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Alt 17.04.2006, 16:10   Der vollkommene Zustand der Seele - Wesen und Wahrheit der reinen Religion Beitrag #1 (permalink)
dvaitavada
Member
 
Benutzerbild von dvaitavada
 
Registriert seit: 20.02.2006
Beiträge: 77
Standard Der vollkommene Zustand der Seele - Wesen und Wahrheit der reinen Religion

hier zur allgemeinen inspiration und passend zur rubrik....ein sehr schoener beitrag erschienen in der zeitschrift fuer spiritualitaet wissenschaft und philosophie.... etwas lang gebe ich zu.....doch es lohnt sich es mal durchzulesen......viel spass....wuennscht euer dvaita.....

tattva viveka (www.tattva-viveka.de)


Der vollkommene Zustand der Seele - Wesen und Wahrheit der reinen Religion


Ronald Engert: Du praktizierst den indischen Weg des bhakti-yoga, der Yoga der Liebe zu Gott, der auch Vaishnava-Dharma genannt wird und in der Linie der Gaudiya Vaishnavas steht. Du hast Sannyas angenommen, was in dieser Tradition bedeutet, dass Du Dein ganzes Leben der Wahrheit gewidmet hast, allem weltlichen Besitz entsagt hast und im ZЖlibat lebst. Du bist in England geboren. Wie kommt es, dass Du zu dieser indischen Religion gefunden hast? Was ist deine innere Sehnsucht, die dich dazu gefЭhrt hat?

Aranya Maharaja: Diese Frage kann aus zwei Blickwinkeln beantwortet werden √ dem relativen und dem absoluten Blickwinkel. Der relative Blickwinkel ist meine eigene Erfahrung und mein relativ begrenztes Bewusstsein, das sich langsam entwickelt. In meiner Jugend hatte ich ein starkes Interesse an Fragen nach der Wahrheit und Gott. Insbesondere suchte ich nach einem religiЖsen System, das eine Methode der Meditation zu bieten hДtte, die eine direkte Erfahrung der Seele und Gottes ermЖglichen wЭrde. Auf natЭrliche Weise richtete sich deshalb meine Aufmerksamkeit in den Osten und die Yoga-Systeme des alten Indien. Unter den verschiedenen Yoga-Systemen und Philosophien des alten Indien fand ich die vollstДndigste, umfassendste und konsistenteste ErklДrung der RealitДt in den Veden, dem Vedanta, den Upanishaden und den ErklДrungen der groъen Weisen in der Vaishnava-Tradition. Unter den Weisen der Vaishnava-Tradition sind vier die wichtigsten: Sri Ramanuja Acarya, Madhva Acarya, Nimbainitya und Vishnu Swami. Obwohl es zwischen ihren Lehren gewisse Unterschiede gibt, wurden alle diese Anschauungen von Sri Caitanya Mahaprabhu in eine vollkommene und fehlerfreie Synthese gebracht.
Deshalb brachte mich meine Suche nach Wahrheit und Erleuchtung auf natЭrliche Weise zu Sri Caitanya Mahaprabhu. Das ist die relative Antwort auf diese Frage.
Die absolute Antwort auf diese Frage ist folgende: Jede Seele durchlДuft viele, viele Leben. In jedem Leben durchlДuft sie bestimmte Lehrerfahrungen. Jedes einzelne Leben kann verstanden werden wie ein Tag in der Schule. An jedem Tag in der Schule lernen wir eine wichtige Lektion, die wir dann in den nДchsten Tag mitnehmen. In Дhnlicher Weise wandert die Seele durch diese Welt, und in jedem Leben lernt sie eine wichtige Lektion. Dann geht sie in das nДchste Leben und bringt diese Lektion mit. Obwohl sie die Details ihres frЭheren Lebens vergessen hat, bleibt die Essenz ihrer Entwicklung und die Disposition erhalten, so dass die Seele den Fortschritt zur nДchsten Stufe machen kann. Aus der Sicht des absoluten Standpunkts gesehen weiъ ich, dass ich in meinen vorangegangenen Leben gewisse эbungen und Praktiken des Vaishnavismus ausgefЭhrt haben muss und so auf natЭrliche Weise schon in frЭhester Jugend zum Vaishnava-Dharma hingezogen war, obwohl ich mir auf der Ebene meines eigenen Bewusstseins dieser Sache nicht bewusst war. Die Geschichte eines Lebewesens im Sinne seiner TДtigkeiten aus frЭheren Leben und sein sukriti (die Ansammlung frommer Taten) fЭhren es und lenken es wieder auf den Pfad, den es schon im vorangegangenen Leben praktiziert hat.
In unseren eigenen tДglichen Erfahrungen gibt es viele EindrЭcke, die sich tief in unser Bewusstsein eingeprДgt haben und uns dazu bewegen, bestimmte Orte wieder aufzusuchen. Wir sind uns dessen auf der oberflДchlichen Ebene unseres Bewusstseins nicht bewusst.

RE: Du warst kЭrzlich in Israel. Dort bist du auch sehr bewusst die Wege gegangen, die Jesus Christus gegangen ist. Ich nehme an, Du hast dort die spezifische Energie von Jesus gespЭrt. Was war dein Eindruck und was ist deine Beziehung zu Jesus?

AM: Schon in meiner Kindheit habe ich die Bibel gelesen und war sehr fasziniert von der Bergpredigt. Ich las sie immer wieder und fЭhlte, dass es sich hier um wirklich universale Prinzipien handelte. Die Prinzipien, die dort gesprochen wurden, waren nicht das Eigentum einer bestimmten Religion, Rasse oder Nation. Sie sind fЭr alle Lebewesen in jeder Hinsicht von groъer Bedeutung. ZufДlligerweise hatte ich eine Verabredung mit einem Professor fЭr Indologie, dessen Haus direkt am See von Genezareth lag. Ich hatte nicht geplant, dort hinzugehen, aber Gott hatte es fЭr mich so geplant. Als ich an diesen Ort kam, war ich sehr inspiriert, Эber die Lehren und Taten von Jesus zu meditieren. In diesem Moment kamen wie von selbst ganz viele Gedanken aus verschiedensten Richtungen in mein Herz. Ich fЭhlte sehr deutlich, dass der Glaube in das, was jenseits unserer Existenz ist, in etwas, was hЖher ist als wir und unseren Dienst und unsere Verehrung verdient, ein sehr wichtiger Aspekt persЖnlicher Entwicklung darstellt. Diesen Glauben werden wir dann eines Tages in transzendentale Liebe verwandeln. Die persЖnlichen Merkmale des hЖchsten Herrn werden dann fЭr die Augen der Seele sichtbar werden.
Es gibt so viele Dispute zwischen den Theologen und Gelehrten, ob bestimmte Begebenheiten im Leben von Jesus wahr sind oder nicht. Wenn jedoch ein Mensch einen bestimmten Ort besucht, der als Schauplatz eines Wunders gilt, und sich in die Lehren vertieft, wird sein Glaube bereichert. Ob es also wahr oder falsch oder halb wahr ist, ist nicht so bedeutend. Diese PlДtze und die Lehren erzeugen im Herzen des Lebewesens eine Neigung, Gott Dienst darzubringen. Und das ist die wertvolle Sache.

Was ist die Ursache unserer Verstrickung und die Ursache unserer Unwissenheit? In Sanskrit wird es bhoga-vritti genannt, die Tendenz, in einem egoistischen Geist zu genieъen. Das Gegenteil dieses selbstischen Geistes ist der Geist des Opfers, der Hingabe und des Dienstes zum hЖchsten Wesen. Deshalb ist der Glaube an das hЖchste Wesen, was eine Haltung des Dienstes voraussetzt, das Allheilmittel gegen das materielle Bewusstsein und seine Unwissenheit, das uns in der endlosen Kette von Geburt und Tod festhДlt. Die historischen Details sind im Grunde unwichtig, wenn man sie mit den Erfahrungen vergleicht, die das Herz einer Person transformieren und sie von einem Ego-zentrierten Bewusstsein zu einem Gott-zentrierten Bewusstsein bringt. Das ist das Wichtige. Als ich nun an diesem Ort war und Эber diese Dinge kontemplierte, kam ein Vers der Bhagavad-gita in meinen Sinn. Hier sagt Krishna in Vers 7.21:
yo yo yam yam tanum bhaktah
sraddhayarcitum icchati
tasya tasyacalam sraddham
tam eva vidadhamy aham
"Wenn jemand den Wunsch hat, ein gЖttliches Wesen zu verehren, dann krДftigt Krishna, der die absolute Wahrheit ist, den Glauben dieses Lebewesens in diese Gottheit, was immer sein Konzept von einem gЖttlichen Wesen sein mag."
Das ist sehr bedeutsam. Wenn z.B. ein naturreligiЖser Stamm im Wald die Auffassung vertritt, dass ein Berg Gott ist, und jemand anderes in einer anderen Gegend hat eine andere Konzeption von Gott und so weiter, so werden alle diese Glaubensformen bekrДftigt, und zwar von wem? Von Gott, der hЖchsten absoluten Wahrheit selbst. Diese Stellungnahme wird in der Bhagavad-gita gemacht. Warum? Weil es in den frЭhen Stadien des spirituellen Erwachens nicht so sehr auf die Details ankommt. Die bedeutende Sache ist die Tendenz, das selbstzentrierte Bewusstsein aufzugeben und sich der Hingabe zu Gott zuzuwenden. Wenn also ein kleiner Funke dieser Stimmung der Hingabe im Lebewesen erscheint, facht Gott diesen Funken an, damit er wachsen und eines Tages ein alles verschlingendes Feuer werden mЖge.


Wir kЖnnen also sehen, dass in dieser Welt verschiedene Menschen verschiedene Tendenzen haben. Ein Konzept von Gott mag vielleicht nicht fЭr jeden passen, deswegen sehen wir eine Vielfalt von religiЖsen Glaubensformen, die je nach Stadium ihrer religiЖsen Entwicklung fЭr unterschiedliche Menschen mehr oder weniger attraktiv sind. Auf der einen Seite kann jemand eine kritische Haltung einnehmen und sagen, es gibt so viele verschiedene religiЖse Bilder und das ist ein Grund fЭr so viele Probleme. Wenn jedoch jemand den Panoramablick der Ewigkeit hat und die vielen, vielen Inkarnationen der Lebewesen Эberblickt, wird er erkennen, dass es die GЭte Gottes ist, in dieser Welt eine Vielfalt von religiЖsen Konzepten zu manifestieren, um die Seelen zu erreichen, die unterschiedliche Tendenzen haben und zu verschiedenen majestДtischen Merkmalen des hЖchsten Wesens hingezogen sind. Wenn wir dieses Faktum verstehen, werden die scheinbaren WidersprЭche der verschiedenen Konzepte sehr unbedeutend. Dann erkennen wir das Prinzip des MitgefЭhls hinter dieser Vielgestaltigkeit der Glaubensformen.
Auf den niedrigsten Stufen religiЖsen Glauben kДmpfen die Menschen gegeneinander. So schlimm wie diese KДmpfe sind, lДsst sich doch feststellen, dass diese Menschen im Kampf fЭr ihre religiЖsen эberzeugungen einen sehr starken Glauben haben. Wenn sie dann in diesem Kampf sterben, denken sie in der Sekunde ihres Todes an Gott. Im nДchsten Leben haben sie dadurch die Chance, voranzuschreiten. In diesem Leben sind sie so verunreinigt von den niedrigen Erscheinungsweisen der Natur, wie Wut, Aggression, Neid, Gier und Unwissenheit sowie sehr heftigen karmische Reaktionen. Um sie zu reinigen, ist der Tod des materiellen KЖrpers hilfreich. Im nДchsten Leben sind sie dann von vielen niedrigen karmischen Reaktionen gereinigt und kЖnnen sich weiter entwickeln. Dies ist die Logik des Dornes, der benutzt wird, um einen anderen Dorn zu entfernen. Wenn du einen Dorn im Fuъ hast, wie willst du ihn entfernen? Diese Lebewesen sind in einem sehr niedrigen Stadium der spirituellen Entwicklung. Manchmal entfernen sie sich gegenseitig und gehen dann zur nДchsten Stufe.

Geändert von dvaitavada (17.04.2006 um 16:18 Uhr)
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