etwas
rechts des Brustbeines in der Brust vor, oder im Anahata-Shakra, und sagt dazu still ein Mantra, das
einem in einer geheimen Einweihung gegeben wurde. Die mit dem Mantra verbundene
Gottheit, die Ishta-Devata, stellt man sich dann auf einem Lotus stehend in dieser
milchig-weißen Kugel vor.

Irgendwie machen all die Teile der Übung aus meiner heutigen Sicht einen guten Sinn,
aus der Sicht des Erfinders - aber sie ist doch für die heutige Zeit viel zu kompliziert
und verwirrend. Und gerade habe ich Lust, ohne weiter auf den Sinn der Einzelteile der
ursprünglichen Yoga-Übung einzugehen, eine neuzeitliche Variante zu beschreiben, die mir
klarer erscheint.

Und eigentlich kann man auch mit dieser Übung recht praktikabel erwachen, liegt einem
das "ich bin" nicht so sehr.

Die "Ishta Devata" sollte ursprünglich ein Gott sein, zu dem man eine emotional positive Beziehung hatte,
am besten tiefe Verehrung empfindet, um die Aufmerksamkeit einfacher auf die Übung wenden
zu können. Aber das ist nicht unbedingt notwendig.

In der modernen Form der "Ishta-Devata-Übung" spürt man dem Ursprung der Gefühle nach, indem
man absichtlich und bewusst das Gefühl fühlt, das gerade ist. Dabei ist es völlig egal, was für ein
Gefühl das ist.

Man stellt sich dem Gefühl. Gerne laufen die Menschen innerlich (in Gedanken) vor den Gefühlen weg.

Und bei der modernen Form der "Ishta-Devata-Übung" ist das Gefühl, das gerade ist, die Ishta-Devata.

Es muss also kein Gefühl der Verehrung sein - es ist völlig egal. Man wendet sich ganz bewusst der momentanen
Gefühlsstimmung zu, und meist ist sie etwas mutierendes, das verschiedenste Farbklänge an Gefühl enthält.

Mit dieser "Grundstimmung", egal was gerade Oberhand hat, ist man einfach bewusst zusammen, und
fühlt die Grundstimmung. Und je weniger man sich von ihr abwendet, also je besser man in der
Begegnung lernt, mit ihr zu sein, dieser Grundstimmung, desto bewusster wir einem, wie stark das
menschliche Fühlen eigentlich permanent ist - und wie sehr die Grundstimmung alles prägt - und auch
die Gedanken treibt.

Und je mehr man sich darauf einlässt, spürt man irgendwann eine Art "Energiekloß", ja, er ist pure
"Erregung". Das ist das Herz, das die ursprüngliche "Ishta-Devata-Übung" eigentlich in meinen Augen
anpeilt.

Dann ist man mit dem Herzen, völlig egal wo man diesen "Energieball" spürt. Mit der Zeit lokalisiert man
ihn wohl automatisch in der Brust, so wie man die Gedanken eher im Kopf spürt.

Es ist so herum viel einfach, den Sitz der "Ishta-Devata" zu finden. Wenn man erst in der Brust sucht, und
sich da was vorstellt, zäumt man eigentlich das Pferd von hinten auf. Sucht man die "Ishta-Devata" direkt
über das Fühlen, ist das viel einfacher, da man ihr im Fühlen direkt nachspürt. Man hat etwas in der Hand,
was real da ist, nicht vorgestellt werden muss. Im Fühlen des bestehenden Gefühls findet man dann auch
dieses sagenhafte Herz. Als etwas, was schon immer da ist.

Es kann schon brennen, das zu üben - diesem Brennen soll man gerade nicht davonlaufen, sondern das Fühlen
verfolgen, gerade auch dorthin, wo es weh tut, nicht im Sinne eines Schmerzes - es ist dieses "weh-tun",
das den Menschen gerne vor dem Fühlen davonlaufen lässt.

Bei der "Ishta-Devata-Übung" spürt man bewusst dieses "weh-tun" des Gefühls - und spürt es dabei so nahe, wie einem möglich,
alleine um zu spüren, vor was man da eigentlich davon läuft. Eigentlich hat das Gefühl nicht einmal eine wirkliche Farbe,
als "sehr, sehr intensiv" zu sein - und man kann dann schön spüren, wie diese kleine brennende Sonne
das Denken antreibt, und je mehr man mit ihr sein kann, sich das Denken beruhigt.

Alles, zu was man getrieben wird, geht von diesem "Gefühlskloß" aus- und kann man bewusst mit ihm sein,
dann kann man "bremsen", alles bremst sich aus.

Seltsam, dass ich mal wieder über das Herz schreibe, wo ich doch eigentlich ein "ich bin"-Yogi bin.

Beim Spüren der "Ishta-Devata" (das ist etwas radikalerer Advaita: Gleichsetzung von Gefühl und "Ishta-Devata")
kann man sehr viel über die Physik des menschlichen Antriebes lernen - und dabei spielt weder "ich"
noch "bin" eine Rolle. Hat man Probleme mit diesem "ich" oder "bin" schnappt man sich bei dieser
Übung etwas "handfestes" - nämlich das Gefühlsgemisch das gerade ist, und spürt einfach bewusst hinein.

Vor was man davon läuft, ist auch das, was einen selbst antreibt, die "göttliche Kraft". Man muss
dabei in ihr nicht mehr erkennen, als was gerade Gefühl ist- und Gefühle fühlt man. Man spürt bewusst
dem Feuer nach, das Gefühl erst zur treibenden Kraft macht.

Bei dieser Übung fühlt man also ganz bewusst einfach nur das echte Gefühl, was ist - sucht nicht nach
einem Gefühl, das man gerne hätte, oder eines, von dem man denkt, dass es besser wäre, oder
hier sein müsste. Man setzt am REALEN Fühlen an, keinem idealen Fühlen, und fühlt, und fühlt, und
stößt mit der Zeit auf diese kleine "brennende Sonne" (alles sinnbildlich gemeint, obwohl das Herz
so innerlich gesehen werden kann).

Sie ist eigentlich immer hier, nur eben als etwas,vor dem man gerne davon läuft - und die daher gerne
etwas ist "was man nicht will", und damit "auch nicht sehen will" - man wendet sich quasi um - und
schaut zu dem, wovor man davonläuft.

Das Ziel ist bei dieser Übung nicht "vorne", sonder immer hier. Keine Transformation des Fühlens,
sondern ein bewusstes Beisammensein mit dem vorhandene Fühlen, und dabei einfach bewusst das
Gefühl fühlen, was heißt ihm volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Das ist Zusammensein mit der "Ishta-Devata" aus meiner neo-advaitischen Sicht.

Neo-Advaita ist der Advaita, der ist.

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