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Jnana

Der innere Weg der Selbsterforschung
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Alt 26.10.2004, 12:03   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #1 (permalink)
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Durch 'Zufall' stieß ich auf ein kleines Buch in meinem Bücherregal und stöberte es ein wenig durch. Da stieß ich auf Worte, die für mich 'Alles und Nichts' erklärten:

Aus: "Die Weisheit des Buddhismus" von Michael Chen, herausgegeben vom Knaur-Verlag, 1999

Zitat:
Der Suchende

Bei einem seiner Erkundungszüge traf [Siddharta] Gautama auf einen Mann, der ganz offensichtlich so gut wie nichts besaß - nicht einmal Schuhe oder richtige Kleidung - und trotzdem glücklich war. Er schien ausschließlich darauf konzentriert, die Fragen nach dem Sinn des Lebens zu klären. Gautama, inzwischen 29 Jahre alt, fasste den Entschluss, es ihm gleichzutun. Eines Nachts verließ er heimlich den Palast, um sich auf Wanderschaft zu begeben.

Dass Gautama in den nächsten Jahren wirklich ein Suchender war, bezeugt die Tatsache, dass er unterschiedliche Wege zur Erkenntnis ausprobierte und dann als falsch erkannte. Er schloss sich Yogis und Mystikern an, machte sich mit verschiedensten Theorien bekannt. Dann lebte er lange Zeit als Asket, praktizierte strengste Enthaltsamkeit, die ihm beinahe den Tod brachte, und versuchte, sich durch Schmerz und Verzicht zu reinigen.

Schließlich begriff er, dass er die Wahrheit der menschlichen Existenz auf diese extreme Weise nicht finden würde. Er musste aufhören verzweifelt zu versuchen, etwas zu erreichen, nach etwas streben. Also kehrte er zu einer normalen Ernährung zurück, erholte sich und begann, unter einem Feigenbaum zu meditieren. Er saß einfach da, ließ geschehen, was geschah, erlebte und betrachtete sich, seinen Körper, seine Gedanken und Gefühle. Er hörte das Zwitschern der Vögel, die Geräusche des Windes, nahm den Geruch der Bäume wahr. So wurde er zu einem Teil seiner Umgebung, zu einem Teil des Daseins.

Gautamas Gedanken beschäftigten sich mit seiner Vergangenheit, seiner Jugend, seiner Kindheit, bewegten sich dann über die Grenzen seines Lebens hinaus in frühere Leben, weiter bis an den Anfang des Universums und auch darüber hinaus zu Entstehung und Erlöschen anderer Universen. So wurde er Teil all dessen, was jemals geschehen war. Sein durch Grenzen definiertes Ich war aufgehoben und wie ein Regentropfen im Ozean im Dasein aufgegangen. Gautama war nichts und alles.
Alles und Nichts kann Ich nicht trennen - für die Einen ist es 'Nichts' für die anderen ist es 'Alles' - für mich ist beides EINS. (Das erkenne ich jetzt )

Ich weiß, dass eigentlich jeder diesen Teil aus der Entstehungsgeschichte des Buddhas, Siddharta Gautama, und somit des Buddhismus, kennt, aber ich wollte im Hinblick auf diesen Teil der Geschichte, den suchenden Siddharta, gern ein wenig schreiben.

Ich glaube, so richtig auf der Suche war ich 'bewusst' nie, aber durch das 'spontane' Leben stieß ich auch immer wieder spontan und unbewusst auf Fragen des Lebens, die mir immerwieder einen Moment des Innehaltens bescherten. Ich suchte meist solange nach einer Antwort, bis ich sie bekam. Manchmal dogmatisch, aber manchmal auch sehr entspannt. Doch das Leben selbst, welches man ein-fach lebt, gibt die besten Antworten, wenn es denn Antworten in diesem Sinne gibt. Je lockerer ich gelassen hatte/habe, desto schneller und ein-facher kamen und waren/sind die Antworten. Und immer finde ich sie tief in mir SELBST.

Oft wird das von Mitmenschen 'falsch' interpretiert. Als eine Art Lethargie oder Phlegmatismus - und ich habe oft genug versucht, das richtig zu stellen, bis ich erkannte, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss. Denn jeder trägt es doch in sich - und vll war ich für diese Menschen nur ein Spiegel. Früher dachte ich immer, dass diese Okayness, Akzeptanz und das 'Fliessen lassen' das Ende des Lebens sein muss, da man ja das Lebensziel erreicht hat. Heute weiß ich, dass es erst recht anfängt ohne jemals aufzuhören

Leid ist nunmal genause DA wie Glück - und nur im wirklichen Fühlen all meiner Gefühle und das Ausleben all meines Daseins lässt mich das eigentliche Geschenk Gottes genießen ...

LG, Octava
Sara ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:04   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #2 (permalink)
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Somit verstehe ich auch die Angst und die Rebellion des Verstandes, die ein Mensch mit diesem Dasein hat. Es ist wirklich schwierig ES in Worte zu fassen, denn kein Wort, was es gibt, kann ES erklären - ich weiß, ich wiederhole mich

Ich fühle mich frei und erkenne 'meine' Lügen, die ich mir selbst über die Jahre gesponnen habe. Das Sicherheitsnetz, was ich dachte, welches mich in der Not auffängt, existiert nicht - und paradoxerweise ist die Erkenntnis dessen genau das, was mich Lächeln lässt. Also kann ich ganz entspannt weiter-leben und ES so geschehen lassen wie ES nunmal ist.
Sara ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:18   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #3 (permalink)
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Hi Octava aber auch Sonstige Leute

Reicht es auf eine Frage eine Antwort zu haben?
Oder kann man auf eine Frage auch zwei Antworten haben?
Oder ist es egal vieviele Antworten man hat?
Sind Antworten überhaupt wichtig?
Sind Fragen unwichtig?

Ist es überhaupt entscheindend auf eine Frage, die relativistisch anmutet eine relativistische Antwort zu haben?
Beispiel:
Man fragt: Was ist ein Baum?
Man antwortet: Ein Baum ist eine Pflanze.

Oder kann man auch einfach eine absolute Antwort geben?
Beispiel:
Man fragt: Was ist ein Baum?
Man antwortet: Ein Baum ist ein Baum.

Ich meine: Wenn man weiß, dass die Antwort egal ist, weil Antworten egal sind, hat man dann den Dreh raus?
Oder hat man den Dreh raus, wenn man nicht mehr fragt?

Wenn ich denke Gewissheit zu haben, kann ich mir dann sicher sein Gewissheit zu haben?
Woher weiß ich, dass ich die Gewissheit nicht wieder verliere? --> Woher hab ich Gewissheit, Gewissheit nicht wieder zu verlieren?

Lieben Gruß
Benjamin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:23   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #4 (permalink)
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Zitat:
Wenn ich denke Gewissheit zu haben, kann ich mir dann sicher sein Gewissheit zu haben?
Woher weiß ich, dass ich die Gewissheit nicht wieder verliere? --> Woher hab ich Gewissheit, Gewissheit nicht wieder zu verlieren?
Gewissheit exitstiert nicht (meiner Meinung nach). Kein Mensch wird jemals Gewissheit im Sinne des absoluten Wissens erreichen. Das ist wie mit dem Sicherheitsnetz was sich Menschen bauen - und genau dies fällt ja weg

Ich möchte keine Gewissheit mehr haben, alles, was ich zu einer Antwort brauche, erfahre ich in mir SELBST. Fragen sind gut, auch die Antworten, aber Gewissheit wirst Du nie dadurch erfahren - und DAS macht mir keine Angst oder erzeugt nichts Rebellisches mehr in mir. ...es ist ruhig
Sara ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:24   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #5 (permalink)
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Hallo Oktava,

es ist sowohl als auch, ganz genau. Das Nichts ist die allgegenwärtige Leere des Bewusstseins, das Nirvana. Das Alles ist die ganze Mannigfaltigkeit der offenbarten Welt, welche ständig vergeht und neu "gebiehrt".

Mir gefällt dort das Beispiel von Shiva und Shakti. Shiva ist das schauende Bewusstsein und Shakti die Schöpferische Kraft, die erschaffende Lebensenergie und deren Entfaltung. Und letztlich sind beide Eines.

Das advaitische Modell nach Shankara beispielsweise, dass die Welt unwirklich sei, kann ich nicht teilen. Auch wenn die Welt nicht das ist, wie sie vielen Menschen erscheint, ist sie dennoch nicht unwirklich und zu negieren. Dennoch gibt es keine Materie an sich, da alles "nur" wandelbare Energie ist (Elektronen wirbeln um den Atomkern und erscheinen als feste "Kugel").

Ich sehe die gesamte Existenz oder Schöpfung als Lila, das göttliche Spiel, der spielerische Ausdruck Gottes. Gott erfährt sich hier in unzähligen scheinbar begrenzten Lebensformen, weil Er sonst nichts anderes zu tun hat. :wink:

Lieben Gruß,
Elias
Anonymous ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:27   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #6 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Octava
Gewissheit exitstiert nicht (meiner Meinung nach). Kein Mensch wird jemals Gewissheit im Sinne des absoluten Wissens erreichen.
Genau, denn es gibt nur absolutes Gewahrsein, keine absolute Gewissheit.

Gewahrsein ist Seele, ist Tranzendenz. Gewissheit ist mental und daher ewig wandelbar und vergänglich.
Anonymous ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:33   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #7 (permalink)
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Also gibt es keine Motivation mehr zu handeln.
Es gibt lediglich die Handlung die geschieht weil sie in dem Moment der Handlung keinen Handelnden mehr besitzt.
Könnte man es so ausdrücken?

Ich meine Antrieb im Sinne von: Etwas zu erreichen ist nicht mehr Sinn und Zweck der Handlung.
Handlung wird vollzogen, weil sie existiert.
Benjamin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.10.2004, 13:35   Das Alles- oder/und Nichts-Konzept Beitrag #8 (permalink)
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Benutzerbild von Sara
 
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Gewahrsein ist ein sehr 'treffendes' Wort, Elias ...Du hast dafür sehr schöne Worte gefunden, danke
Sara ist offline   Mit Zitat antworten
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