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Zitat von Mind.It
Warum brauche ich Regeln? Warum Zwang? In einer Religion? Was bringt ein Glauben der zwingt, anderes als ein feste Gesellschaftsstruktur, auf Kosten derer die aus ihr ausbrechen wollen? Ist das noch Religion oder schon Politik?
Thomas
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Was "Religion" ist, hat sich im Westen am Christentum herausgebildet. "Religion" im Westen ist das, was so oder so ähnlich ist, wie das Christentum. Das Christentum war der Modellfall für das Wort und so wurde das Christentum die Religion
par excellence.
Der westliche Religionsbegriff taugt nur sehr eingeschränkt für den Islam (und auch für den Hinduismus und andere Systeme).
Im Arabischen ist der Islam "din" (mit langen "i"). Da steckt aber auch die Bedeutung "Gesetz", "Ordnung" und "Praxis" drin. Tilman Nagel, der profilierteste lebende deutsche Islamwissenschaftler übersetzt "din" mit "Ritualpraxis".
Zur islamischen Ritualpraxis gehören aber nicht nur rituelle Reinheit, Salat (Ritualgebet), Ramadanfasten und die Ritaule der Pilgerfahrt nach Mekka. Alles was dazugehört steht in den Scharia-Handbüchern.
Und zur Scharia gehören eben auch Kaufverträge, Ehe-, Erbschafts- und Strafrecht, Dschihad verstanden als Glaubenskampf mit oder ohne Waffe, und so weiter und so fort.
Alle diese Regeln und Gesetze sind nach klassischer Auffassung integraler und unverzichtbarer Teil des Systems Islam.
Islam umfasst also nicht nur eine Religion im westlichen Sinne, sondern auch ein Rechts- und ein Gesellschaftssystem, einschließlich eines Herrschaftssystems. Das moderne Schagwort dafür ist "din wa daula", was heißen soll, Islam umfasst neben dem "din" auch noch den gesamten (modernen) Staat.
Einen Islam, der von seinem Anspruch her nur Religion im westlichen Sinne ist, gibt es nur in kleinen Gruppen am Rand des Islams.
Genau das macht den mainstream-Islam tendenziell totalitär. Kritische Muslime und Exmuslime warnen schon seit einiger Zeit vor dieser totalitären Gefahr, vor dem "dritten Totalitarismus".
Ein sehr wichtiges Dokument dazu ist das "Manifest der Zwölf"
http://de.wikipedia.org/wiki/Manifest_der_12
Nur am Rande: Die islamische Tradition unterscheidet vielfach zwischen "Islam" und "Iman", zwischen Islam und Glauben und zwischen "Muslim" und "Mu'min", zwischen "Muslim" und "Gläubigen (Muslimen)".
Muslim ist zuerst einmal nur einer, der sich den Regeln des Islam unterwirft, ein "Unterworfener". Glaube ist nicht das Zentrale in der diesseitigen Ordnung des Islams. Auch Muslime, die nicht "Mu'min" sind, können gerettet werden.