Wenn du dich kostenlos registrierst kannst du neue Themen verfassen, an Umfragen teilnehmen und vieles mehr. Falls Du bei der Registrierung oder Anmeldung Probleme hast, dann kontaktiere uns.
 |
25.10.2004, 16:33
|
Dhammapada Beitrag #1
|
|
Senior Member
Registriert seit: 07.06.2003
Beiträge: 19.871
|
Dhammapada
Unter den fünf großen Sammlungen oder Nikáyas, die in ihrer Gesamtheit das Suttapitaka, den "Korb der Lehrsätze", bilden, steht der Khuddaka-Nikáya, die "Sammlung der kurzen Texte", an letzter Stelle; in ihm aber befinden sich gerade die ältesten Stücke der buddhistischen Überlieferung, und zu diesen gehören DHAMMAPADA, UDÁNA, SUTTA-NIPÁTA und THERAGÁTHÁ.
Das DHAMMAPADA, eine der volkstümlichsten unter allen kanonischen Schriften der Buddhisten, ist eine lose Sammlung von Sprüchen in Versen, mit denen Buddha und seine Jünger, besonders wenn sie zu Laien sprachen, ihre Lehrreden ausschmückten. Einige Verse sind deutlich als Worte Buddhas zu erkennen, manche andere können nicht von ihm, sondern nur von seinen Jüngern gesprochen sein; mehrere stehen auch in den THERA-GÁTHÁ und an anderen Stellen des Kanons, und dort sind die Verfasser genannt. Bei den meisten ist es zweifelhaft, aber auch gleichgültig, wer der Verfasser ist.
Die Form der Sprüche ist meist der Doppelvers, der aus je 16 Silben besteht (Sloka), ausnahmsweise sind es drei oder vier Verszeilen oder vier elfsilbige Verse. Sie sind, wie die Verse 44 und 45 bezeugen, lose zusammengebündelt, wie man Blumen zu einem Strauß bindet, geordnet nach Stichworten oder anderen äußeren Merkmalen, weniger nach dem Inhalt. Wie in einem großen Blumenstrauß schönere und weniger schöne Blumen nebeneinander blühen, so stehen auch im Dhammapada neben formschönen Versen mit großen, tiefen Gedanken manche ziemlich einfältige und sogar triviale. Die Übersetzung kann daran nichts ändern, sie ist auch nicht verantwortlich für einige schiefe Bilder, wie überhaupt zu beachten ist, daß in diesem Buch nicht freie Dichtung, sondern nur Übersetzung geboten wird, deren Inhalt und Ausdruck durch den Urtext bestimmt ist.
Das Dhammapada ist der erste Pali-Text, der in Europa veröffentlicht wurde: im Jahre 1855 gab ihn Fausböll, der verdienstvolle Bahnbrecher des Pali-Studiums, in Kopenhagen mit lateinischer Übersetzung heraus.
In den bisherigen deutschen Übersetzungen des Dhammapada finden sich viele Mißverständnisse. Sie beginnen schon mit dem Titel: Dhammapada bedeutet nicht "Pfad der Wahrheit" oder "Pfad der Lehre", sondern einfach: "Sprüche zur Buddhalehre in Versen". Mißverständlich ist es, wenn man "attá" in den Sprüchen mit "das Selbst" übersetzt; es ist hier meist nichts anderes als das Reflexivpronomen "sich" oder "er selbst", im Genitiv "sein eigener". "Citta" ist nicht das Herz oder der Geist, sondern das Denken; "piya" hat nichts mit "Liebe" zu tun, sondern bedeutet: "angenehm", "das, was man gern hat oder gern haben möchte" usw. Wenn man dies beachtet, verschwinden alle Schwierigkeiten für das Verständnis, und der Sinn der Sprüche leuchtet sofort ein.
Die Pali-Verse von 16 und mehr Silben können im Deutschen nicht gut durch Verse von derselben Silbenzahl wiedergegeben werden, weil für unser Sprachgefühl solche Verse zu lang wären, es sei denn, daß man Hexameter und Pentameter wählte. Die bisherigen Übersetzer haben die Doppelverse durch vierzeilige Strophen wiedergegeben. Dabei mußten sie oft zum Ausfüllen der Verse Worte einfügen, die im Urtext nicht stehen. Mir scheint, daß dadurch der Charakter der Verse, die im Pali kurz und einprägsam sind, verändert wird. Für solche Spruchpoesie haben wir im Deutschen gute Vorbilder im "Cherubinischen Wandersmann" des Angelus Silesius und in der "Weisheit des Brahmanen" von Friedrich Rückert; beide verwenden den aus 6 Jamben bestehenden Alexandriner, der paarweise gereimt ist. Diese Versform dürfte dem Dhammapada am besten entsprechen; darum habe ich sie für die Übersetzung gewählt, und zwar (mit einer Ausnahme) durchgängig, ohne Rücksicht auf die verschiedenen Versmaße im Urtext.
.............. Mandala der Erleuchtung ......................... Mandala des erleuchteten Kosmos

Yamaka - Spruch-Paare
1
Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet:
Kommt aus getrübtem Geist dein Wort und dein Betragen.
So folgt dir Unheil, wie dem Zugtier folgt der Wagen.
2
Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet:
Entspringen reinem Geist dein Wort und deine Taten,
folgt das Glück dir nach, unfehlbar wie dein Schatten.
3
"Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet",
Solange man so denkt, wird Feindschaft nicht beendet.
4
"Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet'',
Wenn man so nicht mehr denkt, wird Feindschaft bald beendet.
5
Denn Feindschaft wird durch Feindschaft nimmermehr gestillt;
Versöhnlichkeit schafft Ruh' - ein Satz, der immer gilt.
6
Man denkt oft nicht daran, sich selbst zurückzuhalten;
Wer aber daran denkt, der läßt den Zorn erkalten.
7
Wer nur das Schöne sieht, die Sinne nicht bewacht,
Nicht Maß beim Essen hält, durch Trägheit schwach sich macht,
Den wirft leicht Mára (*) um, wie schwachen Baum der Wind.
(*Personifikation der die Weltmenschen überwältigenden
Leidenschaften und Begehrensobjekte)
8
Wer auch das Schlimme sieht, die Sinne wohl bewacht,
Beim Essen mäßig ist, vertrauend stark sich macht,
Der bietet Mara Trotz, wie Felsgestein dem Wind.
9
Wer innen unrein ist und trägt das gelb' Gewand,
Von Zucht und Wahrheit fern, der macht dem Gelben Schand.
10
Wer innen sauber ist, in Sittlichkeit bewährt,
In Zucht und Wahrheit lebt, der ist des Gelben wert.
11
Wer Unechtes für echt, für unecht Echtes hält,
Der kommt zum Echten nie; sein Sinn ist falsch gestellt.
12
Wer Echt als echt erkennt und Unecht unecht find't,
Gelangt zum Echten hin, denn er ist recht gesinnt.
13
Wie Regen dringt ins Haus, wenn's Dach nicht gut belegt ist,
So sickert Gier ins Herz, wenn Denken nicht gepflegt ist.
14
Der Regen schadet nicht, wenn gut gedeckt das Haus;
Ist Denken gut gepflegt, dann bleibt Begierde aus.
15
Der Übeltäter seufzt hier und im nächsten Leben;
Er seufzt, weil er erkennt, wie übel war sein Streben.
16
Hier und auch nach dem Tod ist froh, wer Gutes tut;
Er freut sich, weil er weiß, sein Streben hier ist gut.
17
Der Übeltäter quält sich hier und drüben sehr;
Es quält ihn, was er tat; die Hölle quält ihn mehr.
18
Wer Gutes tat, der freut sich hier und drüben sehr;
Es freut ihn, was er tat; der Himmel freut ihn mehr.
19
Wer, ohne fromm zu sein, viel fromme Verse spricht,
Ist einem Hirten gleich, der fremdes Vieh verhandelt;
Er ist kein rechter Mönch, zu uns gehört er nicht.
20
Wer wenig Verse weiß, doch nach der Lehre wandelt,
Von Gier und Haß und Wahn in Weisheit frei geworden,
Nicht hier, nicht dort mehr hangt, gehört in unsern Orden.
Appamáda - Ernst und Eifer
21
Unsterblich macht der Ernst; der Leichtsinn führt zum Tod.
Die Ernsten sterben nicht; Leichtsinn'ge sind wie tot.
22
Verständ'ge haben dies erkannt in ernstem Streben;
Mit Ernst genießen sie der Edlen Glückserleben.
23
Wer die Versenkung übt mit Eifer allezeit,
Erreicht Nirvana einst, die höchste Seligkeit.
24
Wer eifrig, achtsam, rein, in guter Tat erprobt
Und nach der Lehre lebt, der Ernste wird gelobt.
25
Mit Ernst und Eifer schafft der Weise, wohl gezähmt,
Für sich ein Eiland, das die Flut nicht überschwemmt.
26
Unwissend Volk gibt sich dem Leichtsinn töricht hin;
Der Weise wahrt den Ernst als köstlichsten Gewinn.
27
Dem Leichtsinn fröhnet nicht, an Liebeslust erfreut!
Wer ernst Versenkung übt, erlangt Glückseligkeit.
28
Gelang es ihm mit Ernst, den Leichtsinn zu besiegen,
So hat der Weise schon der Weisheit Turm bestiegen
Und schaut, selbst ohne Sorg', auf die besorgte Menge,
Als säh' von hohem Berg im Tal er das Gedränge.
29
Bei Leichtgesinnten ernst, wachsam, wo andre faul,
Der Weise schlägt sie, wie das Rennpferd schlägt den Gaul.
30
Durch Ernst kam Indra zu dem höchsten Götter-Adel.
Den Ernsten lobt man stets, den Leichtsinn'gen trifft Tadel
31
Der Ernste sieht den Leichtsinn als gefährlich an,
Die Fesseln brennt er ab und geht des Feuers Bahn.
32
Der ernste Mönch, der die Gefahr des Leichtsinns sah,
Ist sicher vor dem Fall und dem Nirvana nah.
Puppha - Blumen
44
Wer wird die Todeswelt, die Erde überwinden,
Wer wird als Blumenstrauß das Buch der Sprüche (Dhammapada) binden?
45
Ein Kämpfer wird die Welt, die Erde überwinden,
Wie einen Blumenstrauß das Buch der Sprüche binden.
46
Als Schaum erkenn' den Leib, als Luftbild ohne Kern,
Wehr' Máras Pfeile ab, entgeh' dem Todesherrn!
47
Wer, wie man Blumen pflückt, nur an Vergnügen denkt,
Den raubt der Tod, wie Flut ein schlafend Dorf ertränkt.
48
Wer, wie man Blumen pflückt, sich Sinnenlust verschafft,
In Lüsten niemals satt wird er dahingerafft.
49
Die Biene nimmt nur Saft, läßt unverletzt die Blüten;
So soll sich auch der Mönch im Dorf vor Habgier hüten.
50
Der andern Fehler und ihr Tun geht dich nichts an;
Betrachte, was du selbst getan und nicht getan!
51
Der schönen Blume gleich, die keinen Duft ausstrahlt,
Ist schön gesproch'nes Wort, das ohne Tat verhallt.
52
Der schönen Blume gleich, die feinen Duft verbreitet,
Ist schön gesproch'nes Wort, das gute Tat begleitet.
53
Wie man manch schönen Kranz aus vielen Blumen macht,
So sei der Sterbliche auf viel Verdienst bedacht.
54
Jasmin- und Sandelduft geht nicht dem Wind entgegen;
Doch guter Menschen Ruf verbreit't sich allerwegen.
55
Viel fein'rer Duft als der des Weihrauchs und des Sandels,
Des Lotus, des Jasmins ist der des reinen Wandels.
56
Gering nur gilt der Duft des Weihrauchs und des Sandels;
Die Götter lieben mehr den Duft des reinen Wandels.
57
Wer, stets in strenger Zucht, vermöge ernsten Strebens
In Weisheit sich befreit, den sucht der Mar vergebens.
58
Gleichwie ein Lotus, der im Kehrichthaufen sprießt,
Selbst dort noch seinen Duft, den lieblichen, ergießt,
59
So strahlt im Kehrichtpfuhl der blinden Menschenschar
Ein Jünger Gotamas, des voll Erwachten, klar.
Bála - Toren
60
Lang ist dem Wachenden die Nacht, dem Müd'n das Reisen,
Lang der Geburten Lauf den Toren, den unweisen.
61
Triffst du nicht Bess're oder Gleiche, geh allein
Auf deinem Weg; laß dich mit Toren niemals ein!
62
Mit Sorgen spricht der Tor: "Mein Geld und meine Kinder!"
"Sein" ist nicht mal er selbst, doch Kind und Geld noch minder.
63
Ein Tor, der sich als dumm erkennt, ist klug fürwahr;
Hält er sich selbst für klug, bleibt dumm er immerdar.
64
Ein Tor, der lebenslang verkehrt mit einem Weisen,
Schmeckt nichts von Wahrheit, wie der Löffel von den Speisen.
65
Ein Kluger, der nur kurz verkehrt mit einem Weisen
Schmeckt schnell die Wahrheit, wie die Zunge schmeckt die Speisen.
66
Wer, wie sein eig'ner Feind, sich selbst zu schaden sucht,
Der Tor tut böse Tat und erntet bitt're Frucht.
67
Nicht gut ist eine Tat, die dich zur Reue zwingt
Und die, wenn ausgereift, dir Schmerz und Tränen bringt.
68
Gut aber ist die Tat, die niemals du bereust,
An der, wenn ausgereift, du dich mit Recht erfreust.
69
Untat, die noch nicht reif, scheint Toren süß zu sein;
Doch ist sie ausgereift, bringt sie dem Toren Pein.
70
Ob wochenlang ein Tor sich noch so sehr kasteit;
Wer treu der Lehre folgt, der übertrifft ihn weit.
71
Denn Untat setzt sich nicht, wie Milch im Sommer tut;
Sie folgt dem Toren, brennt, wie unter Asche Glut.
72
Sobald der Tor bemerkt, daß sie ihm Unheil bringt,
Zerstört sie, was noch gut, macht, daß sein Kopf zerspringt.
73
Ein Mönch, der, unverdient, im Rat den ersten Rang
Und Ruhm und Ehre sucht, beim Volke Lob und Dank,
74
Der denkt: "Mir sollen Volk und Mönche Achtung zollen,
Gebieten will ich, was sie tun und lassen sollen",
Der Tor, wie ist er doch an Stolz und Dünkel krank!
75
Nirvana ist ein Ziel, ein andres Weltlichkeit.
Den Buddhamönch, der dies verstanden hat, erfreut
Kein Ruhm, er liebt allein Zurückgezogenheit.
Pandita - Der Weise
76
Dem Weisen folg' wie einem Mann, der Schätze findet,
Wenn er dich tadelt und dir deine Fehler kündet;
Mit einem, der dich fördert, bist du dann verbündet.
77
Er unterweise dich und rate dir zum Rechten!
Den Guten ist er lieb und ist verhaßt den Schlechten.
78
Zu Freunden wähle Schlechte nicht, folg' nicht Gemeinen;
Ein Guter sei dein Freund, geselle dich den Reinen!
79
Wer gern die Lehre hört, schläft gut und lebt beglückt.
Vom edlen Buddhawort sind Weise stets entzückt.
80
Der Brunner Wasser führt, die Pfeile biegt der Schmied,
Der Zimm'rer biegt das Holz, der Weise sich erzieht.
81
Wie den soliden Fels der Wind nicht bringt zum Wanken,
So wird der Weise nicht bei Lob und Tadel schwanken.
82
Gleichwie ein tiefer See, ganz rein und ungetrübt,
Bleibt klar der Weise, der sich in der Lehre übt.
83
Entsagend allem, wünscht der Weise nichts, noch klagt er;
Ob Glück, ob Unglück kommt, nicht jubelt noch verzagt er.
84
Wünsch' nicht für dich und andre Kinder, Geld und Macht!
Auf Tugend, Weisheit, Recht sei ohne Trug bedacht!
85
Der Menschen wenige gelangen über's Meer,
Die andern laufen nur am Ufer hin und her.
86
Doch wer der Lehre folgt, der gut erklärten, findet
Hinweg vom Todesreich, das schwer man überwindet,
87
Der Weise flieh' den finstern Weg und streb' zum Lichte,
Hauslos, in Einsamkeit, wo Weltlust wird zunichte,
88
Dort such' er höchstes Glück, abseits von Sinnlichkeit,
Besitzlos läutere er sich von Unreinheit.
89
Wer zum Erwachen hin sein Denken eingerichtet,
Auf rechte Art und gern auf Weltliches verzichtet,
Wer frei von Leidenschaft und jeglichem Verlangen,
Der ist schon in der Welt zum Frieden eingegangen.
Arahata - Heilige
90
Wer angelangt am Ziel, sorglos und ganz befreit,
Wer alle Fesseln brach, für den gibt es kein Leid.
91
Verschmähend Häuslichkeit, zieh'n Achtsame hinaus;
Wie Schwäne aus dem Sumpf, so flieh'n sie Heim und Haus.
92
Wer keine Schätze häuft, andächtig ist beim Essen,
Nach Freiheit strebt, die leer und ungetrübt ist, dessen
Weg ist, wie Vogelflug im Luftraum, nicht zu messen.
93
Wer frei von Leidenschaft und nicht erpicht auf's Essen,
Nach Freiheit strebt, die leer und ungetrübt ist, dessen
Weg ist, wie Vogelflug im Luftraum, nicht zu messen (*f6).
94
Wer seine Sinne, Rossen gleich, im Zaume hält,
Befreit von Stolz und Wunsch, der lacht der Götterwelt,
95
Wer wie die Schwelle fromm, der Erde gleich ergeben
Und wie ein Bergsee klar, der wird nicht nochmals leben.
96
Gedanken sind gestillt, auch Worte und das Handeln
Bei denen, die, befreit in Weisheit, friedsam wandeln.
97
Der ist der höchste Mensch, der nicht am Glauben hängt,
Das Unerschaff'ne kennt und alle Fesseln sprengt,
Den nichts, weil frei von Sucht, zum Wiederdasein drängt.
98
Sei es im Dorf, im Wald, im Tal, auf Bergeshöh'n:
Wo heil'ge Männer sind, ein solcher Ort ist schön.
99
Schön ist Waldeinsamkeit, wo Menschen nicht verkehren;
Daran erfreuen sich, die Weltlust nicht begehren.
Sahassa - Tausend
100
Mehr wert als tausend Worte ohne rechten Sinn
Ist ein sinnvoller Spruch, der führt zum Frieden hin.
101
Mehr wert als tausend Lieder ohne rechten Sinn
Ist ein sinnvolles Lied, das führt zum Frieden hin.
102
Mehr wert als hundert Lieder singen ohne Sinn
Ist uns ein Buddhawort (ein Dhammapada), das führt zum Frieden hin.
103
Nicht wer in Kampf und Schlacht besiegt viel tausend Krieger,
Nur wer sich selbst besiegt, der ist der höchste Sieger.
104
Wer selber sich besiegt, ist allen überlegen;
Denn, wandelt selbstbeherrscht ein solcher allerwegen,
105
So kann kein Gott der Welt, kein Teufel und kein Drachen,
Selbst Brahma kann dann nicht den Sieg zunichte machen.
106
Wenn einer hundert Jahr' im Monat tausend opfert
Und einen Heiligen mit einem Blick nur ehrt,
So hat doch die Verehrung vielmals höhern Wert,
107
Wenn einer hundert Jahr' im Wald dem Feuer opfert
Und einen Heiligen mit einem Blick nur ehrt,
So hat doch die Verehrung vielmals höhern Wert.
108
Was einer opfern mag, um zu Verdienst zu kommen,
Ist nicht ein Viertel wert des Grußes für den Frommen.
109
Wer höflich Alte ehrt, Vorteile hat der vier:
Ein langes Leben, Glück und Kraft und Körperzier.
110
Mehr wert als hundert Jahre ohne Zucht und Streben
Ist ein Tag tugendhaft und in Versenkung leben.
111
Mehr wert als hundert Jahr' in Dumpfheit ohne Streben
Ist ein Tag weisheitsvoll und in Versenkung leben.
112
Mehr wert als hundert Jahr' zu leben faul und schwach,
Ist stark und krafterfüllt zu leben einen Tag.
113
Mehr wert als hundert Jahr' das Auf und Ab nicht sehen,
Ist ein Tag, wenn du schaust das Werden und Vergehen.
114
Mehr wert als hundert Jahr' nichts wissend von Nirvana
Ist ein Tag, den du lebst im Hinblick auf Nirvana.
115
Mehr wert als hundert Jahr' in Blindheit für die Lehre
Ist ein Tag, wenn das Aug' ist offen für die Lehre.
Pápa - Übel-Böses
116
Zum Guten strebe schnell, halt' übles Denken fern!
Wer langsam Gutes tut, verweilt beim Üblen gern
117
Wer einmal Böses tat, soll Wiederholung meiden,
Sich nicht daran erfreu'n; gehäuft bringt Böses Leiden.
118
Wer Gutes hat getan, der tu' es mehr und mehr
Und freue sich daran! Gehäuft beglückt es sehr.
119
Auch Bösen geht es gut, solang' nicht reif die Tat;
Doch ist sie ausgereift, geht auf die böse Saat.
120
Auch Guten geht es schlecht, solang' nicht reif die Tat;
Doch ist sie ausgereift, geht auf die gute Saat.
121
Vom Bösen denk' nicht leicht, daß es nicht kommen soll.
Auch tropfenweise wird ein Eimer schließlich voll.
Mit Bösem füllt der Tor sich an, auch Zoll für Zoll.
122
Vom Guten denk' nicht leicht: Ich kann nicht, was ich soll.
Auch tropfenweise wird ein Eimer schließlich voll.
Erfüllt vom Guten wird der Weise Zoll für Zoll.
123
Das Böse meide, wie, wer leben will, Gift flieht,
Wie auf unsich'rem Weg kein reicher Kaufmann zieht.
124
Wer heile Hände hat, dem tut das Gift nichts an;
Das Böse schadet nicht dem, der es nicht getan.
125
Unrecht, dem angetan, der schuldlos wie ein Kind,
Zum Täter kehrt's zurück, wie Staubwurf gegen Wind.
126
Mancher wird wieder Mensch; Böse zur Hölle gehen,
Gute ins Himmelreich; die Heil'gen ganz verwehen.
127
Nicht in der Luft, im Meer, in Bergeseinsamkeit
Ist ein Ort, wo man sich von böser Tat befreit.
128
Nicht in der Luft, in Bergesschacht, in Meerestiefe
Gibt's einen Ort, wo uns der Tod nicht abberiefe.
Danda - Gewalttat
129
Da alle Schläge scheu'n und vor dem Tode beben,
Bedenk': dir selbst geht's so! Drum schone andrer Leben (*f8)!
130
Da alle Schläge scheu'n und sind des Lebens froh,
Verkürz' ihr Leben nicht! Bedenk': auch dir geht's so!
131
Wer andre Wesen quält, die auch nach Wohlsein streben,
So wie er selbst, der hat kein Glück im nächsten Leben.
132
Wer andre Wesen schont, die auch nach Wohlsein streben,
So wie er selbst, der findet Glück im nächsten Leben.
133
Behandle niemand grob, sonst wird zurückgescholten;
Schimpfworte bringen Leid; sie werden dir vergolten.
134
Wenn du nicht widertönst, zersprung'nem Erz vergleichbar,
Bist im Nirvana schon, dem Streitwort unerreichbar.
135
Die Rinder treibt der Hirt mit Stock zum Weideort;
Das Alter und der Tod treibt so das Leben fort.
136
Ein Tor, der Übles tat, oft ohne es zu merken,
Quält, wie mit Feuerbrand, sich mit den eig'nen Werken.
137
Wer Unschuldige, Reine schädigt mit Gewalt,
Den trifft wohl eine der zehn schlimmen Folgen bald:
138
Er leidet herben Schmerz, Entkräftung bis zum Tod;
Auch schwere Krankheit oder Geistesstörung droht;
139
Der König sucht ihn heim und man verleumdet ihn;
Verwandte sterben und die Habe schwindet hin;
140
Durch eine Feuersbrunst verliert sein Haus der Tor
Und nach dem Tode steht die Hölle ihm bevor.
141
Nicht Nacktheit, Fasten, Schmutz, noch sonstiges Kastei'n
Macht den in Sinnenlust befang'nen Menschen rein.
142
Wer ruhig, selbstbeherrscht, gleichmütig, gütig, rein,
Mag auch in gutem Kleid ein rechter Bhikkhu sein.
143
Ist wohl ein Mensch so sehr empfindlich gegen Rügen,
Wie edle Rosse sind, die Peitschen nicht ertrügen?
144
Wie ein vom Peitschenhieb getroff'nes edles Roß
Seid eifrig, züchtig, stark, im rechten Wissen groß,
Gesammelt, andachtsvoll, macht euch vom Leiden los!
145
Der Brunner Wasser führt, die Pfeile biegt der Schmied,
Der Zimm'rer biegt das Holz, der Fromme sich erzieht.
Jará - Altern
146
Könnt ihr, wenn's immer brennt, noch fröhlich sein und lachen?
Wollt in der Finsternis ihr nicht ein Licht entfachen?
147
Schau diese Puppe an, bemalt, doch siech inwendig,
Die vieles wünscht und plant, ist krank und unbeständig
148
Der abgenutzte Leib ist siech, ein Krankheitsnest,
Ein Unratshaufen nur, der nach dem Tod verwest.
149
Ist's ein Vergnügen wohl, die morschen, taubengrauen
Gebeine, billig wie der Kohl im Herbst, zu schauen?
150
Aus Knochen ist die Stadt, die Fleisch und Blut verkleben,
Wo Alter, Tod, Betrug und Stolz als Bürger leben.
151
Prunkwagen altern auch, und unser Leib muß schwinden;
Die Lehre altert nicht, weil Gute sie verkünden.
152
Ein Mensch, der nichts gelernt hat, altert wie ein Rind;
Es wächst sein Fleisch, wobei sein Wissen nicht gewinnt.
153
Vergebens mußte ich durch viele Leben wandern;
Den Bauherrn suchte ich; ein Leiden kam zum andern.
154
Jetzt, Bauherr, seh' ich dich! Das Bau'n ist dir verwehrt,
Die Balken sind dahin, der Dachstuhl ist zerstört,
Mein Denken ist jetzt frei; der Drang hat aufgehört.
155
Wer Reinheitswandel mied und sparte keinen Dreier,
Stirbt wie am ausgefischten Teich ein alter Reiher.
156
Wer jung kein Geld erwarb und übte keine Tugend,
Liegt wie ein alter Bogen und beweint die Jugend.
Atta - Sich Selbst
157
Der Weise nehme sich, wenn er sich schätzt, in acht,
Er halte stets sich wach im dritten Teil der Nacht!
158
Der Weise mach' zuerst sein eig'nes Leben recht,
Dann mag er andre lehr'n; so handelt er nicht schlecht.
159
Bevor du anderen darfst gute Lehren geben,
Mußt du dich selbst erzieh'n. Vorbildlich sei dein Leben!
160
Sei selbst dein eig'ner Herr! Wer könnte sonst dich schützen?
Nur wer sich selbst beherrscht, wird sichern Schutz besitzen.
161
Die eig'ne Missetat, die er erdacht, geplant,
Zermalmt den Toren, wie das Glas der Diamant.
162
Der Sittenlose gleicht dem Baume, den umrankt
Ein Schlinggewächs; macht selbst sich, wie's sein Feind verlangt.
163
Leicht tun wir Böses, das uns selbst Verderben bringt;
Doch lobenswerte Tat nur äußerst schwer gelingt.
164
Ein Tor, der schmäht, weil er zu schlechter Lehre neigt,
Auf edle Heilige und ihre Lehr', der gleicht
Dem Schilfrohr, dem die Frucht zum eig'nen Tod gereicht.
165
Wer selber Unrecht tut, beschmutzt sich selbst allein;
Wer sich vor Unrecht scheut, der schmückt sich selber fein.
Ihr selbst, kein andrer, macht euch unrein oder rein.
166
Gib nicht dein eig'nes Heil der andern wegen hin;
Hast du dein Heil erkannt, behalt es stets im Sinn!
Loka - Welt
167
Vermeide Niedrigkeit und Lässigkeit im Leben,
Irrlehren flieh' und sei der Weltlust nicht ergeben!
168
Steh' auf und sei nicht faul und lebe fromm und recht!
Hier und in jener Welt geht es dir dann nicht schlecht.
169
In Tugend übe dich, sei niemals ungerecht!
Hier und in jener Welt geht es dir dann nicht schlecht.
170
Als Wasserblase schau sie an, als Truggesicht,
Die Welt; dann findet dich der Fürst des Todes nicht.
171
Kommt, seht, die Welt ist wie des Königs Prachtgespann,
Und Narren sitzen drin; den Klugen geht's nichts an.
172
Wer früher träge war und dann sich tüchtig macht,
Der leuchtet wie der Mond in wolkenheller Nacht.
173
Wer alte Übeltat durch Guttat ausgeglichen,
Der leuchtet wie der Mond, wenn Wolken sind gewichen.
174
Die Welt ist blind; der Seh'nden, die zum Himmel ziehen,
Sind wenig wie der Vögel, die dem Netz entfliehen.
175
Der Schwäne Schar mit Wunderkraft zum Himmel fliegt;
Die Weisen flieh'n die Welt, wenn Máras Heer besiegt.
176
Wer einmal Unrecht tat und lügt und sich nicht scheut
Vor jener Welt, der ist zu Bösem stets bereit.
177
Der dumme Geizhals wird zur Götterwelt nicht kommen;
Im Jenseits geht es gut den opferwill'gen Frommen.
178
Mehr wert als irdischer und himmlischer Besitz,
Als alle Weltherrschaft, ist Frucht des Stromeintritt (sotapatti).
Buddha - Die Erwachten
179
Wer kann den nie besiegten Sieger überwinden,
Wer den ungreifbar-grenzenlosen Buddha finden?
180
Den Buddha, den des Dranges Netz und Gift nicht binden,
Wer kann ihn, den Ungreifbar-Grenzenlosen, finden?
181
Der die Versenkung liebt, den Ruh' und Frieden freut,
Der voll Erwachte, er erregt der Götter Neid.
182
Nur schwer wirst du ein Mensch, schwer lernst du rechte Lehr',
Schwer ist das Leben; daß ein Buddha kommt, ist schwer.
183
Kein Unrecht tun und immer nach dem Guten trachten,
Sein Denken reinigen: dies lehren die Erwachten.
184
Nirwana ist das Ziel, Geduld die höchste Pflicht;
Wer andern Leid zufügt, ist Buddhas Jünger nicht.
185
In Wort und Tat nicht grob! Die Regeln streng beachten!
Beim Essen Mäßigkeit! Stets nach Alleinsein trachten!
Und höchste Geisteszucht: dies lehren die Erwachten.
186
Ein Lüstling wird nicht satt, wenn Gold vom Himmel fällt.
Ein Kluger weiß: die Lust ist kurz, voll Leid die Welt.
187
Den Buddhajünger reizen keine Himmelswonnen;
Weit Bess'res freut ihn, denn er ist dem Drang entronnen.
188
Von Furcht getrieben, suchen manche Zuflucht bald
Bei heil'gen Bäumen, bald auf Bergen, bald im Wald;
189
Doch solche Zuflucht gibt nicht höchste Sicherheit;
Dort werden sie ja nicht von allem Leid befreit.
190
Nur wer die Zuflucht sucht bei Buddha, bei der Lehre
Und bei der Jüngerschaft, die Wahrheit schaut, die hehre,
191
Vom Leiden, wie's entsteht und wie das Leiden schwindet,
Und vom achtfachen Weg, wie man es überwindet,
192
Der hat die beste Zuflucht, höchste Sicherheit,
Denn so wird er gewiß von allem Leid befreit.
193
Ein Übermensch erscheint nicht oft, nicht allerwegen;
Wo er geboren wird, auf dem Haus ruht ein Segen.
194
Beglückend ist es, wenn ein Buddha kommt und lehrt
Und wenn die Jüngerschaft in Eintracht sich bewährt.
195
Kein höheres Verdienst gibt es in diesem Leben,
Als der erwirbt, der ehrfurchtsvoll und hingegeben
196
Den Buddha oder seine heil'gen Jünger ehrt,
Die ohne Furcht das Meer der Übel überquert.
Sukha - Glück
197
Den Haß nicht zu erwidern, das ist unser Glück;
Und hassen andre uns, wir hassen nicht zurück.
198
Welch Glück! Von allem Leid der Welt sind wir befreit;
Voll Leiden ist die Welt, doch wir sind ohne Leid.
199
In gierverzehrter Welt, wie glücklich leben wir!
Wenn andre gierig sind, sind wir doch frei von Gier.
200
Wie glücklich leben wir! Denn hier gehört uns nichts;
Wir nehmen Freud' als Brot, wie Gottheiten des Lichts.
201
Aus Sieg kommt Haß, denn der Besiegte ist bedrückt;
Wer friedsam auf den Sieg verzichtet, lebt beglückt.
202
Kein Feuer brennt wie Gier, wie Haß kein Mißgeschick,
Den Daseinsfaktoren (khandha) gleicht kein Leid, der sel'gen Ruh' kein Glück.
203
Hunger ist schlimmste Qual, unbeherrschte Triebe größtes Leid;
Dem Weisen ist Nirvana höchste Seligkeit.
204
Gesundheit ist das größte Gut, Zufriedenheit
Der beste Schatz, Nirvana höchste Seligkeit.
205
Wem Einsamkeit gefällt, wer Ruhe sich verschafft,
Ist frei von Furcht und Schuld, ihm schmeckt der Lehre Saft.
206
Wer viel mit Edlen verkehrt, ist reich gesegnet;
Und immer glücklich lebt, wer Toren nie begegnet.
207
Verkehr mit Toren schafft dir Kummer allerwegen;
Die Toren sind wie Feinde im Verkehr; dagegen
Sollst du mit Weisen wie mit Freunden Umgang pflegen.
208
Drum folg dem Weisen nach, dem Tugendhaften, Graden,
Dem Edlen folge wie der Mond den Sternenpfaden!
Piya - Angenehm
209
Wer ohne Andacht lebt, nur nach Vergnügen trachtet,
Beneidet Fromme noch, weil er sein Heil verachtet.
210
Frag' nie, was dir behagt und was dir nicht behagt!
Es schmerzt, wenn jenes fehlt und dieses nur dich plagt.
211
Drum wünsche nichts für dich der, denn schlimm ist der Verlust.
Von Fesseln frei, wem's gleich, ob Unlust oder Lust.
212
Aus Angenehmem kommt dir Sorge nur und Furcht;
Wer sich davon befreit kennt Sorge nicht noch Furcht.
213
Aus Zuneigung erwächst dir Sorge nur und Furcht;
Wer sich davon befreit, kennt Sorge nicht noch Furcht.
214
Vergnügungssucht verschafft dir Sorge nur und Furcht;
Wer sich davon befreit, kennt Sorge nicht noch Furcht.
215
Aus Sinnenlust erwächst dir Sorge nur und Furcht;
Wer sich davon befreit, kennt Sorge nicht noch Furcht.
216
Aus Lebensdrang erwächst dir Sorge nur und Furcht;
Wer sich davon befreit, kennt Sorge nicht noch Furcht.
217
Den frommen, ehrlichen, gerechten, weisen Herrn,
Der seine Pflicht erfüllt, den seh'n die Leute gern.
218
Wer nach dem Unnennbaren (nibbána) strebt, ganz voll das Herz,
Den Lüsten abgewandt, der geht - heißt's - stromaufwärts.
219
Der Mann, der heimgekehrt von langer, weiter Reise,
Wird freudig gern begrüßt in der Verwandten Kreise;
220
So grüßt die gute Tat den frommen Mann, der ging,
Im nächsten Leben, wie ein Freund den Ankömmling.
Kodha - Zorn und Ärgernis
221
Den Zorn gib auf, den Stolz! Lös' dich von allen Banden!
Wo man nichts wünscht, nichts' hat, da ist kein Leid vorhanden.
222
Wer Zorn hält auf wie ein Gespann, das eilig fuhr,
Den nenn' ich Lenker; Zügelhalter sind die andern nur.
223
Den Zorn durch Nachsicht, Bosheit durch Verzeih'n besiege,
Durch Gebelust den Geiz, durch Wahrheitswort die Lüge!
224
Sprich wahr und zürne nicht! Und bist du auch nicht reich,
Gib doch dem Bittenden! So wirst du Göttern gleich.
225
Die Weisen, selbstbeherrscht, die niemand Unrecht tun,
Sie geh'n zum Frieden ein, wo alle Sorgen ruh'n.
226
Den immer Wachsamen, die ringen allezeit
Und auf Nirvana schau'n, vergeht die Weltlichkeit.
227
Es ist ein altes Lied, kein neueres Gedicht:
Man tadelt den, der schweigt, und den, der gern viel spricht,
Auch den, der wenig sagt; an Tadel fehlt es nicht.
228
Daß einer nur getadelt oder allgemein
Gelobt wird, war noch nie, ist nicht und wird nicht sein.
229
Doch wer darf tadeln ihn, den alle Klugen preisen,
Die täglich ihn geprüft, den geistesklaren Weisen,
230
Ihn, der im Wandel sich wie reinstes Gold bewährt,
Den alle Götter loben, den auch Brahma ehrt?
231
Beim Körper sei vor Zornestaten auf der Hut,
Sei selbstbeherrscht und zügle deinen Körper gut!
232
Beim Reden sei vor Zornesworten auf der Hut,
Sei selbstbeherrscht und zügle deine Zunge gut!
233
Beim Denken sei vor Zorngedanken auf der Hut,
Sei selbstbeherrscht und zügle die Gedanken gut!
234
In Taten, Worten und Gedanken sind die Weisen
Gemäßigt, und als selbstbeherrscht sind sie zu preisen.
Mala - Unreinheit
235
Jetzt bist du wie ein welkes Blatt, der Tod ist nah,
Mußt fort von hier, und Reisezehrung ist nicht da;
236
Schnell rette dich, sei klug, wirf ab die Unreinheit
Und streng' dich an! So winkt dir Himmelsherrlichkeit.
237
Dein Leben geht zu Ende und der Tod ist nah;
Kein Zögern gibt's, und Reisezehrung ist nicht da.
238
Schnell rette dich, sei klug, wirf ab den Unrat bald!
So wirst nicht neu geboren, wirst nicht wieder alt.
239
Der Weise mach' sich rein, allmählich, Schritt für Schritt,
Gleichwie das Silber läutern muß der Silberschmied.
240
Gleichwie des Eisens eig'ner Rost zerfrißt das Eisen,
So läßt den Frevler eig'nes Tun zur Hölle reisen.
241
Es rosten: Sprüche, nicht geübt; verwahrlost - Sachen;
Die Schönheit, nicht gepflegt, und Wächter, die nicht wachen.
242
Der Weiber Schmutz ist Unkeuschheit, der Geber Geiz;
Schmutz sind die Übel hier und dort und beiderseits,
243
Der schlimmste Schmutz jedoch, das ist Unwissenheit;
Habt ihr sie abgelegt, seid ihr von Schmutz befreit.
244
Wer frech, an Unverschämtheit einer Krähe gleicht,
Sich vordrängt und beschmutzt, der macht sich's Leben leicht.
245
Doch schwierig ist's, im Leben stets bescheiden, rein,
An nichts mehr hangend, abgeklärt und weise sein.
246
Wer Lebendes zerstört und Lügenworte spricht,
Wer Nichtgegeb'nes nimmt und andrer Ehe bricht,
247
Und auch wer sich berauscht, dem Trunke sich ergab,
Der gräbt in dieser Welt sich selbst die Wurzel ab.
248
Erkenne, Mensch, wie Schlimmes folgt aus Lässigkeit;
Daß Gier und Unrecht dir nicht Leid bring' lange Zeit!
249
Die Leute spenden je nach Gunst, nach Gläubigkeit.
Wer drum auf andrer Trank und Speise blickt mit Neid,
Dem fehlt zur Sammlung Tag und Nacht die Innigkeit.
250
Wer aber solchem Neid durchaus ein Ende macht,
Dem fällt Versenkung leicht bei Tage und bei Nacht.
251
Kein Feuer gleicht der Gier, kein Haifisch gleicht dem Hasse,
Kein Netz dem Wahn; dem Drang gleicht keine Wasserstraße.
252
Man sieht die eig'ne Schuld nur schwer, die fremde gern;
Die sucht man schlau heraus, wie aus der Spreu den Kern;
Die eig'ne deckt man zu, wie es zu machen pflegt
Der Spieler, der auf schlechten Wurf die Hand auflegt.
253
Wer andrer Fehler sucht und sich beleidigt fühlt,
Dem wächst die Leidenschaft; nicht leicht wird sie gekühlt.
254
Im Luftraum ist kein Halt; Bhikkhus gibt's nur im Orden;
Zerstreuung liebt die Welt; Buddhas sind still geworden.
255
Im Luftraum ist kein Halt; Bhikkhus gibt's nur im Orden;
Gebilde dauern nicht; Buddhas sind fest geworden.
Dhammattha - Gerechte
256
Gerecht ist nicht, wer seinen Vorteil sucht mit Macht;
Der Kluge aber, auf Gerechtigkeit bedacht,
257
Der unparteiisch andrer Streit zu Ende führt,
Der ist es, dem das Ruhmeswort "gerecht" gebührt.
258
Nicht der ist klug, der reden kann mehr als genug;
Wer furchtlos, friedvoll und versöhnlich ist, heißt klug.
259
Gerecht ist der nicht, den gelehrt man reden hört;
Wer aber durch die Tat, auch wenn er nicht gelehrt,
Sich als gerecht erweist, der ist des Lobes wert.
260
Ein Thera (*) heißt man nicht, nur weil das Haar gebleicht;
Das Alter hat man wohl, doch hat man nichts erreicht.
(*ein buddhistischer Ordensälterer)
261
Wer selbstbeherrscht und wahr, gerecht, mitfühlend, rein,
Der mag als weise gelten, mag ein Thera sein.
262
Beredsamkeit und Schönheit machen den nicht gut,
Der neidisch, geizig ist und Frevelhaftes tut.
263
Wer aber dieses Laster gründlich abgetan
Und keinen Haß mehr hegt, der heißt ein guter Mann.
264
Ein frecher Lügner wird durch Ha*****ur Bhikkhu schwerlich;
Wie könnte einer Bhikkhu sein, der noch begehrlich?
265
Wer aber alle bösen Wünsche überwand,
Der wird mit Recht ein Weltentsagender genannt.
266
Ein Bhikkhu ist nicht, wer sich nährt von Bettelspeisen;
Nur wer ganz nach der Lehre lebt, mag, Bhikkhu heißen.
267
Wer Gut und Schlecht durch reinen Wandel überwand
Und mit Verständnis lebt, wird Buddha-Mönch genannt.
268
Ein Ungelehrter, der den Mund geschlossen hält,
Ist noch kein Weiser; wer jedoch das Gute wählt,
269
Das Böse wägend meidet, kann als Weiser gelten.
Weiser gilt uns, wer erkannt hat beide Welten.
270
Der ist kein Weiser, wer lebend'ge Wesen quält;
Wer alles Leben schont, wird Edlen zugezählt.
271
Nicht durch die strengste Zucht, nicht durch Gelehrsamkeit,
Nicht durch Versenkung und Zurückgezogenheit
272
Find' ich Entsagungsglück, das Weltlinge nicht kennen.
Du bist noch nicht am Ziel, solange Wünsche brennen.
Magga - Der Pfad
273
Die besten sind: der Achtpfad (magga) und die Vierwahrheit (sacca),
Der wissensklare Mensch und die Wunschlosigkeit.
274
Zur klaren Einsicht führt nur dieser Weg allein;
Drum wandert ihn! Die Welt ist trügerischer Schein.
275
Der Weg führt euch dahin, wo alles Leiden schwindet;
Als ich die Rettung fand, hab' ich ihn euch verkündet.
276
Den Weg geh'n müßt ihr selbst, ein Buddha zeigt ihn bloß;
Vertieft ihr euch und ringt, kommt ihr von Mára los.
277
"Kein Ding bleibt immer gleich", wer's eingesehen hat,
Kehrt sich vom Leiden ab. Dies ist der Reinheitspfad.
278
"Kein Ding befriedigt ganz", wer's eingesehen hat,
Kehrt sich von Leiden ab. Dies ist der Reinheitspfad.
279
Und "kein Ding ist mein Ich", wer's eingesehen hat,
Kehrt sich vom Leiden ab. Dies ist der Reinheitspfad.
280
Wer früh sich nicht erhebt, die Jugendkraft läßt schwinden,
Kann, denk- und willensschwach, den Weisheitsweg nicht finden.
281
Wer alles Schlechte flieht in Denken, Worten, Taten,
Dem kann, auf reinem Pfad, der Buddha-Weg geraten.
282
Zum Wissen braucht man Fleiß; durch Faulheit schwindet's hin;
Drum laßt am Kreuzweg von Verlust und von Gewinn
Uns in der Richtung auf vermehrtes Wissen zieh'n!
283
Gefährlich ist der Wald der Lüste; fällt den Wald,
Nicht einen Baum allein! Dann kommt Nirvana bald.
284
Solang' im Mann die Lust am Weib nicht kommt zur Ruh',
Hangt er am Weibe noch, wie's Kälbchen an der Kuh.
285
Wie Lotus schneidet ab die Eigenliebe, steigt
Den Friedenspfad hinauf zum Heil, das Buddha zeigt!
286
"Im Winter weil' ich hier und dort zur Sommerszeit";
Wer so denkt, der vergißt, daß ihn der Tod bedräut.
287
Wer all' sein Denken auf Besitz und Kinder lenkt,
Den holt der Tod, wie Flut ein schlafend' Dorf ertrinkt.
288
Nicht Söhne helfen dir, nicht Vater und nicht Vetter,
Wenn dich der Tod ergreift; dann gibt es keinen Retter.
289
Wer, klug und tugendhaft, den Sinn hiervon versteht,
Macht schnell sich auf den Weg, der zum Nirvana geht.
Pakinnaka - Vermischtes
290
Wenn bei Verzicht auf minderes Glück sich großes zeigt,
Gibt für das große Glück der Weise minderes leicht.
291
Wer eig'nes Glück erstrebt auf Kosten fremder Leiden,
Der ist in Haß verstrickt, kann Feindschaft nicht vermeiden.
292
Die Pflicht wird nicht erfüllt, man tut, was sich nicht schickt;
So wird man immer mehr in Leidenschaft verstrickt.
293
Wer Einsicht in den Körper eifrig sich verschafft,
Das Schlechte flieht und sich betätigt tugendhaft,
Der, achtsam, wissensklar, wird frei von Leidenschaft.
294
Die Eltern und zwei Fürsten und im Reiche noch
Das Volk erschlägt der Weise und bleibt schuldlos doch.
295
Die Eltern und zwei Fürsten und den Tigergleichen
Erschlägt er, ohne doch vom Guten abzuweichen.
296
Die Jünger Gotamas sind wahrlich recht erwacht,
Des Buddha eingedenk bei Tage und bei Nacht.
297 Die Jünger Gotamas sind wahrlich recht erwacht,
Des Dhamma (Buddhalehre) eingedenk bei Tage und bei Nacht.
298
Die Jünger Gotamas sind wahrlich recht erwacht,
Des Sangha (Bhikkhu-Orden) eingedenk bei Tage und bei Nacht.
299
Die Jünger Gotamas sind wahrlich recht erwacht,
Des Körpers eingedenk bei Tage und bei Nacht.
(Betrachtung über Entstehen und Vergehen des Körpers)
300
Die Jünger Gotamas sind wahrlich recht erwacht,
Gewalttat meidend freu'n sie sich bei Tag und Nacht.
301
Die Jünger Gotamas sind wahrlich recht erwacht,
Der Andacht freu'n sie sich bei Tage und bei Nacht.
302
Ein Mönch wird man nicht leicht; im Haus ist's auch beschwerlich;
Oft stört die Nachb*****aft; das Wandern ist gefährlich;
Drum wandre nicht und streb' nach Freiheit unaufhörlich!
303
Vertrauenswürdig, tugendhaft, berühmt und reich -
Wer so ist, wird geehrt in jedem Lande gleich.
304
Die Guten leuchten weit, wie Hochgebirges Pracht;
Die Schlechten sieht man nicht, wie Pfeile in der Nacht.
305
Allein mußt essen, wohnen, wandeln und allein
Dich selbst erzieh'n; so wirst du wunschlos glücklich sein.
Niraya - Hölle
306
Wer falsches Zeugnis gibt, wer, was er tat, verneint,
Zur Hölle beide geh'n, durch gleiche Schuld vereint.
307
Unwürd'ge, Schlechte gibt's genug im gelben Kleid;
Aus ihrer Missetat wächst ihnen Höllenleid.
308
Viel besser zu verschlingen feurig glüh'ndes Eisen,
Als daß ein Taugenichts lebt von geschenkten Speisen.
309
Vier Früchte bringt die Tat dem Ehebrecher ein:
Mißachtung, schlechten Schlaf, Verruf und Höllenpein;
310
Mißachtung, Höllenqual, in Ängsten kurze Freuden
Und schwere Strafen; drum ist Ehebruch zu meiden.
311
Wie sich die Hand verletzt, die Riedgras falsch ergreift,
So bringt zur Hölle sich ein Bhikkhu, der ausschweift.
312
Ein lockerer Lebenswandel, mangelhafte Zucht
Und Unbeständigkeit trägt keine gute Frucht.
313
Wenn eine Pflicht dich ruft, erfüll' sie treu und redlich!
Ein sittenloser Mönch wirkt auf die Umwelt schädlich.
314
Laß Schlechtes ungetan, weil sonst die Reue brennt;
Das Gute aber tu', das keine Reue kennt.
315
Wie man die Grenzstadt hüten muß von allen Seiten,
So hüte du dich selbst und handle recht beizeiten!
Denn wer die Zeit verpaßt, muß Höllenqualen leiden.
316
Wer falscher Lehre folgt, sich schämt, wo nichts zu schämen,
Und schamlos frevelt, muß den Weg zur Hölle nehmen.
317
Wer, falsch belehrt, nicht scheut die wirklichen Gefahren
Und Furcht hat ohne Grund, der muß zur Hölle fahren.
318
Wer Unschuld niedrig schätzt, Vergeh'n für rühmlich hält
Und falscher Lehre folgt, der kommt zur Höllenwelt.
319
Wer rechter Lehre folgt und wohl kann unterscheiden,
Was gut, was böse ist, dem winken Himmelsfreuden.
Nága - Der Elefant
320
Geduldig wie der Elefant im Kampfgedränge
Ertrag' ich Kränkungen der sittenlosen Menge.
321
Der zahme Elefant ist standhaft in den Schlachten;
Der wohl erzog'ne Mensch wird Kränkung nicht beachten.
322
Wertvoll sind Elefant, Maultier und edles Pferd,
Jedoch ein Mensch, der sich beherrscht, hat höhern Wert.
323
Mit jenen kommst du nicht ins unbetret'ne Land (nibbána),
Den Selbstbeherrschten nur ist hier der Weg bekannt.
324
Der große Elefant in Brunstzeit ist unbändig,
Gefesselt frißt er nicht, denkt an den Wald beständig.
325
Ein Schwelger, der sich faul im Bett wälzt gleich den Schweinen,
Den fetten, muß noch oft in dieser Welt erscheinen.
326
Einst schweift' mein Denken ab nach Sinnenlust und Glück;
Wie einen brünst'gen Stier (wörtl.: Elefant) halt' ich es jetzt zurück.
327
Seid ernst, bewacht das Denken, reinigt das Gemüt,
Gleichwie der Elefant sich aus dem Sumpfe zieht.
328
Triffst einen klugen Freund du, einen tücht'gen Mann,
Gefahren zu besteh'n, dem schließe froh dich an!
329
Sonst geh' getrost allein, wie ein aus seinem Land
Verbannter Fürst und wie im Wald der Elefant.
330
Gleichwie der Elefant im Walde, geh' allein
Und wünsche wenig, hab' mit Toren nichts gemein!
331
Wohl dem, der in der Not auf Freunde rechnen kann,
Der stets zufrieden ist und gutes Werk getan,
Das ihn beim Sterben freut, und den kein Leid ficht an!
332
Wohl dem, der liebevoll die alten Eltern ehrt
Und Ehrfurcht Heiligen erweist, wie sich's gehört!
333
Wohl dem, der tugendhaft bis in sein Alter, fest
Vertraut und weise ist und Schlechtes unterläßt!
Tanhá - Der Drang
334
Dem Trägen wächst der Drang wie Schlinggewächs; in Süchten
Springt ruh'los er umher, gleichwie der Aff' nach Früchten.
335
Wen dieser scharfe Drang, der giftige, erfaßt,
Wie Unkraut wuchernd, wächst ihm Leid und Sorgenlast.
336
Doch wer den bösen Drang in sich gemeistert hat,
Dem rinnt die Sorge ab, wie Tau vom Lotusblatt.
337
Ich rat' euch, die ihr steht vor meinem Angesicht:
Wie Unkraut rodet aus den Lebensdrang, daß nicht
Der Tod euch wieder, wie der Strom das Schilfrohr, bricht!
338
Gefällter Baum wächst nach, wenn noch die Wurzel lebt;
Solang' noch Drang besteht, das Leid sich neu erhebt.
339
Wo noch die sechsunddreißigfache Gier vorhanden,
Den Toren macht die Flut der Leidenschaft zuschanden.
340
Die Ströme fließen überall, das Unkraut sprießt;
Die Wurzel grab ihm ab mit Weisheit, wo du's siehst!
341
Wer nur Vergnügen sucht und giert nach Sinnesfreuden,
Muß immer wieder durch Geburt und Sterben leiden.
342
Vom Drang befall'ne Wesen müssen lange Zeit,
Wie Hasen in der Schlinge, dulden schweres Leid.
343
Der Drang bringt Leid; drum soll der Bhikkhu ihn vertreiben,
Wünscht er von Leidenschaft für immer frei zu bleiben.
344
Wer, obwohl frei von Lust, nach Lust doch wieder schmachtet,
Gleich dem Befreiten, der nach Ketten wieder trachtet.
345
Viel stärk're Fesseln als der Strick, der Block, das Eisen
Sind Sorgen um Besitz, um Weib und Kind dem Weisen;
346
Sie sind zwar biegsam, doch man bricht sie schwer entzwei.
Wer sie zerbrach, der ist, als Mönch, von Wünschen frei.
347
Wer schwimmt im Strom der Lust, der hält sich gleich den Spinnen
Im Netz; doch wer's zerreißt, wird allem Leid entrinnen.
348
Gib auf, was war, was ist, was kommt, gib alles her!
Bist du allseitig frei, gibt's keine Wiederkehr.
349
Wer schönheitstrunken nur der Lust sich überläßt,
Dem wächst der Lebensdrang, die Fesseln werden fest.
350
Wer klaren Geistes übt, das Unschöne zu schauen,
Wird Máras Fesseln einst, vom Drang befreit, zerhauen.
351
Er ist ans Ziel gelangt, befreit von Drang und Schwächen;
Im letzten Leib konnt' er des Lebens Dornen brechen.
352
Wer allen Drang besiegt, die Wünsche all' verbannt,
Wem Buddhas Worte und ihr Sinn sind wohl bekannt,
Der trägt den letzten Leib, wird weisheitsgroß genannt.
353
Besiegt ist alles, selbst erkannt, ganz bin ich rein,
Entsagend, dranglos, frei; wer könnt' mein Lehrer sein?
354
Die Lehre ist die beste aller Gaben,
Sie wird am allerköstlichsten dich laben.
Die Lehre ist die höchste aller Freuden;
Die Weltabkehr vernichtet alle Leiden.
355
Reichtum verdirbt den Mann, der nicht ans Jenseits denkt,
Weil, danach dürstend, er sich selbst, wie andre, kränkt.
356
Unkraut verdirbt das Feld, den Menschen das Begehren;
Wer Gierlose beschenkt, wird seine Früchte mehren.
357
Unkraut verdirbt das Feld, den Mann verdirbt das Hassen;
Geschenk an Friedliche wird Früchte wachsen lassen.
358
Unkraut verdirbt das Feld, den Menschen die Verblendung;
Doch, Weisen dargebracht, trägt reiche Frucht die Spendung.
359
Unkraut verdirbt das Feld, den Mann das Wunschverlangen;
Wer Wunschlose beschenkt, wird reiche Frucht empfangen.
Bhikkhu - Bhikkhu
360
Gut ist es, Auge, Ohr und Nase zu bewachen
Und auch die Zunge, daß sie uns nicht lüstern machen.
361
Beim Wort und bei der Tat, da gilt es wachsam sein;
Wachsam beim Denken auch, sei wachsam allgemein!
Ein Mönch, der wachsam ist, wird sich von Leid befrei'n.
362
Ein rechter Mönch nimmt Hand und Fuß und Wort' in acht,
Zufrieden, einsam, froh, auf Geisteszucht bedacht.
363
Gar lieblich spricht ein Mönch mit wohl beherrschtem Mund,
Macht er mit Maß und klug die Lehre lichtvoll kund.
364
Ein Mönch, der Lehre froh, der nachsinnt über sie
Und sich ihr widmet viel, abtrünnig wird der nie.
365
Begnüg' dich, Mönch, mit dem, was man dir gibt, und sieh
Auf andre nicht mit Neid, sonst find'st du Sammlung nie.
366
Wirst du auch knapp versorgt, sei drum nicht mißgestimmt!
Die Götter loben den, der stets sich rein benimmt.
367
Wer den beseelten Leib nicht als sein Ich betrachtet,
Um Nicht'ges sich nicht sorgt, der wird als Mönch geachtet.
368
Ein Mönch, der Güte pflegt, vertraut mit Buddhas Wort,
Der findet Ruh' und Glück, gelangt zum Friedenshort.
369
Schöpf' aus das Schiff, o Mönch, dann fährt es schnell und leicht;
Sind Gier und Haß getilgt, dann ist Nirvan' erreicht.
370
Zerbrich die fünf (samyojana 1-5),
laß ab von fünf (samyojana 6-10),
fünf (bala) mußt du nähren;
Wer die fünf Bänder (khandha) löst, der kann die Flut durchqueren.
371
Versenk' dich, Mönch, sei achtsam, laß dich nicht zerstreuen,
Daß du nicht glühend' Eisen schlucken mußt und schreien!
372
Wie Jhána Weisheit braucht, so braucht die Weisheit Jhána;
Wenn beides sich vereint, dann ist nicht weit Nirvana.
373
Ein Mönch, gedankenstill, einsam in leerer Zelle,
Ist übermenschlich froh; ihm scheint die Lehre helle;
374
Sieht bei den Gruppen er das Werden und Vergehen,
Erlangt er Freud' und Glück und wird Nirvana sehen.
375
Auf diese Weise soll ein weiser Mönch beginnen:
Er sei genügsam, züchtig, mit bewachten Sinnen;
Zu Freunden mag er Reine, Tüchtige gewinnen;
376
Er sei stets liebevoll, im Wandel tadellos;
So endet alles Leid, und seine Freud' ist groß.
377
Wie der Jasmin wirft ab verwelkte Blütenzier,
So werfe ab der Mönch die Feindschaft und die Gier!
378
Befriedet heißt ein Mönch, der ruhig handelt, spricht
Und denkt, gesammelt ist, auf Weltlust nicht erpicht.
379
Erforsche dich, o Mönch, und halte dich zurück,
Besonnen, selbstbeherrscht! So lebst du stets im Glück.
380
Du bist dein eig'ner Herr, drum zügle selbst dich gut,
Wie mit dem edlen Roß ein kluger Händler tut.
381
Mit Freuden kommt der Mönch, vom Buddhawort erfüllt,
Beglückt zum Friedenshort; die Triebe sind gestillt.
382
Ein Mönch, wenn auch noch jung, dem Buddhawort geweiht,
Der leuchtet wie der Mond, von Wolkendunst befreit.
Bráhma - Der Brahmane
383
Strom halt' tapfer auf, wirf weg die Lust, Brahmane,
Sieh alles, wie's vergeht, und schaue das Nirvana!
384
Bist du ans Ziel gelangt, Brahmane, zwiefach gehend,
Dann fallen von dir ab die Fesseln; du wirst sehend.
385
Geht ihn das Diesseits und das Jenseits nichts mehr an,
Von Furcht und Fesseln frei, der ist ein heil'ger Mann.
386
Wer wunschlos sich versenkt und seine Pflicht getan,
Von Fesseln frei, am Ziel, der ist ein heil'ger Mann.
387
Die Sonne glänzt am Tag, der Mond glänzt in der Nacht,
Der Weise, wenn versenkt, der Held in Waffenpracht;
Doch Tag und Nacht erglänzt des Buddhas Geistesmacht.
388
Brahmane heißt: vom Übel frei; ein Samana (Asket, Mönch):
Der ruhig geht; vom Schmutz erlöst: Pabbájita (*).
(*Weltentsagender; im Pali sind dies drei Wortspiele, die nicht übersetzbar)
389
Brahmanen schlage nicht! Brahmane, wehr' dich nicht!
Weh dem, der einen schlägt! Weh dem, der widerficht!
390
Brahmane, nicht gering acht' die Enthaltsamkeit!
Gib auf die Angriffslust! So schwindet alles Leid.
391
Kein Unrecht tun in Werk, in Worten und Gedanken!
Ein echter Brahmana darf hierin niemals schwanken.
392
Wer uns das Buddhawort erklärt, der sei uns teuer!
Man ehre ihn, wie der Brahmane ehrt das Feuer.
393
Brahmane wird man nicht durch Haartracht oder Ahnen;
Nur die in Recht und Wahrheit leben, sind Brahmanen.
394
Wozu das Haargeflecht? Wozu das Fell, der Putz?
Du Tor bist außen fein und innerlich voll Schmutz.
395
Den Mann im Lumpenkleid, voll Adern, abgezehrt,
Der sich im Wald versenkt, halt' als Brahmanen wert!
396
Brahmane ist nicht der, der sich berufen kann
Auf Ahnen, eingebildet und ein reicher Mann;
Wer arm und wunschlos, den sieh als Brahmanen an!
397
Wer alle Ketten brach und nichts zu fürchten hat,
Der Freigeword'ne ist Brahmane in der Tat.
398
Brahmane ist nur, wer von Bindung frei sich machte,
Die Kette brach, den Riegel hob und dann erwachte.
399
Brahmane heiße, wer unschuldig Schimpf und Strafe
Erträgt und die Geduld gebraucht als starke Waffe.
400
Brahmane heiße, wer den Zorn hat abgelegt
Und, wunschlos, sittsam, fest, den letzten Körper trägt.
401
Brahmane heißt, von dem die Lust abgleitet glatt
Wie von der Nadel Senf, wie Tau vom Lotusblatt.
402
Brahmane heißt, wer hier des Leidens Ende fand,
Die Last abwarf und alles abschnitt, was ihn band.
403
Die, weisheitstief und klug, den Weg und Abweg kennen,
Ans Ziel Gelangte, sie will ich Brahmanen nennen.
404
Brahmane heißt, wer, heimatlos, Verkehr nicht pflegt
Mit Pilgern und mit Volk und wenig Wünsche hegt.
405
Brahmane heißt, wer niemals eine Waffe trägt,
Ob schwach, ob stark, kein Wesen schlagen läßt noch schlägt.
406
Brahmane heißt, wer gegen Feinde sich nicht wehrt,
Bei Heft'gen ruhig bleibt, bei Gier'gen nicht begehrt.
407
Brahmane heißt, bei wem, wie an der Nadel Spitzen
Kein Senfkorn, so nicht Gier und Haß und Stolz bleibt sitzen.
408
Brahmane heißt, wer klug und wahr die Worte setzt
Und niemals rauh und grob, so daß er nicht verletzt.
409
Wer nichts nimmt ungeschenkt, ob kurz, ob lang, ob klein,
Ob groß, ob gut, ob schlecht, der mag Brahmane sein.
410
Wer nicht nach dieser Welt und nicht nach jener trachtet,
Wunschlos und fesselfrei, sei als Brahman' erachtet.
411
Wer wunschlos, weisheitsstark den Zweifel überwand
Und zum Nirvana kam, sei Brahmana genannt.
412
Wen nicht Verdienst noch Schuld hier bindet, wer ganz rein
Und ohne Sorgen lebt, der mag Brahmane sein.
413
Brahmane heißt, wer, wie der Mond, so rein und klar ist
Und alles Strebens nach der Welt Vergnügen bar ist.
414
Wer gänzlich überwand die Wandrung durch die Welten,
Der sich versenkt und den nicht Wunsch noch Zweifel quälten,
Der ganz erloschen ist, mag als Brahmane gelten.
415
Brahmane heißt, wer hier auf Sinnenlust verzichtet
Und, heimatlos, den Lust- und Lebenstrieb vernichtet.
416
Brahmane heißt, wer hier den Lebensdurst vernichtet
Und, heimatlos, auf Durst und Leben ganz verzichtet.
417
Brahmane heißt, wer sich von aller Bindung trennt,
Bindung an Menschen und an Götter nicht mehr kennt.
418
Brahmane heißt, wer frei von Lust und Leid sich hält,
Kühl, ohne Leidenschaft, die Welt besiegt als Held.
419
Wer Werden und Vergeh'n der Wesen in den Welten
Kennt, haftensfrei, erwacht, mag als Brahmane gelten.
420
Der, dessen Weg nicht Götter, Engel, Menschen kennen,
Der weltfrei, heilig ist, mag sich Brahmane nennen.
421
Brahmane heißt, wer nichts besitzt und nichts vermißt,
Auch nichts erhofft, wer arm, doch ohne Wünsche ist.
422
Den sieghaft starken Held, den wunschlos großen Weisen,
Den voll Erwachten will ich als Brahmanen preisen.
423
Wer früh're Leben kennt, Himmel und Unterwelten,
Ein Wissensreicher, der des Daseins Ende fand,
Ein ganz vollkomm'ner Mensch mag als Brahmane gelten.
|
|
|
25.10.2004, 17:10
|
Dhammapada Beitrag #2
|
|
Senior Member
Registriert seit: 07.06.2003
Beiträge: 19.871
|
gibt es die mandalas auch im grossfomat, um die einzelheiten dieser zu erkennen?
|
|
|
26.10.2004, 14:20
|
Dhammapada Beitrag #3
|
|
Senior Member
Registriert seit: 07.06.2003
Beiträge: 19.871
|
Zitat:
|
Zitat von DejaVu
gibt es die mandalas auch im grossfomat, um die einzelheiten dieser zu erkennen?
|
Das Mandala des erleuchteten Kosmos hab ich hier noch etwas größer.
Das andere hab ich nur in der einen Größe, aber Du kannst Dich ja mal hier umsehen.
Lieben Gruß,
Elias
|
|
|
26.10.2004, 18:00
|
Dhammapada Beitrag #4
|
|
Senior Member
Registriert seit: 13.07.2004
Ort: Wunderland
Beiträge: 1.400
|
Erstmal danke für die Bilder.
Die wandern alle in meinen "Erleuchtungs-Bilder-Ordner". 
Leider komme ich nicht dazu die ganzen Texte zu lesen.
Das finde ich schade.
Aber was soll man machen. Die Zeit kann man nicht anhalten.
Lieben Gruß
|
|
|
 |
| Themen-Optionen |
Thema durchsuchen |
|
|
|
Weitere Themen von Anonymous
|
| Thema |
Datum |
Forum |
Antworten |
Letzter Beitrag |
manoman
manoman: ...das Forum macht ja optisch mächtig was los. ...
|
15.06.2003 |
Offenes Forum |
0 |
15.06.2003 01:06 |
Andere Themen im Forum Dhyana
|
| Thema |
Datum |
Autor |
Antworten |
Letzter Beitrag |
Philosophischer Materialismus
Philosophischer Materialismus: Aufgrund wahrgenommener Tendenzen im Forum möchte...
|
13.07.2007 |
Gast53 |
88 |
22.07.2007 23:26 |
der ständige begleiter der menschen
der ständige begleiter der menschen: hallo!
für manche ist es gut zu wissen, dass...
|
13.09.2006 |
Gast391 |
129 |
03.10.2006 20:08 |
Jed McKenna
Jed McKenna: Hallo Leute
Was haltet ihr eigentlich von...
|
05.04.2006 |
a-z |
107 |
09.05.2006 10:44 |
Schamanische Meditation mit der Jahreszeit
Schamanische Meditation mit der Jahreszeit: Nun, da auch ich einen Beitrag leisten möchte,...
|
17.02.2006 |
widder74cgn |
3 |
28.02.2006 16:49 |
Reiki - der Stoff aus dem Mensch wie Universum gemacht ist
Reiki - der Stoff aus dem Mensch wie Universum gemacht ist: .
Vor langer Zeit - genau gesagt 20 Jahren -...
|
14.03.2005 |
Marla |
91 |
28.03.2005 17:58 |
|